2 responses to “Wieviel Moral gehört in ein Rechtssystem?”

  1. Twitted by Addliss

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  2. Agent Fishgang

    Das ist ja ganz schön starker Tobak! Vorab vielleicht schon die Antwort auf die wichtigste Frage: In ein Rechtssystem gehört selbstverständlich alle Moral, die eine Gesellschaft nur aufbringen kann!

    Aber eines nach dem anderen:

    1. Wie lange man Straftaten sanktionieren darf ist ständiger Bewertung des Rechtssystems ausgesetzt und funktioniert – jedenfalls in der sog. westlichen Welt – ziemlich gut. Zu Recht verjährt Mord nicht. Driftest Du im zweiten Abschnitt nicht zu sehr von der eigentlichen Frage weg? Und, bitte, was soll immer dieser argumentative Quatsch mit den Indianern, pardon: Native Americans? Das drängt die Aufrechnung von Menschenleben auf, aber Straftat ist Straftat ist Straftat. Es spielt keine Rolle, wann wer gegen wen straffällig wird! Es ist stets die Straftat in ihrer konkreten Form zu betrachten.

    4. Wenn drei Gutachter zu dem Ergebnis kommen, dass der Mann der Verhandlung beiwohnen kann, dann hat der das auch gefälligst zu machen! Straftäter sind i. d. R. keine netten Zeitgenossen, denen einfach nur jemand ans Bein pissen will. Es gehört zur Verantwortung eines jeden Täters, dass er sich der Verhandlung seiner Konsequenzen stellt.

    5. Da rollt es einem ja die Fußnägel hoch! Dann könnte man Straftaten ja auch mit der total fiesen Sanktion eines feuchten Händedrucks zur Entschuldigung belegen. Da wird sich der Raubmörder aber ganz schön schämen und froh sein, nicht auch noch auf die stille Treppe geschickt worden zu sein. *polemik off* Strafen haben immer auch Präventionscharakter, der freilich eine gewisse Intelligenz voraussetzt. Aber: symbolische Strafe? Es ist das Symbolhafte, dass Demjanjuk eine hohe Strafe erhalten soll, um zu zeigen, dass auch nach so langer Zeit der Straflosigkeit “die Gesellschaft unbedingt gewillt ist, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
    Es ist ja schön und gut, dass er sich zu Hause im stillen Kämmerlein geschämt haben mag. Jedoch darf dies m. E. keine Relevanz für die Strafbemessung haben. Gerade das deutsche Recht hat ja die Möglichkeit der Strafmilderung unter bestimmten Voraussetzungen (de facto gibt es in Deutschland ja sogar sog. deals). Das entbindet allerdings nicht von einer Schuld!

    6. Tja, eigentlich nur einmal. Auch der IStGH sieht das so vor. Aber, tatatata: die USA akzeptieren den IStGH nicht, damit ist es für die jedenfalls kein Problem. Der Prozess in Israel hatte ja nicht seine Verbrechen zum Gegenstand, sondern die eines anderen, was sich erst später herausstellte. Dem. wurde also nicht in der selben Sache vor Gericht gestellt. Was Deutschland angeht: Grundsätzlich ist das natürlich fragwürdig. Allein, jetzt mal unter uns Pastorentöchtern, es handelt sich hier doch keinesfalls um einen tatsächlichen Rechtsstreit. Viel eher ist das ganze Prozedere eben symbolisch. Gerade die Shoa ist symbolisch derart aufgeladen, dass es im Grunde keinen davon unabhängigen, rein sachlichen, vernunftdiktierten Aufarbeitungsprozess geben kann.

    7. Das ist gefährliches Terrain! Natürlich ist der Mord passiert, selbst wenn die Vorgesetzten nicht verurteilt wurden. Und ob Demjanjuk nur Gehilfe oder Mittäter war, spielt doch keine Rolle für die Befehlsgeber. Sowie Dem. den ersten Mord selbst begeht, kommt er aus der Nummer nicht mehr raus, völlig egal, ob die anderen auch bestraft werden.

    8. Huiuiui! Was heißt denn hier “Sündenbock” und “projizieren”? Insbesondere in KZn war doch keiner der Wärter einfach nur fürs Aufpassen verantwortlich. Es kann m. E. natürlich davon ausgegangen werden, dass Dem. an mehrfachem Mord beteiligt war. Und dass er es nun ist, gegen den prozessiert wird hat zwei Ursachen: Erstens folgt aus vorangestelltem, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Straftäter ist. Zweitens ist er einer der wenigen Täter, derer man noch habhaft werden konnte. Die Täter sterben schlich weg. Es ist ja auch nicht so, dass jedermann wusste wo sich Johnny aufhält; er hat sich doch offenbar gezielt in den USA versteckt! Er hatte bisher nur “Glück”, dass er damals eine so kleine Nummer war. Dass er jetzt (mal wieder) auch den Kopf für andere hinhalten muss ist sein Problem, mein Mitleid hält sich diesbezüglich jedenfalls in engen Grenzen.

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