Seit gestern ist die Aufregung im Netz groß, denn Twitter kündigte an, Tweets, die nicht nationalen gesetzlichen Bedingungen entsprächen, würden geblockt. Dies wäre eine länderspezifische Infrastruktur, um Tweets zu filtern. Man begründete dies mit eben den gesetzlichen Bestimmungen, denen man sich unterwerfen müsse, wenn man in bestimmten Ländern einen Dienst wie Twitter anbiete.
As we continue to grow internationally, we will enter countries that have different ideas about the contours of freedom of expression. Some differ so much from our ideas that we will not be able to exist there. Others are similar but, for historical or cultural reasons, restrict certain types of content, such as France or Germany, which ban pro-Nazi content.
Until now, the only way we could take account of those countries’ limits was to remove content globally. Starting today, we give ourselves the ability to reactively withhold content from users in a specific country — while keeping it available in the rest of the world.
Der große Aufschrei blieb aus, nur einige Twitterer regten sich auf. Doch bisher ist die Blogosphäre recht gelassen geblieben. Das mag einerseits daran liegen, dass Twitter ankündigt, mit der Seite Chillingeffects weiter zusammenzuarbeiten, um transparent zu dokumentieren, welche Inhalte gefiltert wurden. Damit demonstriert man auch den eigenen Einsatz für Meinungsfreiheit.
Außerdem kommuniziert Twitter nicht ganz verdeckt die Möglichkeit, die Filter zu umgehen. Man möchte keine IP-Geoblockings einsetzen, da diese nicht verlässlich sind. Jeder Nutzer habe die Möglichkeit, die Region selbst anzugeben, sollte das Geotargeting (d.h. die Voreinstellung anhand der IP-Adresse, die Twitter vornimmt) nicht korrekt sein, wie netzwertig berichtet. Das heißt, jeder könnte die Filterung umgehen, wenn er einfach ein Land wählt, das eine möglichst freie Meinungsäußerung bietet.
Zudem habe ich im Zuge dieser Berichterstattung wieder etwas gelernt: Die Open Source Software StatusNet ermöglicht es jedem Nutzer, auf einem eigenen Server eine Installation für einen Kurznachrichtendienst einzurichten. Diese könnte jeder nutzen und bräuchte keinen zentralen Dienst wie Twitter, um mit anderen zu kommunizieren – die Installationen könnten auch server-übergreifend arbeiten. Ein Dienst, der StatusNet schon nutzt, ist identi.ca.
Update
Der Blog von ZAPP (NDR) hat eine sehr gute Darstellung der Ereignisse geliefert: Twitter hat bisher sowieso auf behördliche Anfrage oder Gerichtsurteile Tweets gelöscht. Weltweit. Jetzt gibt es allerdings die lokale Beschränkung, die im Grunde sogar eine Verbesserung der Situation darstellt.
