Posts Tagged ‘Gedanken’

Ist der Mensch nichts?

Addliss | 26. Februar 2010 in all | Kommentare (7)

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Oft schon hat sich der Mensch den Kopf darüber zerbrochen, was er ist, was ihn ausmacht. Man sprach von einem “Mängelwesen” (Gehlen), von einem “exzentrierten Wesen” (Plessner), vom “nicht festgestellten Tier” (Nietzsche) oder vom “zoon politikon” (Aristoteles). Viele Namen wurden gegeben, viele Charakterisierungen getroffen. Man hat sogar schon gesagt, der Mensch sei einfach nicht festzulegen und in dieser Flexibilität einzigartig (in gewisser Weise war das Teil vieler moderner Erklärungsversuche). Auch, dass der Mensch sich selbst zum Problem werden müsse, damit er überhaupt als Mensch gelten könne, wurde gesagt (Hans-Eduard Hengstenberg). Doch hat es immer wieder neue Ansätze gegeben und es wurde immer wieder neu versucht.

Eigentlich sind damit alle Antworten gegeben. Jeder kann sich eine “aussuchen” und wer es sehr offen haben möchte, geht mit Hengstenberg oder Plessner mit und bestätigt, der Mensch sei darin Mensch, dass er nach sich selbst suche. Was kann noch kommen? Das einzige, was noch als Antwort fehlt ist, dass der Mensch eigentlich nichts ist. Es gibt ihn nicht und es wird ihn nie geben, da er nicht eindeutig definiert werden kann.


Zitat des Tages (14) – Orientierung

Addliss | 19. Februar 2010 in all | Kommentare (0)

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Orientierung ist Bedingung allen Lebens, wir kommen nicht hinter sie zurück und nicht über sie hinaus. Orientierung vollzieht sich in einem Selbstbezug, der sich laufend erneuert, und alles, was wir über sie sagen können, setzt sie schon, in Gestalt sprachlicher Orientierung, voraus. Wir bewegen uns in einem Orientierungszirkel, in dem wir lernen, uns sachlich und sprachlich weiterzuorientieren, über den wir uns aber nie erheben, den wir nie von außen beobachten können. Und dabei handelt es sich zunächst immer um die Orientierung des Einzelnen in seiner Situation, die anders ist als jede andere.

Werner Stegmaier: Orientierung, S.9 (Vorwort)


Zitat des Tages (13) – Propheten, Politiker und der Glaube

Addliss | 18. Februar 2010 in all | Kommentare (0)

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Propheten glauben, sie sprächen für Gott. Politiker glauben, sie sprächen fürs Volk.

Gedankenpflug


Zitat des Tages (11) – Einsamkeit und das Selbst

Addliss | 8. Februar 2010 in all | Kommentare (1)

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Man ist immer allein, wenn es um einen selbst geht.

Frau Lehmann

Ein sehr wichtiger Satz, den sich viele Menschen merken sollten. Vor allem, wenn es um Entscheidungen im eigenen Leben geht: Wenn es um Entscheidungen geht, die wirklich wichtig sind, trifft man sie am besten immer allein. Das heißt nicht, dass man von anderen Menschen absieht. Man sollte sie in den Ausgang der Entscheidung mit einbeziehen – doch die Entscheidung kommt von einem selbst. Dabei ist ganz wichtig: Verantwortung für die eigene Handlung.


Zitat des Tages (10) – Zukunft und Unternehmer

Addliss | 3. Februar 2010 in all | Kommentare (2)

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Die Zukunft ist ein Marxist: Sie schert sich einen Dreck um die Unternehmer.

Thomas Strobl a.k.a. weissgarnix


Was kommt vor dem Leben?

Addliss | in all | Kommentare (4)

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Vor einigen Jahren hatte ich einmal eine Unterhaltung mit einer Freundin. Wir waren (und sind) unterschiedlicher Glaubensauffassungen – sie christlich-protestantisch1 , ich agnostisch – aber wir beide stellten uns die gleiche Frage: Was ist eigentlich mit der Zeit vor dem Leben? Den Zustand nach dem Leben nennt man Tod und der wird mit verschiedensten Jenseits-Vorstellungen angefüllt. Himmel, Hölle, 72 Jungfrauen usw. Doch was ist vor der Geburt?

Die Buddhisten und Hinduisten haben sich einen Kniff ausgedacht mit Samsara2, Atman/Brahman, Nirwana und Karma. Wenn man gutes oder schlechtes Karma anhäuft, wird man wiedergeboren. Wenn man bestimmte Erlösungsstufen (im Buddhismus) erreicht hat, wird man nicht wiedergeboren. “Nirwana” bezeichnet hier aber keinen Ort wie eine westliche Vorstellung des Jenseits, sondern es kann auch schon während des Lebens eintreten. Der Kreislauf der Wiedergeburten ist also das Konzept, das hier abhilft, wird aber explizit nicht räumlich oder begrifflich beschrieben. Es sei überbegrifflich, übersinnlich, sagt man in den Lehrbüchern – im wahrsten Sinne des Wortes metaphysisch. Wie man es als Mensch erkennen soll, habe ich mir noch nicht erklären können, das sei aber an anderer Stelle Thema. Dazu müsste ich auch noch weiter in die buddhistische oder hinduistische Lehre einsteigen.

