Bei Spreeblick gibt es ein sehr gutes Interview mit Eleanor Saitta, einer amerikanischen Künstlerin und Hackerin. Interviewer Simon Columbus spricht mit ihr über Überwachung der Menschen. Dabei geht es nicht nur um staatliche Überwachung, sondern auch privatwirtschaftliche. Ich kann euch das Interview nur empfehlen. Es ist als Video und (deutsches) Transkript verfügbar.1
[...] je weiter du weg bist vom Typus des reichen, weißen, männlichen Managers, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass eine gewisse Form der Überwachung dir zu Gute kommt.
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Wenn du also in einer dieser Kategorien bist, die von der Polizei häufig verdächtigt werden, etwas anzustellen – in Deutschland etwa, wenn du arm und Türkisch bist… Dieses Profiling passiert. Die Kamera macht den Raum nicht freundlicher, sie macht ihn abweisender. Sie ist wie ein sichtbarer, massiver Beweis für die Argwohn der Gesellschaft gegenüber deiner Anwesenheit an diesem Ort.
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Und ich denke, die Leute haben vielleicht endlich realisiert, das nichts davon uns sicherer gemacht hat und nichts davon irgendeinen dieser Effekte hatte, es hat nur den Grad der sozialen Isolation erhöht und diese Feindseligkeit verstärkt. Es hat überhaupt nicht geholfen.
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[...] damit Leute verstehen: ‘O.k., wenn ich morgens aufstehe und zur Arbeit gehe, dann haben beim Betreten des Büros 20 verschiedene Unternehmen und sechs Regierungsbehörden Daten über mich aufgezeichnet.
Ich frage mich dagegen, woher die Beweise und Studien stammen, die nahelegen, dass Überwachung nicht funktioniert. Ich bin, das wisst ihr, absoluter Überwachungsgegner, aber man sollte sich dort schon auf korrekte Daten stützen können. Grundsätzlich erscheint mir der Gedanke, dass Kameraüberwachung auf öffentlichen Plätzen das Sicherheitsrisiko senken, nicht völlig unplausibel. Wenn es tatsächlich Beweise dagegen gibt (und sich nicht nur auf Annahmen und Einzelerlebnisse stützt), hätte ich sie gern in der Hand (u.a. um sie selbst anführen zu können).
- Welches ich beides nicht direkt zur Verfügung stelle, da es sonst vollständiger Content-Klau wäre.
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Ich kann nur empfehlen, sie mal auf Twitter auf die Quellen anzusprechen.
Das ist vielleicht wirklich eine gute Idee, danke für den Hinweis.
Verdammte weiße Manager! Am schlimmsten sind ihre Giftzähne und wenn man ihnen bei Vollmond begegnet.
Danke für die nette Satire!
Aber es geht hier, denke ich, weniger um Hetze gegen weiße Manager, sondern eher um eine Interpretation von Statistiken. Es wird ja nicht gesagt (und, wie ich schätze, auch nicht impliziert), dass weiße Manager das verschwörungstheoretisch so einrichten. Sondern es geht um den Fakt, dass man seltener von Überwachung profitiert, wenn man nicht diesem Typus entspricht. Das kann ja verschiedene Implikationen haben.
(Nur als Vorschlag, dass es nicht von den Managern kommt: Es kann ja auch heißen, dass weiße Manager von Politikern o.ä. einfach als vertrauenswürdiger eingestuft werden. Da kann ja der Manager nix dazu und das würde man ihm prima facie auch nicht anlasten.)
Mich stört diese total oberflächliche Einstufung von Managern. Erstens ist mir nicht klar, wer hier alles als “Manager” gilt und zweitens, wie denn alle (weißen^^) Manager von der Überwachung profitieren würden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Controlling-Manager bei BMW morgens bei einer Tasse Kaffee studiert, welche Personen wann an diesem Morgen den Berliner Alexanderplatz betreten haben. So einfach kommt man dann sicherlich auch nicht an entsprechende Daten – zumindest nicht in Deutschland. Auch zweifele ich es an, dass die “soziale Isolation” durch die Überwachung zugenommen hat. Wie wird das gemessen und in Zusammenhang gebracht? Kann man so etwas überhaupt sinnvoll messen?
Der nächste Punkt sind dann die Nachweise darüber, ob die Sicherheit auf diesen öffentlichen Plätzen tatsächlich nicht verbessert wurde; das wurde von dir bereits angesprochen.
