4 responses to “Westerwelle und Nietzsches Herrenmoral”

  1. Agent Fishgang

    Ein an – freilich amüsanter – Polemik schwer zu überbietender Beitrag, allerdings war es das dann auch schon. Der Gehalt ist doch äußerst dürftig und erschöpft sich in altbekannten linksintellektuellen Mantren.
    Dass es allerdings in der Tat Personen gibt, für die soziale Unterstützungsleistungen zur gezielten Quelle eines “Einkommens” werden, ignoriert er geflissentlich. Vielmehr kritisierte Westerwelle einen bestimmten Teil der Debatte um das Urteil des BVerfG, nicht das Urteil selbst. Die üblichen verdächtigen Interessenverbände nahmen nämlich selbiges zum Anlass, flugs höhere Sätze zu fordern, wobei das BVerfG doch lediglich die Bemessungsmethodik des pauschalisierten Schätzens (!) bemängelte. Stattdessen fordert es ein transparentes, methodisch fundiertes und daher nachvollziehbares Erhebungsinstrument. Wenn dieses ergibt, dass die Sätze erhöht werden müssen, ist dagegen allerdings nichts einzuwenden. Mit “Klassenkampf von oben” hat das aber gar nichts zu tun.

    Und, ungemütlich? Es scheint doch eher eine in erstaunlicher Intensität verbreitete Mär, dass Rechtsregierungen mit “sozialer Kälte” gleichzusetzen seien, ebenso wie Linksregierungen die Erodierung des Besitzes bedeuten würden. Deutschland ist ein sehr bequemes Land und einige Herrschaften haben wohl eher den Blick dafür verloren, welcher Anstrengungen es in vergangenen Zeiten bedurfte, um das, was gegenwärtig an sozialen Hilfen (zu Recht) gewährt wird, zu erstreiten und wie erbärmlich es vergleichsweise sein könnte. Kürzlich sah ich, dass in Kenia Patienten, die ihre Krankenhausrechnung nicht zahlen können, direkt im und vom Hospital (!) in Geiselhaft genommen werden (you name it, they got it: Schwangerschaften, Operationen und Krankheiten jeglicher Couleur).

  2. Agent Fishgang

    Juristisch mag das ein gewichtiger Unterschied sein; in der Sache sehe ich wenig Grund zu differenzieren. Es handelt sich in concreto um alles das, was einem so gehören kann (Geld, Land, Immobilien, Menschen (um mal kurz antik zu sein;)) etc.). Ironischerweise haben tolle Linke (Schröder, Fischer, Ströbele, Schily, Süßigkeiten-Siggi usf.) sehr schnell und erstaunlich umfangreich begriffen, dass das mit dem Besitz anscheinend doch eine ganz angenehme Sache ist.
    Zustehen? Das ist m. E. genau betrachtet bloß eine juristische Frage. Es sollte ohne Weiteres denkbar sein, dass von “zustehen” ethisch keine Rede sein kann. Recht nihilistisch zwar, aber doch wohl denkbar. Der Punkt ist, dass soziale Leistungen kein unverbrüchliches Naturrecht sind. Btw bin ich ein uneingeschränkter Befürworter der Position, dass denen, die in Schwierigkeiten stecken, geholfen werden muss. Aber eben mit dem nötigen Augenmaß.
    Sozial kalt wäre es doch eher, die Krankenversicherung abzuschaffen (Kenia hat kein auch nur irgendwie geartetes System, deshalb passt der Vergleich wohl doch), Kündigungsschutz zum Fremdwort verkommen zu lassen, das Rentensystem aufzulösen oder ähnliches. Dass einem Teil der Bevölkerung eine konkrete Ausgestaltung nicht passt, ist kein Beweis für die Falschheit ebendessen. Die Erhebung einer Vermögenssteuer ist ja auch nicht falsch, nur weil sie den Besitzenden nicht schmeckt.
    Mein größtes Problem mit dem Artikel sind die handwerklichen Schwächen. Immer nur der selbe Unsinn, den ich auch bei anderen “kritischen” Autoren serviert bekomme. x% der Menschen besitzen y% der Mittel, die Bourgeoisie unterdrückt das Proletariat ach so schlimm und es bedarf eines internationalen Zusammenstehens der arbeitenden Klasse usw. usf. All diese postmarxistischen Reflexe, die nichts weiter als terminologische Spiegelfechterei sind. Wirkliche Gesellschaftskritik sieht halt anders aus.

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