Felix von wirres.net beschäftigt sich auch mit dem Problem der Präsidentensuche. Er hält, wie scheinbar viele andere in der Blogosphäre, Joachim Gauck für den besseren Präsidentschaftskandidaten. Es gibt schon eine Online-Petition, die versuchen will, Gauck direkt ins Amt zu hieven. Gleichzeitig ist unter wir-für-gauck eine Internetadresse eingerichtet, auf der man sich für ihn aussprechen kann. (Interessanterweise könnte man dort auch eine Diskussion um ihn anzetteln, wozu ich jetzt zwar nicht aufrufen möchte, aber mir scheint das immer noch geboten. Es sollte keine unreflektierte Hype-Stimmung um Gauck entstehen. Gleichwohl sympathisiere ich auch mit ihm, im Gegensatz zu Christian Wulff.)
PS: Eine weitere Internetpräsenz, erstellt von Matthias Richel. www.mein-praesident.de

Schöne Petition, aber aus praktischer Sicht völliger Blödsinn. Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt. Und die besteht zu einem gehörigen Teil aus zombieeskem Stimmvieh, herangekarrt aus allen Winkeln des Landes und des Showgeschäfts. Da werden Realität und politischer Sinn des Bundespräsidenten auf das Pässlichste reduziert, damit auch prominenten Boxer klar wird, warum sie denn jetzt eigentlich schon immer XY von der Z-Partei wählen wollten. Letztlich wird der Kandidat mit den meisten Sympathisanten aus den Länderparlamenten gewählt und da sieht es für Gauck wohl nicht besonders gut aus.
Mit Wulff allerdings können wir uns schon mal auf neue Initiativen zur Kameraüberwachung auf öffentlichen Plätzen einstellen. Was hat schließlich zu verbergen, wer sich dagegen sträubt? Bestimmt ganz schröckliche international-links-rechts-muselmann-klimahassende-wohlstandzerstörende Terrorangriffe auf die christlich-abendländische Kultur.
Viel eher sollte, wer den Bundespräsidenten wählen will, sich entweder den Parteien andienen oder für eine Direktwahl politisch arbeiten.
Völlig richtig, ich sehe in einer Petition auch keine Möglichkeit, jemanden politisch wirksam als Bundespräsident einzusetzen. Dennoch kann es eine Perspektive sein, so den Willen eines Teils des Volkes kund zu tun. Sicher dürfen wir anzweifeln, dass es einen tatsächlichen Effekt hat, da wir das Schicksal vieler Petitionen kennen. Doch ich finde es durchaus spannend und erwähnenswert.
Gaucks Position halte ich unterdessen nicht für so aussichtslos, wie du sie darstellst. Die Bundesversammlung mag aus viel Stimmvieh bestehen, doch zumindest einige Chancen bestehen, dass CDU- oder FDP-Leute unerwarteterweise ausbrechen. Vielleicht gibt’s ja einen neuen Simonis-Ypsilanti-Supergau? Auch die CDU muss gegen solche Vorfälle nicht immun sein. Wir nennen es dann den Wulff-Case, oder so.