Was macht man also mit dem Abschnitt vor dem Leben? Wie nennt man ihn? Meine Freundin und ich sind damals zu keinem Ergebnis gekommen, aber wir fanden die Überlegung ganz interessant. Ich finde es zudem bemerkenswert, dass sich westliche Glaubensansichten hauptsächlich mit dem Abschnitt nach dem Leben beschäftigen, quasi zukunftsorientiert, sich jedoch überhaupt nicht mit dem Davor auseinandersetzen. Gibt es ein Davor? Oder nimmt die eigene Seele erst einen Anfang, um nach dem Tod ewig weiter zu existieren (Christentum)?3

Jetzt wisst ihr, welche Gedanken mich nachts um 3 umtreiben. Manchmal kann man einfach nicht schlafen…

  1. Zumindest gehe ich davon aus, dass sie immer noch christlich ist. Wir haben quasi keinen Kontakt mehr, aber ich kann sie mir nicht anders als christlich denkend vorstellen. []
  2. der ewige Kreislauf der Wiedergeburten []
  3. Die Frage ist für mich auch, ob es logisch möglich ist, dass etwas ewiges, d.h. unendliches, einen Anfang hat. Aber auch dazu vielleicht an anderer Stelle mehr, momentan habe ich dafür noch keine Lösung. []

Die Ausstellung

Addliss | 28. Januar 2010 in all | Kommentare (1)

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„Schnell, schnell“, sagte Katrin.
„Schnell, schnell“ – das sagte sie immer. „Schnell, schnell“ war auch alles, was sie machte. Sie ging schnell, sie redete schnell, sie dachte schnell. Ja, sie lebte schnell. Katrin war einfach ein schneller Mensch. Wenn sie von mir ein Attribut bekommen würde, dann wäre es das: schnell.

Andererseits hatte sie natürlich Recht. Wir waren spät dran, wollten zu einer Ausstellung. Was da ausgestellt wurde, wusste ich gar nicht genau, aber es war bestimmt recht langweilig. Obwohl – so richtig langweilig ist etwas nie. Es ist nur für jemanden langweilig. Objektiv langweilige Sachen gibt es eigentlich gar nicht. Aber zurück zu der Ausstellung: Es waren bestimmt wieder Gemälde oder wie ich es nannte „Kunst“ von zeitgenössischen Künstlern. Ich nenne es Kunst, weil es doch nicht nur Malerei ist, sondern etwas dahinter stehen soll; ein Konzept. Malt der Maler um des Malens Willen oder um der Aussage des Bildes Willen? Oder malt er, um der schönen Motive Willen?

Das war ein Grund, warum ich nicht so gern zu diesen Ausstellungen ging: Katrin nannte die Menschen zwar Künstler, aber ihre Kunst nannte sie Gemälde. Das fand ich ziemlich komisch, dass Künstler nicht Kunst machen oder Maler Gemälde. Ich wollte mir immer keine Ausstellungen ansehen. Katrin meinte, ich müsse doch raus und mich mit den anderen Menschen beschäftigen. Aber ist das denn nicht seltsam – raus zu gehen, sich mit den „anderen“ zu beschäftigen, ohne zu wissen, wer oder was sie eigentlich sind? Was ist das andere, was außerhalb unseres „Ich“ ist? Ist überhaupt etwas außerhalb unseres Bewusstseins?
Kann man mit einem Etwas interagieren, wenn man überhaupt nicht weiß, was man da vor sich hat? Ich sagte immer zu Katrin, das wäre, als wenn man das erste Mal einem Chinesen begegne und erstaunt über seine Augenform, seine Nase, seine Größe oder seine Sprache wäre. Wenn dieser jemand so unterschiedlich zu mir war, musste ich dann nicht auch ganz anders mit ihm umgehen? Und was machte den Unterschied zwischen dem „anders“ beim Chinesen zum grundsätzlichen „anders“ bei Menschen aus? Ich fand, das war eine schwierige Sache. Aber für Katrin nicht. Damit man sich über „die anderen“ klar wurde, müsste man sich mit ihnen beschäftigen, beharrte sie. Wenn man nicht mit ihnen in Interaktion trete, werde man nie etwas über sie herausfinden. Ich fragte mich dabei zwar, wie ich aus der Erfahrung mit einem Menschen auf die Interaktion mit anderen Menschen schließen sollte und wie ich aus einer einmaligen oder mehrmaligen Erfahrung eine Erwartung für die Zukunft sehen sollte – denn was sagte mir, dass der gleiche Mensch nicht irgendwann seine Verhaltensmuster änderte und sich beim nächsten Treffen ganz anders verhielte? – aber das war für Katrin nicht weiter relevant. Sie meinte, man müsse es einfach machen, es ausprobieren. Sie war auch eine „Macherin“. Wenn ich ihr ein zweites Attribut geben dürfte, wäre es, dass sie „macht“.

