Posts Tagged ‘Menschen’

Zitat des Tages (11) – Einsamkeit und das Selbst

Addliss | 8. Februar 2010 in all | Kommentare (1)

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Man ist immer allein, wenn es um einen selbst geht.

Frau Lehmann

Ein sehr wichtiger Satz, den sich viele Menschen merken sollten. Vor allem, wenn es um Entscheidungen im eigenen Leben geht: Wenn es um Entscheidungen geht, die wirklich wichtig sind, trifft man sie am besten immer allein. Das heißt nicht, dass man von anderen Menschen absieht. Man sollte sie in den Ausgang der Entscheidung mit einbeziehen – doch die Entscheidung kommt von einem selbst. Dabei ist ganz wichtig: Verantwortung für die eigene Handlung.


Was kommt vor dem Leben?

Addliss | 3. Februar 2010 in all | Kommentare (4)

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Vor einigen Jahren hatte ich einmal eine Unterhaltung mit einer Freundin. Wir waren (und sind) unterschiedlicher Glaubensauffassungen – sie christlich-protestantisch1 , ich agnostisch – aber wir beide stellten uns die gleiche Frage: Was ist eigentlich mit der Zeit vor dem Leben? Den Zustand nach dem Leben nennt man Tod und der wird mit verschiedensten Jenseits-Vorstellungen angefüllt. Himmel, Hölle, 72 Jungfrauen usw. Doch was ist vor der Geburt?

Die Buddhisten und Hinduisten haben sich einen Kniff ausgedacht mit Samsara2, Atman/Brahman, Nirwana und Karma. Wenn man gutes oder schlechtes Karma anhäuft, wird man wiedergeboren. Wenn man bestimmte Erlösungsstufen (im Buddhismus) erreicht hat, wird man nicht wiedergeboren. “Nirwana” bezeichnet hier aber keinen Ort wie eine westliche Vorstellung des Jenseits, sondern es kann auch schon während des Lebens eintreten. Der Kreislauf der Wiedergeburten ist also das Konzept, das hier abhilft, wird aber explizit nicht räumlich oder begrifflich beschrieben. Es sei überbegrifflich, übersinnlich, sagt man in den Lehrbüchern – im wahrsten Sinne des Wortes metaphysisch. Wie man es als Mensch erkennen soll, habe ich mir noch nicht erklären können, das sei aber an anderer Stelle Thema. Dazu müsste ich auch noch weiter in die buddhistische oder hinduistische Lehre einsteigen.

Was macht man also mit dem Abschnitt vor dem Leben? Wie nennt man ihn? Meine Freundin und ich sind damals zu keinem Ergebnis gekommen, aber wir fanden die Überlegung ganz interessant. Ich finde es zudem bemerkenswert, dass sich westliche Glaubensansichten hauptsächlich mit dem Abschnitt nach dem Leben beschäftigen, quasi zukunftsorientiert, sich jedoch überhaupt nicht mit dem Davor auseinandersetzen. Gibt es ein Davor? Oder nimmt die eigene Seele erst einen Anfang, um nach dem Tod ewig weiter zu existieren (Christentum)?3

Jetzt wisst ihr, welche Gedanken mich nachts um 3 umtreiben. Manchmal kann man einfach nicht schlafen…

  1. Zumindest gehe ich davon aus, dass sie immer noch christlich ist. Wir haben quasi keinen Kontakt mehr, aber ich kann sie mir nicht anders als christlich denkend vorstellen. []
  2. der ewige Kreislauf der Wiedergeburten []
  3. Die Frage ist für mich auch, ob es logisch möglich ist, dass etwas ewiges, d.h. unendliches, einen Anfang hat. Aber auch dazu vielleicht an anderer Stelle mehr, momentan habe ich dafür noch keine Lösung. []

Blumen an Googles Firmenschild

Addliss | 13. Januar 2010 in all | Kommentare (1)

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In China gab es, wie ihr dieser Stunden überall lesen könnt, einen Hacker-Angriff1 auf E-Mail-Konten verschiedener Menschenrechtsaktivisten und Regime-Kritiker bei Gmail. Daraufhin hat Google ja nun seine gefilterte Suche für die chinesische Google-Seite zumindest angepasst, sodass auch vorher verbotene Bilder o.ä. zu finden sind:

Google.cn | Tank Man

Nun lese ich bei Nerdcore, dass Blumen an einem Firmenschild einer chinesischen Niederlassung Googles niedergelegt worden waren. Ob das als Dank oder als vorausgeschickte Trauerblumen zu verstehen ist, weiß man nicht. Allemal ist es bemerkenswert!

