Posts Tagged ‘Natur’

Harald Lesch zum Klimawandel und Energie

Addliss | 24. Februar 2010 in all | Kommentare (8)

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Harald Lesch (der im übrigen schon seit alpha Centauri ein von mir sehr geschätzter Popular-Physiker ist) fehlen ein wenig die Begrifflichkeiten in der Statistik und Ethik, aber im Grunde hat er Recht. Er schneidet es im Beispiel mit der Familie an:

Der Fehler erster Art ist, wenn die Familie im See einbricht und ertrinkt. Der Fehler zweiter Art ist, dass die Familie unnötig um den See herumgeht, obwohl er begehbar wäre. Der Fehler erster Art ist in jedem Falle zu umgehen – reine Statistik.

Im Bereich der Ethik geht es um die Nutzung der (statistischen) Wahrheitstabellen (nicht im logischen Sinne). Angenommen, der Hype Klimawandel ist berechtigt und wir richten uns danach, reduzieren die Emissionen. Dann ham wir was gewonnen. Angenommen, einige (!) Klimaskeptiker haben Recht und wir richten uns danach, ändern also nichts an unseren Emissionen. Dann bleibt alles beim Alten.
Angenommen die gleichen Klimaskeptiker haben Unrecht, aber wir richten uns danach und ändern nichts. Dann könnte es ganz schön mies aussehen für uns. Angenommen der Hype um den Klimawandel wäre unberechtigt, aber wir reduzieren unsere Emissionen, da wir es nicht genau wissen. Dann haben wir nicht viel verloren, auch wenn es etwas unnötig sein sollte.
Die Tabellen ausgeschrieben haben für jede Position 4 Wertekombinationen (wahr – wir richten uns danach, wahr – wir richten uns nicht danach, falsch – wir richten uns danach, falsch – wir richten uns nicht danach). Und auch hier gilt es ganz nach statistischen Gesichtspunkten den Fehler erster Art zu vermeiden.

Ich selbst bin auch nicht so sehr überzeugt von den Berechnungen bzgl. zukünftiger Klimaentwicklung, da das Ökosystem Erde so unendlich komplex ist. Ich traue einfach keinem Menschen zu, es mittels Computersimulation darzustellen und Prognosen zu stellen. Ich störe mich auch daran, dass Theorien als Tatsachen dargestellt werden. (Hier sollte man einmal darüber diskutieren, inwiefern Wissenschaft doch etwas mit Meinung, Interpretation und Glauben zu tun hat.) Dennoch sehe ich es wie Herr Lesch: Wir haben eigentlich keine Wahl. Wir müssen verantwortlich handeln.

Es ist ein Sicherheitsargument, ja, und Sicherheitsargumente sind manchmal übertrieben (z.B. wenn man pauschal alle Egoshooter verbieten will, damit man einen Effekt auf die Aggressivität der Menschen ausschließen möchte). Doch hier halte ich das Argument für berechtigt und gut begründet, denn ganz aus der Luft gegriffen sind die Berechnungen der Wissenschaftler doch nicht.

via [Gedankenpflug]


Wunder des Lebens (II)

Addliss | 10. Februar 2010 in all | Kommentare (0)

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Wunder des Lebens II

Kennt ihr die Wunder des Lebens ?
Mensch! – Ein Wunder, das neue Wunder schafft.
Ein Wunder, dass er noch lebt!
Natur! – Ein Wunder, das neue Wunder schafft.
Ein Wunder, dass sie noch lebt!
Welt! – Ein Wunder, das neue Wunder schafft.
Ein Wunder, dass sie noch lebt!
Leben – ein Wunder an sich!

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Version II, spätere Überarbeitung der Version I.


Wunder des Lebens (I)

Addliss | in all | Kommentare (1)

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Wunder des Lebens I

Kennt ihr die Wunder des Lebens ?
Leben – ein Wunder an sich!
Mensch! – Ein Wunder, das neue Wunder schafft.
Ein Wunder, dass er noch lebt!
Natur! – Ein Wunder, das neue Wunder schafft.
Ein Wunder, dass sie noch lebt!
Welt! – Ein Wunder, das neue Wunder schafft.
Ein Wunder, dass sie noch existiert!
Doch das größte Wunder des Lebens ist
der Tod.

