Zitat des Tages (41)

nein, erschreckend ist das meinungsbild. 160 kommentare an einem nachmittag, der tenor ist oft der selbe: ein mann mit rückrat, seine anfeindungen nur sinnbild der unfreiheit, die in diesem land herrscht, denkverbote überall.

es ist schade, aber man muss es sich eingestehen: die menschheit ist dumm. sie war es immer, bleibt es auch. hochgradig beschränkt in ihrer fähigkeit weiter zu denken als ein schwein scheißt. ich denke 90% der menschen heute wären gute nazis gewesen, hätten kein problem mit dem morden in kosovo gehabt, solange man serbe ist, hätten die armenier in die wüste geschickt, weil sie das türkische volkstum bedrohen.

bounded rationality ist die wohl schmeichelhafte umschreibung dafür, dass wir uns bis heute nicht sehr weit vom höhlenmenschen distanziert haben.

Ein Freund über Thilo Sarrazin und Reaktionen auf seine neue Buchankündigung. Leider muss ich ziemlich zustimmen…

flattr this!

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6 comments


  1. Agent Fishgang

    Chapeau! Eine Meinung, die nicht der eigenen entspricht, und deren Vertreter als verwirrt zu diffamieren, benötigt gewiss ein gerüttelt Maß an Mut.

    Was für ein Glück, dass wenigstens wir auf der gebildeten Seite stehen. Der dumme Pöbel soll doch mal bitte schön das Maul halten und uns machen lassen. Wir wissen schon wie die Welt tickt. Gute Nacht, Deutschland! Ab morgen: Internet kaputt. Ach, Gottchen, beim Bäcker gibt’ s kein schon keine Brötchen mehr.

    Damals waren übrigens auch um die 90% gute Nazis. Das Problem waren ja die bösen Nazis. Genau genommen waren das auch gar keine Menschen, sondern standen eher in der Tradition historischer Superschurken (Dschingis Khan, Buddha, Aquaman).

    Bounded rationality? Mangelhafte Begriffkenntnis zeichnet uns Bildungsbürger zum Glück auch schon seit einiger Zeit aus. Naja, im kulturpessimistischen Faselmainstream ist es halt so herrlich heimelig. Herzlichen Glückwunsch, morgen ist Kreuzbergzug!

  2. Agent Fishgang

    Man füge an geeigneter Stelle ein /s/ ein!

  3. Akim

    Ich finde es unverantwortlich, 90% der Menschen eine Tendenz zum Nationalsozialismus zu unterstellen. Da kann ich nur hoffen, dass der Urheber dieses Zitats in keiner öffentlichen Position sitzt und somit gerade noch tragbar bleibt!

    Jetzt etwas ernsthafter: In den letzten Tagen türmten sich die mehr oder weniger brisanten Nachrichten über Sarrazin und dessen Äußerungen in den Medien. Worauf genau bezieht sich die Kritik gegen Sarrazin und basiert der Drang, ihn aus öffentlichen Positionen auszuschließen? Es sind nach meinem Wissen folgende Aussagen:

    1. “Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden”
    Das relevante Interview findet sich hier: http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1385382/Thilo-Sarrazin-Ich-bin-kein-Rassist.html

    Es ist vermutlich jedem klar, was das eigentliche Problem an dieser Aussage ist; nicht der bloße Inhalt, sondern die Verbindungen zur Rassenlehre und zur nationalsozialistischen Ideologie, die reflexartig (vom Rezipienten) gezogen werden. Aus diesem Grund gilt sie als politisch inkorrekt.
    Da allerdings u.a. diese Aussage als Auslöser für Rauswürfe herhalten muss, sollte man sich darüber Gedanken machen, ob hier bereits oberflächliche Ideologie bedient oder eher ein tabuisierter Fakt vertreten wird. Diesbezüglich bin ich auf Folgendes gestoßen:
    http://www.welt.de/kultur/article9307900/Teilen-alle-Juden-wirklich-ein-bestimmtes-Gen.html
    In diesem Interview erklärt Gil Atzmon (Genforscher), dass man in genetischen Untersuchungen verschiedener Völker vornehmlich auf homogene Gruppen zurückgreift. Juden seien hierfür bestens geeignet, da die genetische “Verwandtschaft” (wenn man denn davon sprechen kann) unter ihnen besonders gut ausgeprägt sei.
    Mein Wissen von Biologie und insb. Genetik ist beschränkt, deshalb sehe ich mich nicht in der Lage, diese Aussage zu werten. Glaubt man jedoch der Aussage Atzmons, ist Sarrazins Zitat sicherlich weniger kritisch. Ein Biologe möge diesen Zusammenhang bestätigen.

