Zitat des Tages (15) – Orientierung

Orientierung ist Bedingung allen Lebens, wir kommen nicht hinter sie zurück und nicht über sie hinaus. Orientierung vollzieht sich in einem Selbstbezug, der sich laufend erneuert, und alles, was wir über sie sagen können, setzt sie schon, in Gestalt sprachlicher Orientierung, voraus. Wir bewegen uns in einem Orientierungszirkel, in dem wir lernen, uns sachlich und sprachlich weiterzuorientieren, über den wir uns aber nie erheben, den wir nie von außen beobachten können. Und dabei handelt es sich zunächst immer um die Orientierung des Einzelnen in seiner Situation, die anders ist als jede andere.

Werner Stegmaier: Orientierung, S.9 (Vorwort)

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7 comments


  1. Pingback: orientierung

  2. Akim

    Ich verstehe das Zitat nicht.
    Was ist damit gemeint, “hinter” oder “über” Orientierung zu kommen? Was “setzt” Orientierung voraus – es ist doch etwas Abstraktes? Was soll ein Orientierungszirkel sein? Was ist unter “Weiterorientierung” zu verstehen?

    Fragen über Fragen…

    • Lusru

      Im Gegensatz zu dir verstehe ich, was addliss oben sagen will. Wenn ich hier beginnen würde, mit addliss zu posten, könnte es gut sein, daß ich die gleiche Sicht hätte wie du. Da mich aber addliss nach anderen ausgiebigen Austauschen (u.a.) hierher “verpflanzte”, bringe ich einen gewissen “Gemeinsamen Informationsvorrat” (der auch im Wissen um Gegensätzlichkeiten zum anderen bestehen kann) mit und verstehe es so, daß ich den Text mit seinen teils fragilen Begrifflichkeiten nicht sezieren muß und möchte.
      Es hätte gereicht, wenn er es hierbei belassen hätte:
      “Orientierung ist Bedingung allen Lebens, wir kommen nicht hinter sie zurück und nicht über sie hinaus.” – Um etwas anderes geht es (hier) nicht.
      Und das reicht auch im weiteren Sinne aus: WAS ist das, die ORIENTIERUNG? Da hat er völlig recht, wenn er sagt: “Orientierung vollzieht sich in einem Selbstbezug”, denn bereits die superschlaue Wikipedia sieht das “genauso” wenn sie “Orientierung” mit “Orintierung” erklärt, das ist doch ein “Selbstbezug”, oder?
      Siehe hier unter “Orientierung”: “Die mentale Orientierung ist eine kognitive Fähigkeit, die es dem Subjekt ermöglicht, sich zeitlich, räumlich und bezüglich seiner Person – in seiner Umgebung – zu orientieren.”
      Bravo. Das ist das Niveau von Wikipedia.
      Spaß beiseite, denn etwas später sagt Wikipedia (die ich nur in solchen Zusammenhängen gern erwähne) auch:
      “Orientierung ist die handlungs- und bedeutungsbezogene, menschliche Sicht der Welt”.
      Ich denke mal, das trifft es. Dieser Satz hätte es auch schon gemacht. So verstehe ich addliss von oben.

  3. Das ist es, was Stegmaier mit Orientierung meint: Du kennst dich nicht aus, weißt nicht, was die Worte bedeuten. Konkret erläutern kann ich “hinter” und “über” auch nicht, weil es für mich klare Vokabeln sind, bei denen sich keine Frage nach der Bedeutung stellt.
    “Weiterorientierung” bedeutet, dass du dich immer wieder neu orientierst. Du nutzt deine neu gewonnene Orientierung, um dich in anderen Bereichen orientieren zu können. Das ist z.B. was du im Studium machst: Du lernst aufeinander aufbauende Dinge.
    Und daher ist es ein Orientierungszirkel: Man orientiert sich, um sich wieder orientieren zu können.

    Ansonsten muss man einfach das Buch von Stegmaier lesen, wenn dir das nicht ausreicht. :)

  4. Akim

    Ich denke, bei der Formulierung ist es einfach notwendig, klar einzuordnen, was man mit obigen Begriffen meint. Dass es nicht vollkommen exakt bzw. allgemeingültig möglich ist (auf Grund der Subjektivität der Gedanken und der sprachlichen Ungenauigkeit), ist klar, sollte aber nicht als Argument dienen, eine genauere Definition zu unterlassen. Wie definiert Stegmaier denn den Begriff “Orientierung”?

    • Mir fiel gerade nochmal deine Frage auf: Diese Frage nach der Definition ist hilflos. Das Buch ist ein Versuch, Orientierung zu definieren, da sie nicht in wenigen Wörtern erklärbar ist. Daher gibt es im Buch auch keinen Abschnitt mit “Definition der Orientierung”, sondern man versucht in der Philosophie die Begriffe möglichst annähernd zu beschreiben, was manchmal sehr umfangreich geschieht.

      Die Frage nach der Definition des Begriffes ist der Wunsch, eine kurze Zusammenfassung zu bekommen, um zu wissen, wie man an den Begriff herangehen soll. Diese “Arbeitsdefinition” nimmt Stegmaier, soweit ich weiß, nie vor, sondern versucht den Begriff in seinen verschiedenen Aspekten darzustellen, um dann am Schluss eine annähernde Definition zu haben. Dies kann nicht von vornherein geschehen.

  5. Lies das Buch, dann weißt du’s. Ich kann die Definition nicht zitieren.

    Oder: Frag’ ihn selbst!
    stegmai@uni-greifswald.de

    ;)

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