Spannend wäre es, die Behauptungen von mspr0 zu überprüfen, die er hier tätigt:

Wenn China, warum dann nicht auch Iran? Was gäbe es da noch für eine Rechtfertigung? Google wäre in der moralischen Pflicht, Informationen überall dorthin zu bringen, wo Zensur herrscht. Warum also nicht auch nach England? Oder nach Australien? Wozu sich überhaupt noch an Gesetze halten? Wozu überhaupt noch die Regulierungsansprüche von Staaten ernst nehmen? Wozu überhaupt noch Staat/Nation?

Und auf einen Schlag sähe jegliche nationale Gesetzgebung das Internet betreffend aus, wie ein Wutanfall von Mickey Mouse. Die staatliche Souveränität wäre als Prinzip angekratzt, wenn nicht gar völlig diskreditiert. Und es gäbe eine neue strategische Großmacht auf der Welt. Google kann Staaten stürzen.

Damit wäre 2010 gebührlich eingeläutet. Das postnationale Zeitalter hätte begonnen.

Ist es wirklich schon soweit, dass Google Staaten stürzen kann? Wenn ja: War es vorher nicht auch schon möglich für Großkonzerne, starken Einfluss auf Staaten zu nehmen? Muss Google ernsthaft alle Staaten ignorieren, wenn sie chinesische Vorgaben ignorieren? Wenn René davon spricht, das Firmencredo Googles sei “Don’t be evil!” – was heißt hier “evil”? Kann es nicht auch “evil” sein, bestimmte Inhalte anzubieten? Wo zieht man hier bei einer Metamoral die Grenze? Wie sieht ein “gutes” Moralsystem aus und wie ein “böses”? An geeigneter Stelle sollte mal jemand was dazu schreiben. Vielleicht lasse ich mich auch noch dazu hinreißen…

Ich frage mich, warum es nicht auch normale Cracker gewesen sein können, die die Accounts angegriffen haben. In seinem Firmenblog macht Google klar, dass diese Attacken sehr “sophisticated” (“wohldurchdacht”, “clever”) und “targeted” (“zielgerichtet”) gewesen seien. Okay, das schließt einen Angriff von klugen Köpfen, die nichts mit der Regierung zu tun haben, nicht aus. Das würde allein noch keinen Rückzug Googles rechtfertigen (für meinen Geschmack). Hinzu kommt jedoch, dass man bei den Recherchen herausgefunden hat, dass auch mindestens 20 andere größere Unternehmen aus den verschiedensten Branchen angegriffen wurden – zur gleichen Zeit. Solche Großangriffe lassen sich schwer durch einzelne Gruppen koordinieren, zumindest in meiner Vorstellung. Daher liegt die Vermutung nahe, dass ein von der chinesischen Regierung beauftragtes Team dahinter stecken könnte. Außerdem habe China sich im vergangenen Jahr restriktiver gezeigt, was die Meinungsfreiheit betrifft. Daher müsse man sein Vorgehen in China überdenken. Insofern ist es für mich plausibel. Dies sind alles Indizien und Reibungspunkte, die gemeinsam zu einem Überdenken der Herangehensweise führen können.

Ich bin gespannt, wie Google hier weiter agiert, zumal sie auch mit der US-Regierung und der chinesischen Kontakt halten, um ihr Vorgehen abzustimmen.

  1. ob es wirklich ein Hacker-Angriff war, wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall waren es Cracker. Zum Nachlesen der Unterscheidung verweise ich auf einen Text von Richard Stallman. []

Wieviel Moral gehört in ein Rechtssystem?

Addliss | 2. Dezember 2009 in all | Kommentare (2)

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Es geht um vermutlich einen der letzten Prozesse gegen vermutliche NS-Täter des zweiten Weltkriegs. Wenn ich es recht überdenke, nein: Es geht eigentlich um einen 89-jährigen Mann, der wahrscheinlich wenig mitbekommt, und um vermutliche Verbrechen, die vor 66 Jahren begangen wurden. Vor allem geht es für die Öffentlichkeit hier um Fragen, die wenig mit dem Strafmaß oder der Beweisaufnahme zu tun haben. Es sind die hintergründigen Fragen, die vielmehr bestimmen, wieviel Gewicht wir diesem Prozess zumessen.

