Viel habe ich gelesen zur Problematik Helene Hegemann, der nach der Veröffentlichung ihres Romans “Axolotl Roadkill” Plagiatvorwürfe gemacht wurden. Viele Meinungen von “Tötet sie, sie kann doch nicht selbst schreiben und möchte uns alle täuschen!” bis “So what? Das ist eine junge Künstlerin, die gern kopiert. Das macht man heute so.”.
Nach langer Zeit hat Hegemann nun in der Zeit selbst Stellung genommen und es ist bezichnend, dass sie differenzierter und – für mich – intelligenter schreibt als so mancher Redakteur. Die Zeit-Kommentatoren gehen nicht wirklich fair mit ihr um. Mir scheints, dass unter ihnen auch viele sind, die Hegemann nicht wirklich verstehen und wieder in Schubladen einordnen wollen – genau das, was sie kritisiert.
Nur das Buch habe ich noch nicht gelesen. Vielleicht wirds mal Zeit.

Diese ganze Diskussion ist nur möglich, weil die absurde Idee eines geistigen Eigentums aufgekommen ist. Auch bedingt durch die kapitalistische Wirtschaftsordnung konnte sich so der Irrglaube durchsetzen, jemand hätte ein exklusives Recht auf seine Gedanken. DERRIDA meint dazu sehr treffend in “signature evenement contexte”, dass es ein Original schließlich nur mit wenigstens einer Kopie gäbe. Davor ist es etwas, aber eben nichts Originales. Die Kontroverse um Hegemann ist m. E. insofern trotz allen literaturtheoretischen Brimboriums ein plumper Streit um Geld. Airen will wohl eher Kohle sehen für das, was er nicht so recht an den Mann bringen konnte, will sein Stückchen vom Kuchen abhaben. Das Zitat als Zeichen schafft jedoch einen neuen Kontext, der nicht beherrschbar und immer wieder neue Kontexte zu erzeugen in der Lage ist.
Ich halte diesen Streit um Geld für dämlich. Hat jeder Autor ein “Patent” auf jeden einzelnen Satz in seinem Buch? Dann wären in Bücher eingebaute Literaturzitate (die aber nicht als solche gekennzeichnet sind, sondern nur für Kenner erkennbar!) passé.
Ich finde die Diskussion sehr merkwürdig. Laut ihrer Aussage handelt es sich um zusammengenommen ca. eine Buchseite, die nicht von ihr stammt. Man könnte darüber streiten, ob das viel oder wenig ist oder ab wann ein Plagiat vorliegt. Ihre gesamte Stellungnahme habe ich jedenfalls auf Grund des Umfangs nicht gelesen, finde aber ihre zum Teil distanzierte Argumentation interessant.
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@Agent:
Zwar ist es begrifflich sicherlich richtig, dass man nur dann von einem “Original” sprechen kann, wenn eine Kopie vorliegt, inhaltlich ist aber etwas anderes gemeint. Das ist dir bestimmt klar; wollte es nur erwähnen.
Die These, dass geistiges Eigentum im Grunde unsinnig ist, finde ich sehr interessant und führt mich zurück zu obiger Frage, ab wann eine Schrift nicht mehr als Original gewertet werden kann.