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Version I mit Inspiration durch:


Papagei wird Regierungssprecher für Naturschutz

Addliss | 4. Februar 2010 in all | Kommentare (0)

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In Neuseeland hat der Premierminister John Key den Papageien “Sirocco” zum Regierungssprecher für Naturerhalt ernannt. Sirocco gehört der Papageienart Kakapo an. Diese ist in Neuseeland endemisch und seit mehreren Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. 1995 zählte man noch 51 Tiere. Heute seien es 124. Daher sei das Tier ein besonders guter Vertreter für den Naturschutz1, so John Key. Sirocco wurde im letzten Jahr während einer BBC-Dokumentation “Last Chance To See” gesichtet und machte sich über den Kopf eines Reporter her – er versuchte sich zu paaren.

via [shortnews]

Nun, vielleicht mag es Symbolpolitik sein, aber ich finde es sympathisch, dass man Politik auch einmal so locker nehmen kann. In Deutschland wäre das vielleicht nicht möglich oder man würde irgendein dämliches Tier nehmen, das für den Tierschutz stehen soll. Den Bären beispielsweise – wie wäre es mit “Bruno“, den man 2006 mal eben erschossen hat? :-|

  1. “conservation” aus dem Englischen ist schwer übersetzbar. Es meint eher Naturerhalt, aber im Deutschen ist eher das Wort “Naturschutz” üblich. []

Extended Mind

Addliss | 28. Januar 2010 in all | Kommentare (0)

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Vor einiger Zeit hörte ich schon einmal etwas zum Thema “Extended Mind1  oder “Extended Cognition” und es faszinierte mich. Nun habe ich mir einen zweiten Vortrag dazu angehört, der ein paar Probleme und Fragen zu der These oder dem Theorie-Ansatz schilderte – und es fasziniert mich jetzt noch mehr.

Nun, was ist die Grundidee? Man versuchte, neu an das Thema “Geist” oder Kognition heranzugehen. Man fragte, was eigentlich zu “mind”2 dazugehört. Man fragte sich, ob man Notizzettel nicht z.B. auch zum Gedächtnis zählen kann, wenn Menschen unter Amnesie leiden. Sie nutzen diese, um sich überhaupt an etwas zu erinnern und damit nehmen diese die gleiche Funktion ein wie ein “normales” Gedächtnis. Ja, es ist eine funktionalistische Theorie und wenn man funktionalistische Denkweisen in diesem Zusammenhang nicht akzeptiert, hat man Probleme mit ihr. Aber spannend ist es für mich allemal.

Wegweisend war ein Aufsatz von Andy Clark und Dave Chalmers von 1998, in dem sie eben jenes Beispiel mit dem Notizzettel zentral besprachen und die “Extended Mind”-These aufstellten. Sie nutzten dazu ein Gleichnis von Otto und einem Zwillings-Otto in einem Paralleluniversum. Der eine Otto hatte ein normales Gedächtnis, der Zwillings-Otto nicht. Wenn ihr wollt, könnt ihr das Paper hier downloaden. Mehr Paper von Andy Clark gibt’s hier.

Eine der spannendsten Konsequenzen dieser These ist für mich, was wir mit den neuen technischen Medien anfangen. Das Handy, der Computer, das Internet. Die These geht davon aus, dass Geist und Kognition nicht an den Körper gebunden ist, sondern sich kognitive Systeme bilden. Der Zwillings-Otto, wie ich ihn eben kurz angerissen habe, ist mit seinem Notizblock ein kognitives System. Gehört der Block zu ihm oder nicht? Die These bejaht diese Frage. Sie setzt einen “aktiven Externalismus” voraus, d.h. dass Prozesse, die wir  Und damit könnte man das Internet in einer wohlwollenden Interpretation irgendwie auch als Erweiterung unseres kognitiven Systems auffassen, denn es lagert unser Wissen z.B. in Wikipedia aus oder es ermöglicht uns via Webcams andere Orte dieser Welt zu betrachten, die wir ohne das Internet nicht genau zu diesem Zeitpunkt betrachten könnten. Sehr Sci-Fi wird es dann, wenn wir das Internet in naher oder ferner Zukunft als allgegenwärtig betrachten und irgendwie alles zu unserem kognitiven System gehört, weil wir auf alles zugreifen können. Schon ein wenig beängstigend, denn dann sind wir gewissermaßen jetzt schon (und bald noch mehr) eine Art Cyborgs, wenn auch nicht im klassischen Verständnis.

  1. der Artikel führt echt gut ein []
  2. ein sehr vieldeutiges Wort, was “Geist”, “Gedächtnis”, “Gedanke” und vieles mehr heißen kann. Daher spricht man neuerdings eher von “Extended Cognition”. []

Max Ehrmann – Desiderata (1927)

Addliss | 12. Januar 2010 in all | Kommentare (0)

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Während meiner Recherchen zur Classics Week, speziell zum letzten Teil, fand ich ein Video, das mich sehr erstaunte. Und berührte.

