Eigentlich müsste man dazu nicht mehr sagen.
Ich tue es dennoch: Ich werde nicht zu einem KiK-Boykott aufrufen. Jeder muss selbst entscheiden, was er mit den Informationen anfängt. Doch es geht mir nahe, so etwas zu sehen und zu wissen, dass die Verantwortlichkeit dafür in unserem Lebensstil hier drüben liegt. Ich weiß noch nicht, was ich mit diesen Informationen anfangen soll.
In jedem Fall danke ich Christoph Lütgert für diese Reportage und seinen Mut.
via: weiß ich nicht mehr. Es gab mehrere Stellen, von denen ich den Beitrag empfohlen bekommen habe.

Zunächst vielen Dank dafür, dass du nicht zu einem KiK-Boykott aufrufst!
Es ist natürlich traurig, unter welchen Umständen diese Arbeiter in Bangladesch für die so genannte westliche Welt Kleidung herstellen. Die großen Fragen lauten unter dem Eindruck dieser Reportage: 1. Wie kommt es dazu? und 2. Wie kann man die Ursachen beseitigen?
Die erste Frage lässt sich relativ kurz beantworten, bei der zweiten jedoch gibt es einige Schwierigkeit. Sicherlich könnte ein deutsches Gericht nicht ohne Weiteres für bessere Arbeitsbedingungen in einem fremden Land sorgen – das sollte jedem klar sein. Selbst wenn dies möglich wäre, würde eine Forderung nach höheren Gehältern vermutlich nicht das ursprüngliche Problem beseitigen, das meiner Meinung nach durch in der großen Armut dieser Länder besteht. In der Reportage wird es kurz erwähnt: Die Arbeiter brauchen das Geld für ihre Familien, bessere (naheliegende) Alternativen scheinen sie offenbar nicht zu kennen. Ähnlich ist es mit den Angestellten in Deutschland: Da sie auf Grund der niedrigen Qualifikationsanforderungen austauschbar sind, sind sie gezwungen, praktisch jeden Preis (der über dem praktisch denkbaren Minimum liegt) zu akzeptieren. Will man die Arbeitsbedingungen verbessern, sollte man sich darüber Gedanken machen, wie (d.h. mit welcher Methode und mit welchem Ziel) diese Rahmenbedingungen verändert werden können.
Mich stört an solchen Reportagen der, wie ich ihn nenne, “Stern-Stil”; vor jeder belastbaren Information werden Einzelschicksale gezeigt, die den Rezipienten emotional ansprechen sollen. Ebenso werden bewusst Inhalte miteinander verknüpft, deren Zusammenhang mindestens fragwürdig ist. Ähnlich ist es mit den Befragungen; natürlich wird der Chef nicht auf dem Weg zum Fahrstuhl ein verwendbares Interview geben, natürlich ist KiK nicht an einer Reportage interessiert, die sich ganz klar gegen KiK ausrichtet (also übrigens fernab von Neutralität ist).
Um den Sprung von der unterhaltenden Reportage zur aussagekräftigen zu schaffen, sollte man meiner Auffassung nach einen anderen Weg wählen.