Der US-amerikanische Präsident Barack Obama hat sich in seiner gestrigen Rede an die Menschen in seinem Land gewandt. Er möchte alles Menschenmögliche tun, um dem Öldesaster im Golf von Mexiko Einhalt zu gebieten. Das war keine normale Rede ans Volk, die mal nebenbei auch die aktuellen Probleme anspricht. Es war eine Krisenrede, die die Situation im Golf als nationale Katastrophe konstituiert. Obama ist auch selbst in der Kritik, gerade was das Management der Vorgänge im Golf angeht. Und das nicht zu Unrecht.
Seit guten zwei Monaten strömen täglich mehrere tausend Tonnen (!) Öl in den Golf von Mexiko. BP hat mehrmals versprochen, es jetzt wirklich anzugehen. Mehrmals passierte lange Zeit nichts oder der Versuch scheiterte. Obama hat den Moment verpasst, an dem er hätte eingreifen müssen und BP die Kontrolle über die Maßnahmen zu entziehen. Nun steht er so da, als ob er das hätte passieren lassen, obwohl er es hätte verhindern können. Denn BP wird jetzt kein Vertrauen mehr entgegengebracht. Hätte Obama BP eingeschränkt und andere Experten hinzugestellt (wir können ja nicht leugnen, dass vermutlich auch BP Experten in eigenen Reihen hat), dann hätte es wenigstens den Anschein gehabt, dass man alles versucht hätte. Die Intelligenteren unter uns wissen nämlich, dass das kein leichtes Unterfangen ist, in 1500 Metern Meerestiefe ein Loch zu stopfen. Da nimmt man nicht einfach mal Nadel und Faden und schickt einen Taucher runter. Selbst wenn man mit allen verfügbaren Mitteln gescheitert wäre, hätte man behaupten können, dass alle Experten des Landes es nicht hätten schaffen können. Es war einfach eine zu schwierige Aufgabe.
Doch nun entsteht der Eindruck, dass Obama den Konzern hat gewähren lassen, mit dem Risiko, dass eben das geschieht, was geschehen ist. Das hätte in jedem Fall verhindert werden müssen – für den Golf von Mexiko und die Küstengebiete sowie auch für Obamas Image. Nun fallen natürlich die Kritiker über ihn her. Zudem, und das wiegt viel schwerer, hat die Natur einen nicht wieder gut zu machenden Schaden erlitten.1
Das ist ein Grund, warum es mich ärgert, dass gerade Sommer und die Fußball-WM sind. Die wichtigen Themen werden dann einfach nicht wahrgenommen.2
- Ob Wiedergutmachung bei Naturschäden grundsätzlich möglich ist, müsste man sowieso diskutieren. Das ist aber eine theoretische Frage. [↩]
- Ich verfolge die WM ja selbst! Ich freu’ mich auch drüber, aber es ist dennoch ein ungünstiger Zeitpunkt. [↩]