Ich hatte keine Lust los zu gehen, aber wir mussten ja. Wir waren spät dran, es musste ja „schnell, schnell“ gehen.


Extended Mind

Addliss | in all | Kommentare (0)

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Vor einiger Zeit hörte ich schon einmal etwas zum Thema “Extended Mind1  oder “Extended Cognition” und es faszinierte mich. Nun habe ich mir einen zweiten Vortrag dazu angehört, der ein paar Probleme und Fragen zu der These oder dem Theorie-Ansatz schilderte – und es fasziniert mich jetzt noch mehr.

Nun, was ist die Grundidee? Man versuchte, neu an das Thema “Geist” oder Kognition heranzugehen. Man fragte, was eigentlich zu “mind”2 dazugehört. Man fragte sich, ob man Notizzettel nicht z.B. auch zum Gedächtnis zählen kann, wenn Menschen unter Amnesie leiden. Sie nutzen diese, um sich überhaupt an etwas zu erinnern und damit nehmen diese die gleiche Funktion ein wie ein “normales” Gedächtnis. Ja, es ist eine funktionalistische Theorie und wenn man funktionalistische Denkweisen in diesem Zusammenhang nicht akzeptiert, hat man Probleme mit ihr. Aber spannend ist es für mich allemal.

Wegweisend war ein Aufsatz von Andy Clark und Dave Chalmers von 1998, in dem sie eben jenes Beispiel mit dem Notizzettel zentral besprachen und die “Extended Mind”-These aufstellten. Sie nutzten dazu ein Gleichnis von Otto und einem Zwillings-Otto in einem Paralleluniversum. Der eine Otto hatte ein normales Gedächtnis, der Zwillings-Otto nicht. Wenn ihr wollt, könnt ihr das Paper hier downloaden. Mehr Paper von Andy Clark gibt’s hier.

Eine der spannendsten Konsequenzen dieser These ist für mich, was wir mit den neuen technischen Medien anfangen. Das Handy, der Computer, das Internet. Die These geht davon aus, dass Geist und Kognition nicht an den Körper gebunden ist, sondern sich kognitive Systeme bilden. Der Zwillings-Otto, wie ich ihn eben kurz angerissen habe, ist mit seinem Notizblock ein kognitives System. Gehört der Block zu ihm oder nicht? Die These bejaht diese Frage. Sie setzt einen “aktiven Externalismus” voraus, d.h. dass Prozesse, die wir  Und damit könnte man das Internet in einer wohlwollenden Interpretation irgendwie auch als Erweiterung unseres kognitiven Systems auffassen, denn es lagert unser Wissen z.B. in Wikipedia aus oder es ermöglicht uns via Webcams andere Orte dieser Welt zu betrachten, die wir ohne das Internet nicht genau zu diesem Zeitpunkt betrachten könnten. Sehr Sci-Fi wird es dann, wenn wir das Internet in naher oder ferner Zukunft als allgegenwärtig betrachten und irgendwie alles zu unserem kognitiven System gehört, weil wir auf alles zugreifen können. Schon ein wenig beängstigend, denn dann sind wir gewissermaßen jetzt schon (und bald noch mehr) eine Art Cyborgs, wenn auch nicht im klassischen Verständnis.

  1. der Artikel führt echt gut ein []
  2. ein sehr vieldeutiges Wort, was “Geist”, “Gedächtnis”, “Gedanke” und vieles mehr heißen kann. Daher spricht man neuerdings eher von “Extended Cognition”. []

Zitat des Tages (8) – Feminismus und Vernunft

Addliss | 27. Januar 2010 in all | Kommentare (2)

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Es gibt drei Feminismen: Der erste möchte, dass die Frauen wie die Männer, der zweite, dass die Männer wie die Frauen werden. Nur der dritte möchte, dass beide Vernunft annehmen.

Gedankenpflug


Das Problem mit Immanuel Kant

Addliss | 22. Januar 2010 in all | Kommentare (1)

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Das Problem mit Immanuel Kant und seiner Philosophie – theoretische sowie praktische – ist, dass, selbst wenn man versucht, ohne ihn auszukommen; eigene Ideen zu entwickeln; man merkt, dass man doch irgendwie nicht um ihn herumkommt. Er hat so umfassende Gedanken formuliert (wenn auch manchmal sehr kompliziert formuliert) und ein so stimmiges Gedankengebäude errichtet, dass man in gewissen Punkten eingestehen muss, dass er ein sehr hilfreiches System für alle Philosophie geschaffen hat.1 Sehr sympathisch an seinem System ist zudem, dass er nicht dogmatisch argumentiert, also nicht tabuisierend oder autoritär. Es gründet sich alles auf Verstand und Vernunft.2

  1. gleichwenn man ihn nicht immer heranziehen muss, so doch, wenn man erste Philosophie betreiben will, d.h. wirklich grundlegende Überlegungen anstellen möchte []
  2. die im Übrigen unterschiedliche Instanzen sind und häufig von den Menschen vertauscht oder synonym verwendet werden. Aber das nur am Rande. []