Was sind eigentlich die offiziellen Ziele/Begründungen der öffentlichen Kamera-Überwachung? Und warum nennt man eigentlich gleich Überwachung?
Es geht wirklich nicht darum, ob der BMW-Manager morgens die Daten anderer kontrolliert. Vielmehr darum, dass er eher von der Überwachung profitiert – dass z.B. überprüft wird, wer ins BMW-Gebäude reinkommt und wer nicht. Da hat er einen Sicherheitsvorteil von. Das heißt auch nicht, dass er an Überwachung Schuld wäre, sondern einfach, dass er Vorteile davon hat.
Und sicher geht es auch nicht darum, dass alle weißen Manager profitieren. Sondern vielmehr, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man profitiert, je näher man dem Profil des weißen Managers kommt.
Man darf zurecht aber fragen, wer oder was als Manager gilt.
Es gibt zwei Gründe für schwammige Etikettierungen: die eigene Position ist nicht ganz klar oder es wird ideologisch argumentiert. Dann sind “die Sozialschmarotzer”, “die Terroristen” oder eben “die Manager” gemeint. Dass mit Manager aber auch ein 53-jähriger mit mäßiger Ausbildung, der bei Mutti wohnt und über Umwege an diesen Job da, wo er so einer kleinen Provinzklitsche die Abrechnungen macht, gelangt ist, gemeint ist, muss ausgeblendet werden. Der Manager macht im Jahr ein Heidengeld, weil er immer weiß, wer wann wo warum ist – um es mal auf die Grundcharakteristika zu reduzieren.
Im Übrigen fällt mir bei Deinem ersten Post dieses Lied von Borat ein, das er in Texas in einer Kneipe gesungen hat. “…you must be careful of his teeth. They take everybody money and never give it back.” Die Erfolgsformel lautet: schätze Dein Publikum ein und präsentiere ihnen ihre Klischees als weithin bekannte und akzeptierte Tatsachen und Wahrheiten, damit sie applaudieren.
Bleiben wir mal bei der Frage der privaten Überwachung. Angenommen, ein Manager von BMW hat tatsächlich Zugriff auf diese Daten und er nutzt sie eventuell auch. Wird das kritisiert? Und wenn ja, warum? Warum sollte dieser keinen Sicherheitsvorteil besitzen dürfen?
Was ist genau mit sozialer Isolation gemeint und ist sie in diesem Fall betroffen?
Ich kritisiere u.a. deshalb die Verwendung des Begriffs “weißer Manager”, da ich ein sehr unklares stereotypes Feindbild vermute. Warum wurde eigentlich Wert darauf gelegt, die weißen Manager zu nennen? Nutzen andersfarbige Manager diese Informationsquelle nicht? Nutzen Manager überhaupt wesentlich diese Informationen – wenn ja, wofür?
Mir scheint immer noch das Missverständnis vorzuliegen, dass du “Vorteil” mit “Datenzugriff und -nutzung” gleichsetzt. Das ist hier nicht gemeint. (!) Es ist völlig irrelevant, ob der Manager von den Daten selbst weiß oder Zugriff darauf hat. Es geht lediglich darum, dass irgendjemand überwacht und der Manager hat den Vorteil, dass andere zu seinen Sicherheitszwecken überwacht werden.
Und m.E. geht es auch nicht um ein stereotypes Feindbild, sondern um die Tatsache, dass man, wenn man weiß ist, eine höhere Wahrscheinlichkeit hat, von Überwachung zu profitieren. Das halte ich insofern prima facie für plausibel, da die Führungsetagen von Konzernen oder Regierungsmitglieder in den Industrienationen häufiger mit weißen männlichen Personen besetzt sind (diese profitieren von Überwachung).
Zusätzlich sind Manager seltener Benachteiligte von Überwachung. Daher spielen hier beide Aspekte zusammen. Es ist lediglich eine Statistikauswertung. Die Statistiken wollte ich ja erfragen, hab’ das bisher aber verplant…Davon hängt selbstverständlich eine Menge ab!
Seit wann funktioniert html-Code eigentlich nicht mehr? Kann man BB-Code verwenden?
html sollte eigentlich funktionieren. Falls du etwas fett schreiben möchtest, nutze den Tag < *strong*> (ohne Sternchen). Kursiv geht mit dem Tag “em”. Vielleicht sollte ich mal hier unten aufführen, welche Tags wofür stehen…