Gegen den Strom

Die Bundestagsfraktion der Grünen hat eine Studie veröffentlicht, die nahelegt, dass die Stromkonzerne im Jahr 2010 rund eine Milliarde Euro “zu viel in Rechnung stellen”. Bei dieser Formulierung handelt es sich um ein Hilfsmittel, um auszudrücken, dass die Beschaffungskosten für die Anbieter in letzter Zeit um bis zu 30 bis 40 Prozent gesunken sind, der Verbraucher aber mit einer Erhöhung um bis zu sieben Prozent zur Kasse gebeten wurde.

Begründet wird diese Erhöhung seitens des BDEW (Bundesverband der Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft) mit den steigenden Umlagen für erneuerbare Energien und damit, dass einige Anbieter ihren Strom bis zu drei Jahre im Voraus einkaufen. 2009 lautete die Aussage laut AFP noch, dass die Erhöhungen mit Vorauseinkäufen von ca. ein bis zwei Jahren zu erklären seien. Für Ende 2009 wurden Preisnachlässe für Endkunden erwartet – war aber nix! Man datiert den Einkaufspreis des Stroms scheinbar immer weiter zurück, oder wie darf ich das verstehen?

Jetzt rechnet man aber weiterhin auch für 2011 mit weiteren Preissteigerungen. Diese erklärt man wiederum mit den steigenden Umlagen für erneuerbare Energien.

Wichtig ist, bei einem Energiekonzern-Bashing Unfairness zu vermeiden. Es kann tatsächlich sein, dass die Umlagen so steigen, dass sie Preissenkungen im Einkauf überwiegen. Und ungesundes Preisdumping sollte man von Energiekonzernen auch nicht erwarten. Spannend wird auch die Frage der Inflation, wenn man innerhalb der letzten 10 Jahre von einem Preisanstieg von 66 Prozent spricht (2000: 40,66 Euro, 2010: 67,60 Euro).

Dennoch muss man sich hier fragen: Ist es gerechtfertig, die Strompreise kontinuierlich zu erhöhen? Sind die Energiekonzerne “gierig”, in dem Sinne, dass sie ihre Position ausnutzen, um dem Kunden Preise zu diktieren, die dieser nicht ablehnen kann, da er auf Energie angewiesen ist? Gibt es andere Lösungen?

Man muss bei der Beantwortung dieser Fragen die Komplexität der Faktoren mit einbeziehen, u.a. betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche, soziale, ökologische, politische und auch persönliche (die aber wohl noch am wenigsten). Man sollte zum Beispiel beachten, dass die Studie, die die Kritik übt, von der Bundestagsfraktion der Grünen durchgeführt worden ist. An der Neutralität darf also gezweifelt werden, da hier politische und ideologische Faktoren eine größere Rolle als nötig spielen könnten (gleichwohl kann es auch eine gute, neutrale Studie sein).

Ich mag mir kein abschließendes Urteil bilden, doch es kann kein Zustand sein, wenn Energiepreise ohne Unterlass steigen, wobei die Stromkonzerne Milliardengewinne machen.

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1 comment


  1. Akim

    Nur ganz kurz: Anbieter von Strom gibt es nur sehr wenige und die Kunden benötigen ihn unbedingt, d.h. können mittelfristig nicht auf andere gleichwertige Dinge ausweichen. Daher gibt es einen sehr hohen Anreiz für die Energiekonzerne, untereinander Preise auszuhandeln, die von ihnen nicht unterschritten werden. Auf diese Weise jedenfalls wäre ein deutlich höherer und immer noch sicherer Gewinn möglich.
    Ob dieser Anreiz auch erfüllt wird, müsste meines Wissens in erster Linie von der Kartellbehörde überprüft werden – allerdings ist der juristische Nachweis nur sehr schwierig.

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