1. Wie lange darf man Straftaten bestrafen? Mord verjährt nach deutschem Recht nicht, Völkermord auch nicht. Jedoch frage ich mich, warum dies so ist. Laut Wikipedia wurde die Verjährung von Mord/Völkermord in den 1960ern sukzessive abgeschafft, damit man die NS-Verbrecher auch noch später bestrafen konnte.

Man sieht in der Judenvernichtung während des Zweiten Weltkriegs ein einmaliges Verbrechen, das ultimativ die Grenzen der Moral und des Strafrechts ausreizt und daher jegliches andere Verbrechen übertrifft. Für mich problematisch ist, das so zu sehen. Ich verstehe nicht, was so einzigartig daran war: Die maschinelle Präzision, mit der gearbeitet wurde, gab es auch in anderen Kriegen. Die Entrechtung der Juden, ihr den Menschenstatus abzusprechen (und sie dennoch als entartetes Beispiel der menschlichen Rasse anzusehen), war auch nichts Neues. Sinti und Roma kennen die Entrechtung schon seit dem Mittelalter, auch amerikanische Eingeborenenstämme wurden als rechtelos angesehen. Von Arbeitslagern oder Tötungslagern wollen wir nicht sprechen: Stalin hat nichts anderes gemacht, z.T. gibt es sowas heute noch in China. Ich sehe die Einzigartigkeit einfach nicht.

2. Wie darf man jemanden bestrafen, der wahrscheinlich selbst getötet worden wäre, wenn er nicht kooperiert hätte? Ich kenne die Hintergründe nicht allzu genau, doch Demjanjuk ist Ukrainer und war Kriegsgefangener. Er war einer der wenigen nicht-deutschen Wächter in einem Konzentrationslager. Ich gehe jetzt mal nicht davon aus, dass er gezwungen worden ist zu helfen. Jedoch denke ich, dass er mit dem Tod rechnen musste, wenn er weiter in Kriegsgefangenschaft bleiben würde. So entschied er sich, den Deutschen zu helfen und erhoffte sich davon ein weiteres Überleben. Ich kenne recht viele Moralsysteme, doch ich habe noch keines erlebt, in dem das Recht auf Selbstverteidigung, Verteidigung des eigenen Lebens, verwerflich wäre. Die Frage ist hier:

3. Wie weit darf man gehen, um sein eigenes Leben zu verteidigen? Sind dazu alle Mittel recht? Dies ist eine schwerwiegende Frage, die ich nicht auf die Schnelle beantworten kann. Doch sehe ich es als sehr kompliziert an und stelle mich auf keinen Fall auf die Position, dass man keinen Menschen töten dürfte, um sein Leben zu verteidigen. Extremsituationen sind einfach etwas anderes als einfache moralische Entscheidungen. Mir ist klar, dass Demjanjuk hier als Wärter vermutlich bei der Tötung an Menschen, die mit seiner Bedrohung nichts zu tun hatten, geholfen hat. Doch möchte ich keine Position von vornherein tabuisieren, da hier vermutlich einfache Intuitionen nicht weiterhelfen.

4. In welchem Gesundheitszustand darf man einen Angeklagten zur Verhandlung laden? Sicher gibt es das Gutachten dreier Ärzte, die sagen, Demjanjuk sei verhandlungsfähig. Doch fragt man sich aus moralischer Perspektive doch auch: Könnte man einem halbwegs gesunden 89-jährigen noch eine Gerichtsverhandlung zumuten? Ich kenne 75-jährige, denen ich das nicht mehr zumuten würde, da ich ihnen nicht zutraue, da noch zu folgen. Andererseits kenne ich auch 85-jährige, denen ich das durchaus noch zutraue. Ein schwieriger Fall.

Dazu gehört für mich auch die Überlegung, ob ein liegender Angeklagter noch seine Würde behält, wie es §1 GG verlangt. Würde ist sowieso so eine schwierige, schwammige Konstruktion, die ich noch nicht wirklich mag. Zudem weiß man nicht, wieviel Demjanjuk simuliert oder wieviel von seinem Verhalten Trotz ist.

5. Für mich stellt sich ebenfalls die grundsätzliche Frage, wieviel Moral in ein Rechtssystem gehört. Wir müssten doch vor uns als Gesellschaft begründen, warum wir diesen alten Mann noch bestrafen? Geht es um Gerechtigkeit, wie die Opfer diesem Artikel bei Welt Online verlangen?