    2. Zuwanderer hätten im Schnitt eine geringere Bildung, bezögen häufiger Hartz IV und seien (dementsprechend) häufiger arbeitslos.
    Ich verweise auf einen interessanten Artikel von tagesschau.de:
    http://www.tagesschau.de/inland/sarrazin154.html
    In diesem werden offizielle Zahlen herangezogen, die Sarrazins Aussage meines Erachtens im Wesentlichen bestätigen – ein beachtenswerter Artikel für alle, die an einer sachlichen Auseinandersetzung interessiert sind.

    3. “Die Wissenschaft ist sich einig darin, dass die gemessene Intelligenz zu 50 bis 80 Prozent erblich ist.” (Quelle: http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1385382/Thilo-Sarrazin-Ich-bin-kein-Rassist.html)
    Für mich ist diese Aussage das mit Abstand Witzigste der gesamten Debatte. Bisher konnte mir niemand halbwegs sinnvoll erklären, was dieser Satz bedeuten soll. Mein Eindruck ist, dass an dieser Stelle über etwas diskutiert wird, das die Wenigsten überhaupt verstanden haben.
    Worauf genau bezieht sich dieser Prozentwert; wie sollte es möglich sein, so einen Wert (auch nur theoretisch) festzustellen? Selbst, wenn man eine sinnvolle Definition eines solchen Indikators finden sollte, gehe ich fest davon aus, dass eine Messung der relevanten Informationen und die daraus resultierende Ermittlung des Wert praktisch ausgeschlossen ist.
    Wer anderer Meinung ist, kann mich gern vom Gegenteil überzeugen. Man bedenke jedoch, dass hierfür eine klare Defnition des besprochenen Indikators eine notwendige Voraussetzung ist.

    Anschlusssatz, der mich vor Anfeindungen bewahren soll: Ich bin sicherlich kein Rassist – im Gegenteil – und auch nicht auf Sarrazins “Seite”; seine Aussagen 1 und 3 (siehe oben) werde ich weder stützen noch verneinen. Meine Einschätzung ist, dass Sarrazin sich der (unsachlichen) Brisanz seiner Aussagen bewusst war und im Hinblick auf die nahende Buchveröffentlichung von “Deutschland schafft sich ab” weiterhin seine Provokationen vertrat. Beruft sich die Begründung der Rauswürfe aus SPD und Bundesbank (die faktisch laut Berlinger Morgenpost durch die Enthebung von allen seinen Aufgaben bereits geschehen ist) auf die obigen Aussagen, halte ich diese für unsachgemäße Entscheidungen. Ferner wird Sarrazin somit in der Behauptung bestätigt, man ignoriere die Probleme der Integration.

    Es stellt sich wieder einmal die Frage, was ein Politiker bzw. ein Bundesbankvorstand (sowie jede Person in einer öffentlichen Position) sagen “darf” und was nicht.

  4. Ich kann nicht auf jeden einzelnen Punkt eurer Kommentare eingehen, jedoch einige Anmerkungen dazu:

    Ja, es mag beschränkt anmuten, jemanden mit einer anderen Meinung als verwirrt zu bezeichnen. Doch es geht hier nicht um andere Meinung, es geht um Begründungen für Meinungen, die verwirrt erscheinen. Und manchmal muss man die Dinge mal beim Namen nennen. Denn seien wir ehrlich: Welche Begründung für ihre Meinung können die, die Sarrazin zustimmen, bieten? Sarrazin selbst führt m.E. auch fragwürde Interpretationen wissenschaftlicher Studien aus. Zumal ich mir noch nicht sicher bin, ob diese Studien mit den korrekten Methoden durchgeführt wurden. (Das bezweifle ich natürlich nur, da ich eine andere vorgefertigte Meinung habe, geschenkt. Dennoch möchte ich diesen Zweifel ernst nehmen, da ich diese Position nicht leichtfertig aufgeben möchte.)

    In Akims drittem Punkt geht es um die Errechnung der prozentualen Anteile der Gene an der Intelligenz eines Menschen. Dies wird durch verschiedene Methoden erreicht, z.B. Studien mit Zwillingen, die zusammen oder getrennt aufwachsen. Man behauptet (und hier regt sich auch bei mir Zweifel), dass man dadurch erwiesen hätte, dass die Intelligenz zu einem hohen Prozentsatz von den Genen abhängt.
    Was bei dieser schon für mich fragwürdigen Studieninterpretation dazu kommt, ist der Reflex, daraus schlussfolgern zu können, dass ja offensichtlich dann einige nicht so intelligent werden können wie andere. So what? Was ist, wenn die Gene bei den Völkern mehr oder weniger gleich verteilt sind, sodass jedes Volk etwa gleiche Intelligenzniveaus erreichen kann? Außerdem vergisst man dabei die anderen 20-50% (in Sarrazins angeführten Zahlen), die eben nicht von den Genen abhängen und beeinflussbar sind. Da lässt sich sicher noch einiges rausholen. Wie auch immer.