Das Musikstück dürfte so ziemlich jedem bekannt sein, jedoch unterlegt es einen bemerkenswerten Text. Die “Desiderata” ist ein Gedicht von Max Ehrmann aus dem Jahre 1927, das einige Orientierung geben möchte, wenn man sich fragt, wie man ein gutes Leben führt. “Desiderata” stammt nunmal vom lateinischen “desidare” ab und dies bedeutet: “sehnen”, “sich wünschen”. Es ist ebenfalls erstaunlich, wie Text, Musik und Bilder zusammen wirken.

Go placidly amid the noise and the haste,
and remember what peace there may be in silence.

As far as possible, without surrender,
be on good terms with all persons.
Speak your truth quietly and clearly;
and listen to others,
even to the dull and the ignorant;
they too have their story.
Avoid loud and aggressive persons;
they are vexatious to the spirit.

If you compare yourself with others,
you may become vain or bitter,
for always there will be greater and lesser persons than yourself.
Enjoy your achievements as well as your plans.
Keep interested in your own career, however humble;
it is a real possession in the changing fortunes of time.

Exercise caution in your business affairs,
for the world is full of trickery.
But let this not blind you to what virtue there is;
many persons strive for high ideals,
and everywhere life is full of heroism.
Be yourself. Especially do not feign affection.
Neither be cynical about love,
for in the face of all aridity and disenchantment,
it is as perennial as the grass.

Take kindly the counsel of the years,
gracefully surrendering the things of youth.
Nurture strength of spirit to shield you in sudden misfortune.
But do not distress yourself with dark imaginings.
Many fears are born of fatigue and loneliness.

Beyond a wholesome discipline,
be gentle with yourself.
You are a child of the universe
no less than the trees and the stars;
you have a right to be here.
And whether or not it is clear to you,
no doubt the universe is unfolding as it should.

Therefore be at peace with God,
whatever you conceive Him to be.
And whatever your labors and aspirations,
in the noisy confusion of life,
keep peace in your soul.

With all its sham, drudgery, and broken dreams,
it is still a beautiful world.
Be cheerful. Strive to be happy.

An deutschen Übersetzungen findet man mehrere, doch keine fängt den Geist des Originals 100%ig ein. Irgendwie machen alle auch kleine Übersetzungsfehler, sodass ich hier eine Schnittmenge aus den Übersetzungen bilde bzw. selbst kleinere Änderungen um der Schönheit willen vornehme. Die des Englischen nicht so mächtigen sollen auch teilhaben an dem Text. Der Sinn und die Anmut des Original-Textes sollten möglichst erhalten bleiben, doch schafft man dies natürlich nicht in Gänze, da nunmal jede Übersetzung nur das darstellen kann, was die jeweilige Sprache hergibt. Zudem klingt es im Englischen, wenn man es laut liest, ruhig und doch so kraftvoll, was man im Deutschen auf Grund der Lautstruktur nicht gleichermaßen erreicht.

Sei ruhig inmitten von Lärm und Hast
und bedenke, welch ein Frieden der Stille liegen kann.

Steh’ auf gutem Fuß mit allen Menschen,
ohne dir selbst Gewalt anzutun.
Sage deine Wahrheit ruhig und deutlich,
und höre andere an,
auch die abgestumpften und ignoranten,
denn auch sie haben ihre Geschichte.
Meide lärmende und aggressive Menschen,
Sie belasten den Geist.

Vergleichst du dich mit anderen,
kannst du eitel oder verbittert werden,
denn immer wird es kleinere und größere Menschen geben als dich.
Erfreue dich deiner Leistungen wie auch deiner Pläne.
Habe Interesse für deine Aufgabe, wie gering sie auch sein mag,
er ist ein wahrer Besitz im veränderlichen Glück der Zeiten.

Verhalte dich vorsichtig bei deinen Geschäften,
denn die Welt ist voller Betrug.
Doch dies soll dich nicht blind machen für vorhandene Rechtschaffenheit;
viele streben nach Idealen,
und überall ist das Leben voll Heldenhaftigkeit.
Sei du selbst. Heuchle vor allem keine Zuneigung.
Noch sei zynisch, was die Liebe betrifft,
denn trotz aller Enttäuschung und Leere verdorrt sie nicht,
sondern ist ewig wie das Gras.

