Merkel vertraut Schäuble
Nun, da ich ja schon bei Twitter kurz anmerkte, dass die Kabinettsbesetzung auf mich irgendwie wirkt wie: “Wer will nochmal, wer hat noch nicht?”, kommt nun eine kleine Spitze eines niederländischen Journalisten bei einer Pressekonferenz mit Horst Seehofer, Guido Westerwelle und Angela Merkel:
Schon bemerkenswert, wie Merkel auf diese kritische Frage reagiert. René von Nerdcore und seine Kommentatoren beschreiben es schon richtig: Für Merkel ist Schäuble vertrauenswürdig, da sie in seine Aktivitäten eingeweiht wird. Und wenn Parteispenden mal wieder verschwinden o.ä. bleibt es ja “in der Familie”.
Ich weiß nicht, was hier eigentlich los ist: Pressekonferenzen sind doch eigentlich dazu da, dass die Presse Fragen stellen kann. Wenn dann diese Fragen mit kurzen Antworten abgebügelt werden, in denen ganz deutlich klar gemacht wird, dass man eine unerwünschte Frage gestellt hat, macht das alles keinen Sinn mehr! Zudem: Solch eine Kritik trägt zur politischen Willensbildung bei und das ist es doch, was die Politiker eigentlich wollen sollten. Wenn man Menschen abweist, die sich an der Politik interessieren und darüber diskutieren wollen, braucht man sich nicht zu wundern, dass sich in diesem Land der viel zitierte Politikverdruss immer weiter verbreitet.
via [Nerdcore]
Herzlichen Glückwunsch, Deutschland! Natürlich vertraut Frau Merkel Herrn Schäuble. Der Mann hat seine politische Karriere hinter sich und keine Ambitionen mehr, weshalb er ihr nicht mehr gefährlich werden kann. Da spielt er ruhig auch mal den Buhmann und kann den undankbaren Posten des Finanzministers übernehmen. Stattdessen wird jemand mit Sachverstand auf diesem Gebiet ins Außenministerium gesteckt, weil er mit einiger Wahrscheinlichkeit bei der nächsten Wahl – zumindest vom CDU(-nahen) Wahlvolk – als Kanzler gefordert würde. Dass er sich jetzt als Vielfrontenjongleur abmühen muss, kann nur zu gut zu seiner politischen Beschädigung beitragen.
Es ist längst ein Geheimnis gewesen, dass “das Merkel” (TITANIC) recht subtil alle möglichen Konkurrenten (s. F. Merz) diskreditiert, um am Drücker zu bleiben. Insofern ist der aktuelle Schritt nachvollziehbar. Und dass sie als ehemals doch recht linientreue Aktivistin des ersten und einzigen per Dekret antifaschistischen Staates eine interessante Wendung hinter sich hat, unterstreicht doch nur, wie viel ihr persönliche Integrität der Kabinettsmitglieder wert ist. Was ich selber denk’ und tu’…
Haha! Danke für diese Analyse! Treffend auf den Punkt gebracht.
@Agent Fishgang: Selbstverständlich meine ich das Verteidigungsministerium. Mea maxima culpa!
[...] als er sie fragte, ob Wolfgang Schäuble wirklich als Finanzminister geeignet wäre. Ich berichtete. Nun hat der Blog “Zu Blog geschlagene Sprache” ein Interview mit Savelberg [...]