    Ich denke, es ist tatsächlich eine Frage, was eine Person der Öffentlichkeit sagen kann und was nicht. Sarrazin hat jedoch immerhin eine Position inne, in der er nicht einfach alles sagen kann. Es geht bis zu einem gewissen Grad, doch als Vorstand der Bundesbank halte ich eine Person für ungeeignet, die sich so provokativ zu Themen äußert, die nicht zu ihrem Fachgebiet gehören.
    Zudem ist es das gute Recht einer Partei, ein Mitglied auszuschließen, wenn es Meinungen vertritt, die völlig denen der Partei widersprechen.

    Andererseits halte ich es für irrsinnig, wie die Debatte geführt wurde (oder eben nicht). Keine Inhaltsanalyse, keine wirkliche Auseinandersetzung mit den von Sarrazin angesprochenen Punkten, sondern nur eine Tabuisierung der ganzen Sache. So schafft man einen Mythos. Ja, der arme Sarrazin, der ja nicht mal seine Meinung sagen durfte! Dass das vielleicht Blödsinn ist, darüber hat keiner geredet. Es wäre viel wichtiger gewesen, das zu zeigen (in dem Maße, in dem das der Fall ist).

  5. Agent Fishgang

    Ich sehe in der gesamten Debatte bestimmte Probleme, von denen ich – kontrastiv zu meiner ersten Äußerung – gern ernsthaft einige anführen möchte.

    Erstens scheint mir Herr Sarrazin ein Mensch zu sein, der bevorzugt in Zahlen denkt. Dass er ausgebildeter Volkswirschafter ist, mag einigen Einfluss darauf haben.
    Zweitens gibt es – da sollte man seinen Behauptungen ruhig Glauben schenken – offenbar keine offiziellen Statistiken zu den von ihm benannten Problemen.
    Drittens scheint mir die Diskussionskultur der vielbeschworenen Zivilgesellschaft gerade im professionellen Bereich (Medien und Politik) aktuell zu einem erbärmlichen Kasperletheater verkommen.

    Nimmt man all das zusammen so bieten sich einige Erklärungen für den Rummel an.
    Erstens, da Sarrazin in vorrangig mathematischen und nicht in sozialen Zusammenhängen denkt, agiert er mit der falschen Methode. In der Tat zahlen prozentual weit weniger Migranten Lohnsteuer etc. Allerdings liegt das vielfach daran, dass sie in Klein- und Kleinstunternehmen selbstständig sind. Warum soll der eigenständige Gemüsehändler (hoppla, ist das jetzt ein Stereotyp?) ohne Angestellte auch großartig in das Sozialsystem einzahlen?
    Zweitens, da Sarrazin mit dem Material arbeiten muss, dass er sich selbst zusammengeklaubt hat, sind anfänglich irrige Schlussfolgerungen nur schwer zu vermeiden; schließlich bewegt er sich auf unerforschtem Terrain. Genau das passiert meines Erachtens: mit den richtigen Zahlen zieht er die falschen Schlüsse. Die Parallelen zum ersten Argument gestehe ich ein.
    Drittens, Süßigkeiten-Siggi und seine Schranzen sowie der Bundeshosenanzug sind professionell betroffen. Antimainstreampositionen zu unterstützen, hat sich eigentlich noch nie gelohnt – das kann man nicht wegdiskutieren. Alles FOUCAULT – Diskurs und Macht als Stichworte -, aber das brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

    Sarrazin ist inkompetent im CHOMSKYschen Sinne des Wortes – er hat nicht die Befähigung zum Thema Genetik zu sprechen. Dass er es trotzdem macht, sollte doch eher bewirken, dass die Struktur und nicht der Inhalt deutlich thematisiert wird; da gebe ich Addliss unbedingt Recht. Stattdessen wird mir, als wäre ich ein noch zu erziehendes Kind, ein “Das sagt man aber nicht!” hingerotzt, ohne mir zu sagen warum nicht (naja, bis auf ein paar mantraartige Standardfloskeln von wegen Nähe zur Eugenik, unverantwortlich und verurteilenswürdig). Dass Sarrazin im Vorstand der Bundesbank sitzt, ist mir dabei egal. Seine Position ist die eines mittlerweile bekanntermaßen nicht gerade leise tretenden alten Mannes, der doch längst nicht mehr an irgendeiner wichtigen Stelle sitzt.
    Gleich einem römischen Volkserzieher teilt er uns seine Sicht der Welt mit. Wen das stört, der hat nun wirklich so einiges von der freiheitlichen Gesellschaft nicht begriffen. Auch Peter Hahne, die Gattin des Bundesministers der Verteidigung und sonsterlei Personen des Öffentlichen tun das. Es sollte mich wundern, wenn auch deren Meinungen bei jedem gut ankommen (ungeachtet der Tatsache, dass sie andere Themen haben). In gesellschaftspolitischer Schockstarre wird gegenüber Sarrazin lieber mit dem Zeigefinger gewedelt, weil man sich irgendwie unbehaglich fühlt, wenn einer querschießt.