Nimm die Lektionen des Alters freundlich auf,
und gib die Dinge der Jugend anmutig her.
Stärke die Kräfte des Geistes,
damit sie dich bei plötzlichem Unglück schütze.
Aber quäle dich nicht mit Spukbildern.
Viele Ängste werden aus Erschöpfung und Einsamkeit geboren.

Abgesehen von aller gesunden Disziplin,
sei milde mit dir.
Du bist ein Kind des Universums,
nicht weniger als die Bäume und Sterne,
Du hast ein Recht hier zu sein.
Und ob es dir klar ist oder nicht,
so entfaltet sich das Universum doch so, wie es sollte.

Habe darum deinen Frieden mit Gott,
als was auch immer du ihn begreifst.
Und was auch immer deine Arbeit und Ziele sein mögen,
in der lärmenden Verwirrung des Lebens,
halte Frieden in deiner Seele.

Mit all ihrer Täuschung, harter Arbeit und zerbrochenen Träumen,
ist diese Welt doch wunderschön.
Freue dich. Strebe danach, glücklich zu sein.

Alle, die ein Problem mit der Rolle Gottes in dem Gedicht haben, sollten es dennoch nicht völlig verwerfen – es steckt dennoch einiges Wahres darin. Mit dem “Geist”/”spirit” ist hier sicherlich meist der heilige Geist gemeint, doch lässt sich dies auch mit dem eigenen, menschlichen Geist interpretieren. Liest man es so, macht es immer noch Sinn.


Wieviel Moral gehört in ein Finanzsystem?

Addliss | 11. Dezember 2009 in all | Kommentare (7)

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Jaja, ich weiß, schon wieder Moral? Nun, ich denke, es ist ein interessantes Thema. Außerdem hat es weissgarnix in seinem Artikel “Gesucht: Aristokraten des Gemeinsinns” auch mal wieder aufgegriffen. Jeder kennt zudem die sehr aktuelle Debatte im Anhang der Finanz- und Wirtschaftskrise, wie moralisch Banker handeln müssen oder wie restriktiv der Staat handeln muss usw.

Weissgarnix zitiert in besagtem Artikel Wilhelm Röpke, der 1956 das liberale Modell für nur funktionabel hielt, wenn es sich moralisch begrenze und eben nicht nur das Maximum an Umsatz, Gewinn und Rendite kennt. Dazu brauche es “Aristokraten des Gemeinsinns”, die als Vorbild gelten.

Ich frage mich hier erst einmal, wie Moral entsteht, denn nur dann kann sie ja Einfluss auf das Wirtschaftssystem haben. Wir müssen uns also Moral erst einmal kurz anschauen: Spontan muss ich an Helmuth Plessner denken, der in seiner Anthropologie postuliert, dass Moral entsteht, weil der Mensch tun muss. Er ist nicht so direkt wie ein Tier, das triebgesteuert lebt, sondern er muss tun; sein Leben führen. Und er muss beständig tun, nicht nur einmal – er ist gewissermaßen rastlos. Da er nicht zu einem triebgesteuerten Leben zurückkommt und nicht “natürlich”, direkt leben kann, schafft er sich ein Gegengewicht zu seiner Natürlichkeit, schafft einen Umweg, von dem er glaubt, dadurch direkter zu leben, einen Sinn zu haben – Kultur (die Moral beinhaltet). Man kann Plessner an verschiedenen Stellen kritisieren, auch wenn seine Theorie irgendwie etwas für sich hat. Mein größter Kritikpunkt ist: Warum schafft der Mensch eine Moral, die den Menschen begrenzt? Gäbe es nicht ein anderes Modell, das ihn nicht begrenzt? Ich komme später darauf zurück.