Wahrheit und Gerechtigkeit, nicht eine harte Strafe ist es, was die Opferangehörigen wollen.

Wie wollen sie Gerechtigkeit erlangen? Wenn es nicht um eine harte Strafe geht, könnte es doch auch eine symbolische, sehr niedrige Strafe geben, in der gezeigt wird, dass wir als Gesellschaft solche Taten verurteilen.

Oder geht es um die Prävention weiterer Straftaten? Wohl kaum. Viel kann der Mann nicht mehr anrichten.

Zudem: Ich kenne die Kriminalakten Demjanjuks nicht, doch mir ist bisher keine Information untergekommen, aus der ersichtlich wird, dass der Mann erneut straffällig geworden ist. Ist es dann gerechtfertigt, ihn zu bestrafen, wenn es ein einmaliger Fehltritt war, den er ohne Strafe schon bereut hat? Sein Schweigen vor Gericht kann einerseits als Wahrnehmung seines Schweigerechts gesehen werden, andererseits auch als Scham oder als Signal, dass zu Unrecht prozessiert wird, da er die Schwere seiner Schuld schon erkannt hat.

6. Wie oft darf jemand international wegen ein- und desselben Vorwurfs vor Gericht stehen? Demjanjuk hat schon einen Prozess in Israel hinter sich und einen in den USA. Nun ist Deutschland dran. Es ist mir nicht bekannt, dass es in irgendeinem internationalen Vertrag geregelt ist, dass jemand (wie in Deutschland) nur einmal vor Gericht gestellt werden darf. Doch kann man sich das moralisch fragen und zu einer anderen Antwort kommen: “Ja, aber unser Rechtssystem kennt diese moralische Frage nicht und wir haben nunmal diese Gesetze, die eine Bestrafung verlangen.”

Weiterhin bestand einmal der Verdacht, Demjanjuk sei “Iwan der Schreckliche”, später wurde dies jedoch widerlegt. Würde sich noch jemand für ihn interessieren, wenn dieser Verdacht nicht bestanden hätte?

7. Wie kann man jemanden bestrafen, dessen Vorgesetzte frei gesprochen wurden? Sicher kann man hier sagen, dass gewisse Leute etwas getan haben und gewisse Leute nicht. (Man könnte sich vorstellen, dass die Vorgesetzten bestimmte Befehle gegeben haben, denen sich Untergebene widersetzt haben. Dann wären die Vorgesetzten nicht für dies Handeln verantwortlich.) Doch bleibt es immer noch in der Verantwortung der Vorgesetzten, was in Treblinka und anderen Konzentrationslagern passiert ist. Die Konzentrationslager waren schlicht dazu bestimmt, Menschen zu töten. Demjanjuk muss, wenn er Beihilfe zum Mord geleistet haben sollte, der Mord auch passiert sein. Und wenn nicht die Vorgesetzten mitverantwortlich sind, dann weiß ich nicht, wer sonst. Und hier schließt sich noch einmal der Bogen zur Gerechtigkeit aus Punkt 5. Ist es gerecht, einen Gefreiten zu verurteilen und den Feldwebel unbescholten zu lassen, der ihm den Befehl gab?

8. Abschließend stellt sich für mich eine Frage, die wieder die Öffentlichkeit mit ins Spiel bringt. Wird hier nur prozessiert, weil die Deutschen ein Nazi-Trauma immer noch nicht verarbeitet haben? Versucht man hier die Schuld auf einen Mann zu projizieren, um das Trauma endgültig zu verarbeiten – nur um hinterher festzustellen, dass ein Sündenbock keine Lösung ist und man nichts von dem Trauma verarbeitet hat?

Das alles sind Fragen, die z.T. jeder für sich klären muss, die aber für mich viel wichtiger sind als: Welche Strafe muss jemand bekommen, der vermutlich bei der Tötung von über 27 000 Menschen geholfen hat? Oder: Hat er überhaupt mitgeholfen? Für die meisten der obigen Fragen ist es irrelevant, ob Demjanjuk wirklich schuldig ist oder nicht. Viel wichtiger ist für mich den Hintergrund zu erkennen, warum dieser Prozess so wichtig scheint. Für den Bereich der Medien ist klar, dass der Prozess öffentliche Berichterstattung verlangt, da Nazis, KZ, Tote und Juden sowieso immer als Story funktionieren, aber warum er der Gesellschaft oder dem Gericht so wichtig erscheint. Ich teile diese Ansicht nicht, dass der Prozess besondere Wichtigkeit besitzt. Er ist nur in sofern bedeutungsvoll, dass wir daran einmal mehr genauer erkennen können, wer wir sind, wie wir ticken, warum wir so sind und was uns wichtig ist.