    Und was die Genetik angeht: Wissenschaft ist die Verwaltung von Wahrscheinlichkeiten. Vielleicht ist richtig, was man heute weiß, vielleicht aber auch nicht, wenn man morgen noch einmal nachprüft. Methoden sind immer genauso angreifbar wie diese Platitüde ;)

  6. Akim

    @Addliss:
    Ich möchte noch einmal meinen dritten Punkt bzw. deine Antwort darauf aufgreifen, da ich den Eindruck habe, dass du meinen Kritikpunkt nicht erfasst hast.
    Wir reden von einem prozentualen Anteil der Gene an der Intelligenz. Was aber soll damit denn genau gemeint sein und wie soll dies gemessen werden? Was sind 100% Intelligenz und wie definiert man in diesem Zusammenhang die Erblichkeit der Intelligenz? Kann man eine endliche Anzahl aller Gene finden, die bei jedem Menschen die Intelligenz bedingen und die voneinander unabhängig sind?
    Ein Beispiel: Nehmen wir an, dass sich die Intelligenz mittels eines Tests hinreichend genau annähern lässt (und zwar in dem Sinne, dass ein Mensch A mit einem höheren Intelligenz-(Test-)Wert als B auch intelligenter ist). Wir betrachten eine kleine Familie: Vater mit Intelligenzwert 114, Mutter mit IW 95 und Kind mit IW 93. Wieviel Prozent der Intelligenz wurden in diesem Fall an das Kind vererbt?
    Solange man diese Frage nicht sinnvoll beantworten kann, ist auch die Bemerkung ‘aus den restlichen Prozent kann man immer noch viel herausholen’ gleichermaßen sinnlos.

    Ich kritisiere nicht die Vorgehensweise bei der Untersuchung der Intelligenzvererbung (Zwillingsstudien etc.), sondern die Ableitung eines Prozentwerts ohne Inhalt. Vielleicht gibt es auch eine sinnvolle Definition dieses Prozentwerts, allerdings konnte mir diese noch niemand sagen. Und was noch schlimmer ist: Die Menschen argumentieren weiterhin mit diesem Prozentwert, obwohl sie offensichtlich keine Erklärung dessen liefern können.
    Noch ein fiktives Beispiel, das meine Kritik verdeutlichen soll:
    “Der Konflikt zwischen Coca Cola und Pepsi liegt mittlerweile bei einem Wert von 17,2.” Eine Reaktion in der Art der Sarrazin-Debatte könnte jetzt lauten: “Wow, schon über 12?! Unglaublich!” Ohne eine Deutung bzw. Definition dieses Werts ist die Aussage offensichtlich vollkommen inhaltsleer.

    @Agent Fishgang:
    Zitat: “Erstens, da Sarrazin in vorrangig mathematischen und nicht in sozialen Zusammenhängen denkt, agiert er mit der falschen Methode. In der Tat zahlen prozentual weit weniger Migranten Lohnsteuer etc. Allerdings liegt das vielfach daran, dass sie in Klein- und Kleinstunternehmen selbstständig sind.”
    1. Das Problem ist nicht die Methode! (zumal es meines Erachtens keine “falschen” Methoden gibt). Problematisch sind allein die Deutungen der Statistiken bzw. deren zu grobe Struktur. Wenn man beispielsweise unterscheiden muss zwischen diesem und jenem Gewerbe (was einer inhaltlichen Begründung bedarf, die du auch schon geliefert hast), muss man die entsprechenden Daten betrachten/erheben, die auch diese Informationen berücksichtien. Jedoch muss man noch lange nicht die Methode ändern.
    2. In einem Punkt stimme ich dir voll und ganz zu: Es wird die “Zeigefinger-Mentalität” aufgesetzt und der tatsächlichen Diskussion aus dem Weg gegangen. Das ist auch einer meiner Hauptkritikpunkte: Wenn die Aussagen als derart problematisch aufgefasst werden, ist das grundsätzlich zulässig – aber eben nur mit einer guten Begründung!

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