Nun bringe ich Niklas Luhmanns Systemtheorie ins Spiel. Der Mensch schafft sich, wenn wir Plessner folgen, notwendigerweise Moral. Er bildet aber auch andere Kulturteile heraus, wie eben das Wirtschaftssystem. Dieses kennt die Hauptunterscheidung “zahlungsfähig/nicht zahlungsfähig” und hat das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium “Geld”. Moral gilt für Luhmann als Medium, das systemübergreifend funktioniert, aber kein System für sich ist. Es kennt allerdings den Code “gut/schlecht” oder “gut/böse”. Und die Frage ist, ob dieser Code im System von “zahlungsfähig/nicht zahlungsfähig” verstanden wird. Luhmann sagt, die Moral sei systemübergreifend. Sie trete dann in Kraft wenn a) eine Irritation entsteht oder b) systemübergreifend kommuniziert wird. Und diesen Fall haben wir hier: Gab es vor der Wirtschaftskrise eine Irritation? Viele Banker oder andere Finanziers haben keine gespürt: Was sie getan haben, entsprach den Gesetzen und es gab keine gewichtigen Gründe anzunehmen, es sei etwas nicht in Ordnung. Das Geschäft lief. ( |= Die Kommunikation innerhalb des Systems funktionierte.) Es gab auch nur die eine systemübergreifende Moralkommunikation: Wenn das funktioniert, was ihr macht, ist es “gut”. (Ich klammere jetzt mal alle kritischen Stimmen aus, da sie eben nicht den Großteil der gesellschaftlichen Kommunikation ausmachten)

Nun gab es eine Irritation und systemübergreifende Kommunikation: 1. Kredite fielen aus, Lehman Brothers fiel, die HRE fiel usw. 2. Politiker schalten im Anschluss die Banker und Manager als “gierig” (ein eindeutig moralischer Begriff) und mehr. Es wäre nicht “anständig” gewesen, so mit dem Geld umzugehen. Doch, wie sollte – nach Luhmann – vorher die Moral als Medium aktiviert werden, wenn es weder Irritation noch Umwelteingriffe gab? Es ist schlicht und ergreifend unmöglich.

Die Frage ist, wie Moral eingebaut werden kann. Dazu bräuchten wir eine neue Theorie, dies zu beschreiben. Denn sobald das Finanzsystem wieder funktioniert, wird die Moral wieder deaktiviert. Momentan scheint es so zu sein, auch wenn man weiß, dass es alles auf Pump funktioniert – die Moral wird nicht aktiviert, da es keine interne Irritation gibt. Hier kommt Plessner wieder ins Spiel: Es ist die gleiche Frage, die ich an die Kulturbildung des Menschen habe, die sich für das Finanzsystem stellt. Warum sollte ein selbstrestriktives System eingerichtet werden? Die eigene Hauptunterscheidung “zahlungsfähig/nicht zahlungsfähig” regelt doch alles ganz gut.

Selbst wenn man Moral im Gesetz und damit im System Finanzen, etabliert, würde es nicht funktionieren, weil – ja weil es weiter keine Irritation gäbe und Moral ansonsten nur über systemübergreifende Kommunikation thematisiert werden kann. Was würde das im Konkreten bedeuten? Man bräuchte eine Beobachtung des Finanz-/Wirtschaftssystems durch ein anderes System, z.B. Politik. Aber Moment…die haben wir doch schon? Die hat aber versagt, wenn man es hart ausdrücken will. Dass man dies noch nicht erkannt und behoben hat, liegt an einem Schwachpunkt, der sich auch in Luhmanns Systemtheorie findet: Die Politik wird als zentrales System gesehen (so kenne ich zumindest die Literatur).

Die Wahrheit ist doch: Das zentrale System, wenn es überhaupt eins gibt (was ich nicht so klar sagen kann), ist das Wirtschaftssystem, da wir im Kapitalismus, also in einer Subsistenzwirtschaft leben. D.h. wir müssen arbeiten, um zahlungsfähig zu sein. Und nur, wenn wir zahlungsfähig sind, können wir unser Überleben sichern. Dass wir alle wählen gehen oder uns als in der Politik engagieren, ist nicht von lebenswichtiger Bedeutung, zumindest nicht direkt.

Könnte es also doch sein, dass es ein Systemfehler ist? Einige argumentieren, dass die Regeln an sich schon gut sind, nur noch verfeinert werden müssen und man halt immer Idioten hat, die das System missbrauchen. Doch, wenn man es systemtheoretisch betrachtet, könnte man den Verdacht hegen, dass die Macht, die den Menschen gegeben wird, quasi ein Programmierfehler (Luhmann spricht von sozialen Programmen, die bei der Ausdifferenzierung der Systeme entstehen), ein Fehler in den Rahmenbedingungen ist. Auch wenn man dem politischen System zu viel Macht einräumt, entstehen ähnliche Situationen – so geschehen im Absolutismus. Vielleicht darf es einfach kein zentrales System geben?