Karbarett beim WDR 2

Addliss | 27. Oktober 2009 in all | Kommentare (0)

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Da ich mich, wie in den vergangenen Postings ersichtlich wird, momentan immer mal wieder an Politikerverhalten störe, ist Kabarett für mich eine Möglichkeit, das ein bisschen humorvoller zu gestalten und dennoch die Ernsthaftigkeit der Themen nicht außer Acht zu lassen. Ein von mir sehr geschätzter Kabarettist ist Volker Pispers, der jede Woche auf dem WDR 2 politische Themen auseinandernimmt. Grandios!

WDR 2 | Westzeit – Kabarett

Auch zu empfehlen ist Dieter Nuhr, der ebenfalls dort zu finden ist. Ein für mich neues Gesicht  – dennoch nicht weniger bissig und treffend – ist Fritz Eckenga. Solltet ihr euch mal anhören, es lohnt sich!


Glück

Addliss | 22. Oktober 2009 in all | Kommentare (6)

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Ein toller, literarischer, poetischer Text von Johnny auf Spreeblick:

Bei einem großartigen Stück Musik weinen, die Fantasie und Wortgewandtheit eines Autors bewundern. Tollen Kindern beim Großwerden zusehen, albernen Quatsch mit ihnen machen, versuchen, ihnen „Gerechtigkeit“ zu erklären. Danach ein Kartenspiel gegen sie verlieren ohne zu schummeln. Im Netz auf eine Seite stoßen, die vor Liebe zum Detail nur so strotzt, auf Gleichgesinnte treffen, auf Menschen treffen, die den eigenen Horizont erweitern. Eine reizende Mail bekommen, eine nette Mail schreiben. Lustige und kluge 140 Zeichen lesen. Lustige und kluge 140 Zeichen schreiben. Verheiratet sein. Die Herbstluft schnuppern, in einen Blätterhaufen springen. Sich betrinken und am nächsten Tag ausschlafen. Über ein Grafitti staunen. Jemandem helfen. Sich helfen lassen. Feststellen, dass das selbstgemachte Essen gar nicht mal so schlecht schmeckt. Etwas richtig verstehen, das man seit Jahren falsch verstanden hat. Faulen Sex haben, wilden Sex haben. Sich darüber freuen, dass man niemanden, und zwar niemanden in der herumliegenden GALA kennt. Den Fernseher nur noch zum Videospielen oder Filmeschauen nutzen. Jemanden lieben, der einen liebt. Etwas völlig ungesundes lecker finden. Sich bei jemandem entschuldigen. Sich nach einer tollen Frau umdrehen. Etwas neues lernen. Ohne schlechtes Gewissen rauchen. Regen spüren. Ein Lächeln von einer oder einem Fremden bekommen und es erwidern. Erfolg nicht am Kontostand messen. Tränen lachen. Beim Betrachten eines Fotos einen Kloß im Hals haben. Ein Missverständnis aufklären. Papierflieger bauen, die zwei Saltos schaffen. Jemandem einen guten Tag wünschen und das auch meinen. Eine alte Lieblingsplatte wieder hören. In billigen Klamotten gut aussehen. Sich etwas teures und gutes leisten. Eine Idee haben und zugeben, dass jemand anderes die bessere hatte. Sich streiten und danach versöhnen. Älter werden und es toll finden. Mit Türken Tee trinken, sich von Chinesen China erklären lassen. Geld verdienen mit dem, was einem Spaß macht. Sich vornehmen, glücklich zu sterben. Keine Angst haben. Den Müll aus seinem Leben entfernen. Sich selbst nicht über Dritte definieren. Machen, nicht meckern. Umsetzen, nicht ankündigen.

Das Tolle: Es kann noch so viel hinzugefügt werden, was auch die Kommentatoren tun, obwohl es schon vollständig wirkt. Man beachte hier auch: Bis jetzt 1045 Tweets! Mich freut, dass die Menschen so etwas wertschätzen können.

Danke, Johnny!

via [Spreeblick]