Wenn in Deutschland jemand die Legalisierung von harten Drogen fordert, wird er als im besten Falle als “Hippie” oder “realitätsfern” bezeichnet, im schlimmsten als Korrumpeur des Rechts und guten Lebens. Was jedoch dahintersteckt, sind inzwischen ganz andere Motive als das eigene Interesse, Drogen konsumieren zu können, oder vor der Macht der Drogen zu kapitulieren. Es häufen sich Hinweise, dass eine Lealisierung aller Drogen viel vorteilhafter wäre als die momentane Kriminalisierung. Es wäre nicht nur eine Kontrolle ermöglicht, sondern auch ein bewussterer Umgang mit Drogen in der Gesellschaft sowie weniger menschliche Schäden. Nicht zuletzt ermöglicht es auch Einnahmen für den Staat, mit denen er z.B. Aufklärungsprogramme finanzieren könnte. Geld, das momentan in viel größeren Mengen Drogenkartellen zur Verfügung steht und auf staatlicher Seite in Polizei und Militärs investiert werden muss, um diese Kartelle zu bekämpfen.
Es hat sich aber kaum etwas geändert. Außer vielleicht, dass der Drogenkrieg inzwischen zu einer historischen Erfahrung geworden ist, der Fatalismus, sich damit abfinden zu müssen, zu einer Tugend. Seit zwei bis drei Generationen geht das nun so, wo keine Hoffnung mehr lebt, kriegt man seine Kinder jung. Und die, die glauben, für die Gerechtigkeit zu kämpfen, für Sauberkeit und Ordnung, wissen längst nicht mehr, wie das geht. Sie fahren durch die Straßen West Baltimores wie Soldaten durch ein besetztes Land. Sie sehen keine Bürger mehr, sondern nur Feinde. Sie halten jede Festnahme für einen Erfolg. Sie präsentieren Drogenfunde stolz auf Pressekonferenzen, als wäre nicht die Nachfrage das Problem, sondern das Angebot. Sie gehören längst zum Spiel: die Polizeipräsidenten, die mit ihren Quoten prahlen, und die Politiker, die immer wieder neu versprechen, eine Lösung parat zu haben. Sie sind, so jedenfalls beschreiben es Simon und Burns, „Teil eines Wachstumsmarkts“.
Ein Artikel bei der FAZ versucht ausführlich zu zeigen, wie all diese Punkte zusammenpassen und wie sie auf dem amerikanischen Kontinent die Bedindungen verändern würden. Nicht nur die wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Faktoren spielen dabei eine Rolle, sondern auch die Umwelt:
Es gibt, das zumindest ist die Basis eines marktwirtschaftlichen Rechtsstaats, durchaus ein paar sehr effektive legale Instrumente der Kontrolle und Reglementierung. Solange aber Drogen verboten sind, ist alles, was mit ihnen zu tun hat, illegal. Und wo das Gesetz nicht hinkommt, da hat es keine Macht. Zu den eher unbekannten Problemen des Kokains etwa gehört das ökologische Desaster, das seine Herstellung mit sich bringt: Der Anbau zerstört den Regenwald, für die Gewinnung aus den Coca-Blättern benötigt man pro Kilogramm drei Liter Schwefelsäure, bis zu achtzig Liter Kerosin und einen Liter Ammoniak, die Abwässer landen ungefiltert in den Flüssen. Mag sein, dass das ein Schaden ist, den man vernachlässigen kann, solange Menschen sterben. Aber es ist ein ganz gutes Beispiel für die grundsätzliche Ohnmacht politischer Maßnahmen: Wie soll man eine Fabrik kontrollieren, die es nicht geben darf? Es ist gar keine Frage: Drogen verursachen riesige Probleme. Man sollte es nicht Kriminellen überlassen, sie zu lösen.
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