Back from Spain | Zurück aus Spanien

Addliss | 29. September 2009 in all | Kommentare (3)

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I am back in Berlin since Sunday. Spain was beautiful, the weather great and I had a lot of fun. In addition I learned a lot. An extract:

1. From Marbella you can see Africa (and also from Gibraltar, of course)!
2. Gibraltar is British. I didn’t know but it seems like it’s a common known thing.
3. Spanish don’t speak nor understand English. Apart from the question “Do you speak English?” and “No”.
4. Spanish don’t give much on their car. Every single vehicle over there is damaged at least at the body. Scratches and bumps seem like trophies!
5. If you’re trying to take a bus, you must be lucky or patient. Sometimes there is one – sometimes there isn’t.

Unfortunately I didn’t make it to go online. Thus I didn’t see Gilly’s hint on visiting Tarifa. But I wouldn’t have made it anyway.

So: back to normal now. Looking for a flat and move. Again. ;)

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Seit knappen zwei Tagen weile ich nun schon wieder in Berlin. Spanien war großartig – das Wetter, das Haus, der Strand, die Ausflüge…Spaß hat’s gemacht! Außerdem habe ich eine Menge gelernt, unter anderem:

1. Von Marbella aus kann man Afrika sehen (und von Gibraltar aus natürlich auch)!
2. Gibraltar gehört zu Groß Britannien! Ich wusste das nicht, aber ich habe erfahren, dass es wohl allgemein bekannt wäre.
3. Spanier verstehen und sprechen grundsätzlich kein Wort englisch. Außer der Frage “Do you speak English?” und “No”.
4. Spanier kümmern sich nicht besonders um ihr Auto. Jedes Auto dort unten ist irgendwie beschädigt, mindestens an der Karosserie. Kratzer und Beulen scheinen irgendwie eine Art Trophäe zu sein!
5. Wenn man in Spanien mit dem Bus fahren möchte, muss man Glück oder Geduld haben. Manchmal fährt einer, manchmal auch nicht.

Leider schaffte ich es dort nicht, online zu gehen, und habe daher Gillys Hinweis, Tarifa einen Besuch abzustatten, nicht lesen können. Andererseits hätte ich es aber sowieso nicht geschafft.

Nun also: Zurück zur Normalität. Wohnung suchen und Umziehen. Nochmal. ;)


Holidays in Spain | Urlaub in Spanien

Addliss | 14. September 2009 in all | Kommentare (1)

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From the 15. until 27. September I will be in Marbella, Spain, refuelling my batteries from the last month and for the forthcoming. Finally the first real holidays in the last three years! I hope you all have a good time. I won’t be online that much but I will try to make it from time to time. See you all on 27. September!

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Vom 15. bis 27. September werde ich in Marbella in Spanien verweilen und meine vom zurückliegenden Stress leicht entleerten Batterien aufladen, auch für die kommenden Aufgaben. Endlich ein richtiger Urlaub nach den letzten drei Jahren! Ich hoffe, ihr langweilt euch nicht ohne mich – ich denke nicht! ;) Ich werde wohl sehr wenig online sein, aber versuche es mal von Zeit zu Zeit. Man liest sich am 27. September!


CO2-neutraler Blog

Addliss | 30. Juli 2009 in all | Kommentare (0)

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Gerade habe ich beim Marc0 den Beitrag Mach dein Blog CO2-neutral! Kostenlos! gelesen. Er lobt dort die Aktion “Mein Blog ist CO2-neutral” von Mach’s grün bei kaufda.de.  An sich eine hübsche Idee und ich unterstütze jeden Baum, der gepflanzt wird.

Mich interessiert jedoch die Rechnung, die dort gemacht wird. Es wird pauschal behauptet, der Blog würde dadurch CO2-neutral ohne irgendeinen Hintergrund. Jeder Blog verbraucht nämlich auch unterschiedlich viel Energie bzw. zieht unterschiedlich viel Energiebedarf nach sich. Wenn ich daran denke, wie lange einige Wenigschreiber an ihren Rechnern sitzen oder andere, die täglich fünf oder zehn Posts raushauen. Außerdem werden einige Blogs viel häufiger in Suchmaschinen gesucht oder generieren durch ihre Aufrufe mehr Energieaufwand. Da kann ein Baum gar nicht die Pauschal-Lösung sein. Für mich klingt das eher danach, dass sich Blogger hier ein reines Gewissen schaffen – die vielleicht nett gemeinte Intention von “Mach’s grün” mal außen vor.

Im übrigen möchte ich, dass ihr einen Baum für mich pflanzt, falls ihr das lest, liebe Aktivisten von “Mach’s grün”. Bei aller Kritik bin ich, wie gesagt, für jeden Baum, der gepflanzt wird. Danke.

via [Marc0's Brainhack]