Wohlstand für alle

Als ich heute hier in Greifswald im Plattenbaugebiet unterwegs war, kam mir ein Gedanke. Irgendwie fühlte ich mich ein wenig an Fiktionen erinnert, in denen die Menschen wie gestapelt leben. Gelebte Anonymität neben, über und unter vielen anderen Menschen – weil es einfach zu viele gibt. Grundsätzlich ist das Plattenbauprinzip ja auch ähnlich gedacht – günstig die Menschen unterbringen auf möglichst kleinem Raum.

Außerdem kam mir ein zweiter, viel weitergehender Gedanke. Oft redete man in der Vergangenheit ja davon, dass versucht werden solle, so vielen Menschen wie möglich ein Leben in relativem Wohlstand zu ermöglichen. Ein hehres Ziel, das ich immer unterstützt habe, das mir jetzt aber schier unerreichbar scheint. Wie hat man versucht, sich bisher ein gutes Leben zu ermöglichen? Damit die Rente im Alter gesichert ist, hat man sich viele Kinder angeschafft. Erst, weil sie einen im Lebensabend versorgt haben. Jetzt ist es prinzipiell immer noch so – damit die Kinder den eigenen Ruhestand finanzieren (Rentensystem, ihr wisst schon).

Es gibt da nur ein Problem. Wir haben begrenzte Werte. Man möchte es nicht wahrhaben und hat z.B. im Finanzsektor versucht, wirtschaftliche Werte zu schaffen, die realwirtschaftlich nicht abgedeckt waren. Doch man sieht, wohin das geführt hat. Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist vielschichtiger, dennoch ist das ein Faktor, und nicht ein unwichtiger. Doch wenn wir diese begrenzten Werte auf immer mehr Menschen aufteilen sollen, selbst wenn wir neue schaffen – wir können gar nicht so viele Werte schaffen, wie Menschen dazu kommen. Oder, wenn weniger Menschen dazu kommen, leiden die Renten darunter, da sie nicht mehr finanzierbar sind. Unser lieber Finanzminister hat ja hier endlich mal offener gesprochen, wie es um die Renten der zukünftigen Generationen bestellt sein dürfte, und keine Luftschlösser gebaut.

Die Menschen haben also immer in dem Bestreben, eine bessere Welt zu schaffen, quasi gleichzeitig dagegen gearbeitet. Ich denke ja, dass es nicht möglich ist, eine Welt stabil zu halten, in denen es allen gut geht. Sicher ist es besser möglich als es jetzt ist, doch ich halt es für gesellschaftsimmanent, dass Unterschiede im materiellen Besitz der Menschen geben muss. Selbst in einem fiktiven, idealen Kommunismus, in dem jeder nur das nimmt, was er benötigt, wird nicht jeder das gleiche an Werten in Anspruch nehmen. Vielmehr – abgesehen vom vom Ideal abweichenden Fall, dass Habgier dominiert – würden auch hier Unterschiede bestehen, da die Menschen immer noch unterschiedlich sozialisiert werden und unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Ihr werdet jetzt kein Fazit finden oder Lösungen oder sonst etwas. So etwas wie Lösungen habe ich nicht. Es war nur etwas, was mir einmal ein- und aufgefallen ist.

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Politik, Wirtschaft & Gesellschaft , ,

3 comments


  1. frickler01

    Die Behauptung, dass mehr Menschen dazukommen, als die Vorhandenen Werte erschaffen können, halte ich für unüberlegt. In einem System, wo Werte prinzipiell mit Geld aufgewogen werden, mag das naheliegend erscheinen, aber betrachtet man die real geleistete Arbeit der Gesamtgesellschaft (die man sich mangels tatsächlichen Wissens nur grob vorstellen kann), halte ich es durchaus für Möglich, dass sich auch 6 Mrd. Menschen als Gesamtheit erhalten können.
    Gerade mit jedem neuen Menschen müsste die Selbsterhaltung sogar leichter Fallen, da jeder den Großteil seines Lebens mehr schafft als verbraucht. Diejenigen, die in einem Geldsystem definitorisch keine produktive Leistung erbringen, sind jedoch auf anderen Wegen nützlich, ältere Leute z.B. mit ihrer Erfahrung. Die Frage ist, wie man das sinnvoll nutzt!
    Das einzige, was begrenzt ist, sind die meisten natürlichen Ressourcen. Sonnenenergie dürfte man auf menschlichen Zeitskalen betrachtet nicht für begrenzt halten.

    Und selbstverständlich müssten immer noch alle individuell sein, auch in einem hypothetischen realen Kommunismus. Aber die Frage, ob dann bei jedem persönlicher Wohlstand empfunden wird, ist auch eine Sache von Sozialisation, bzw. dem Bewusstsein des Einzelnen dafür, was da ist und was möglich wäre. Deshalb ist Bildung wohl die Lösung für die meisten Probleme.

  2. frickler01, es ist doch so, dass wir heute gar keine Arbeit mehr brauchen. Wir brauchen diese Menschen nicht – die Werte, die sie schaffen könnten, schaffen Maschinen, weshalb die Menschen also nur verbrauchen und keine Arbeit leisten. Das mag diskriminierend klingen, ist aber ein einfacher Fakt, den ich als problematisch einstufe. Nehmen wir einen klassischen Fabrikarbeiter, der rein vom Intellekt nunmal kein Ingenieur ist und auch keiner mehr wird. Er wird durch eine Maschine ersetzt. Die Produktivität wurde erhöht, das Gehalt des Arbeiters war höher als die Wartungskosten der Maschine. Und der Arbeiter wird auch in anderen Fabriken nicht mehr gebraucht, da inzwischen alle diese neue Maschine einsetzt. Dort muss der Mann also vom Wohlstand anderer Menschen getragen werden, zumindest in dem System soziale Marktwirtschaft.
    Diese Menschen haben zudem auch das Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Daher entwickeln sie destruktive Verhaltensweisen, um sich irgendwie Gehör zu verschaffen. Oder sie verstummen ganz. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

  3. Pingback: Krieg als Wohlstandsmotor » Addliss

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