Ein bemerkenswerter Umstand ist eingetreten: Die Finanzämter einiger Länder können eine Gesetzesänderung, die fast zwei Jahre rückliegt, immer noch nicht anwenden. Problematisch ist ein Gesetz, das Personengesellschaften den Spitzensteuersatz von 45% ersparen soll – für Gewinne, die im Unternehmen bleiben. Sollten die Gewinne später anderweitig verwandt werden, werden erneut Steuern fällig.
Diese Regelung konnte von einigen Ländern noch nicht umgesetz werden, da es Probleme bei der Software-Entwicklung gibt. Das führt dazu, dass in NRW viele Anträge einfach liegen bleiben und in Niedersachsen offen dazu aufgefordert wird, Einspruch gegen den just erstellten Bescheid zu erheben und die Steuern erstmal selbst auszurechnen. Erst wenn man das Software-Problemchen gelöst hat, so schätze ich, wird dann der richtige Steuersatz berechnet.
FAZ.net | Das Steuerrecht überfordert die Finanzämter
Und da sag’ noch einer, unser Steuersystem sei nicht überladen und konfus. Sicher: ein komplexes Thema muss auch komplex behandelt werden – und die Verschiedenheit der personellen Situationen in der Gesellschaft ist groß! So muss man auch ein wenig Flexibilität im Steuerrecht haben. Doch irgendwie kann es nicht sein, dass die Software-Entwickler nicht mal mehr wissen, wie sie die kompliziert verflochtenen Regeln umsetzen. Wenn die Finanzämter kein geltendes Recht anwenden können und dadurch die Bürger/Unternehmen auf Rückzahlungen oder überhaupt die Berechnung unverhältnismäßig lange warten müssen, schreit das nach einer Vereinfachung des Steuersystems! Was sich die neue Bundesregierung dazu einfallen lässt, bleibt abzuwarten. Zumindest angekündigt hat sie eine Vereinfachung. Aber noch bin ich nicht sicher, ob sich die Parteien an Wahlkampfparolen oder dem Koalitionsvertrag orientieren. Es wäre ja nichts Neues, wenn nicht.

Tjoa… ich warte übrigens noch auf meinen Einkommenssteuerbeleg von 2008, weil die Mitarbeiter zweier Finanzämter sich nicht über Zuständigkeiten einigen können.
Solange das Steuersystem sozial ungerecht ist, muss es konfus sein. Stell Dir mal vor, der Verkäuferin im Discounter würde transparent gemacht, dass sie de facto mehr Steuern zahlt als mancher Großkonzern.
Na klar, eine Einzelhandelskauffrau zahlt mehr Steuern als ein Großkonzern. Das ist ganz bestimmt wahr!
Aber im Ernst; warum bezeichnest du das Steuersystem als sozial ungerecht? Was ist deiner Meinung nach das Problem?
@Akim
Ich sage: “… als mancher Großkonzern”. Und das ist wahr – wenn Du Subventionen etc. gegenrechnest.
Ich bezeichne das Steuersystem u.a. als sozial ungerecht, weil Ausnahmetatbestände, Schlupflöcher etc. dazu führen, dass die Begüterteren meist nicht das zahlen, was sie nominell berappen müssten. Dann erhöht man die MWSt…
Bitte gib mir ein nachweisbares Beispiel von so einem Großkonzern. Ich gehe davon aus, dass das die absolute Ausnahme ist und praktisch nicht vorkommt.
Schlupflöcher u.Ä. gibt es ohne Frage; und es ist ein Problem! Wieviel dies in absoluten Größen ausmacht, lässt sich leider schwer ermitteln, ist aber bei deinem Vorwurf allerdings wesentlich.
Die Mehrwertsteuer wird übrigens nicht nur von den “gewöhnlichen” Bürgern getragen, die in Deutschland ja so unheimlich schwer leiden müssen, sondern ebenso von den Unternehmen (die klassische Ökonomik sagt sogar: zu gleichen Teilen).
Was mich noch interessiert: Du schreibst, die “Begüterten meist nicht das zahlen, was sie nominell berappen müssten.”
Ist “meist” in diesem Zusammenhang wortwörtlich gemeint oder nur ein Füllwort?
Nur ein Beispiel: http://web916.basicbox9.server-home.net/leseproben.php?page=3&show=5.
Das war mir ehrlich gesagt noch nicht bekannt. O.o
Vielen Dank für den Link! Sobald ich darüber nachgedacht habe, schreibe ich etwas dazu.
Es ist, glaube ich, den meisten Menschen nicht bekannt. Mir war es auch lange nicht bekannt. Und wo habe ich’s das erste Mal gehört? Im Kabarett, rein zufällig! Das sagt doch viel. Immerhin handelt es sich ja nicht um eine unwichtige Info…