Wer mir bei Twitter folgt, wird es gelesen habe, dass ich heute eine Amazon-Lieferung bekommen habe. Mal wieder gut gelaufen, schön schnell. In der Lieferung waren zwei DVDs, die ich mir mal gönnen musste:
Baraka
“Baraka” ist ein Film von Ron Fricke, der grandiose Natur- und Kulturbilder nicht nur zeigt, sondern sie gegenüber stellt. Der Film kommt komplett ohne Dialoge aus und entwickelt dadurch eine völlig eigene Spannung. Diese entsteht auch aus der Neugier des Zuschauers: Welche Region dieser Erde mag als nächstes gezeigt werden? Welches Naturereignis? Welche Kulturform?
Nicht nur die Bilder sind beeindruckend, auch die Musik kommt überwältigend daher. Schwebende und druckvolle Klangflächen, treibende Rhythmen, großartige Klangqualität. Sie untermalt die Bilder in Perfektion. Komponiert und realisiert wurde sie von Michael Stearns und den nicht unbekannten “Dead Can Dance”.
Das Wort “Baraka” kommt laut Wikipedia aus dem islamischen Glauben und bezeichnet eine meist an einen Ort oder eine Person gebundene Segenskraft. Der DVD-Info zufolge wäre eine treffende Übersetzung “Atem des Lebens”.
Anatevka
“Anatevka” beschäftigt sich mit der Situation der Juden in der Sowjetunion, damals noch Zarenreich, ein paar Jahre vor dem und während des ersten Weltkriegs. Namensgebend ist das Dorf Anatevka, in dem die Handlung spielt. Der Film verbindet ein paar komische Elemente, ist im ganzen aber eher dramatisch und ernst. Er thematisiert Alltagsprobleme, generationengebundenen Wertewechsel und politische Problematiken in einem. Überraschend ist, dass er u.a. wegen der komischen Elemente dabei nie pathetisch oder anstrengend wird, sondern in einer ernsthaften Stimmung viel vom Pragmatismus eines Alltagsmenschen zeigt, der versucht seine Ideale halbwegs zu vertreten und den Anforderungen anderer – ihm wichtiger Menschen – gerecht zu werden.
Auch hier ist die Musik wichtig, die grandios die Bilder und die Handlung untermalt. Das Markenzeichen ist der “Fiedler auf dem Dach” (der Originaltitel lautet auch “Fiddler on the roof”), der ein jüdisches Symbol für Tradition und Fröhlichkeit ist – beides Werte, die es den Juden traditionsgemäß ermöglichen, trotz aller Schwierigkeiten, mehr oder weniger optimistisch zu leben. Vorlage für den Film war denn auch ein Musical, das 1964 in den USA uraufgeführt wurde. Das Musical kam über den Teich und der Hauptdarsteller in der Londoner Fassung (Chaim Topol) spielte ebenfalls die Hauptrolle im Film.
Der Film wurde 1971 mit den Oscars für beste Kamera, beste Filmmusik und bester Ton ausgezeichnet. In 5 anderen Kategorien wie “bester Film”, “bester Hauptdarsteller” oder “beste Regie” wurde er ebenfalls nominiert. Ein Klassiker also, den es sich lohnt zu kennen. Allerdings sollte man sich etwas Zeit nehmen – erstens ist die Spielzeit mit rund drei Stunden nicht unbedingt kurz. Zweitens könnte es sein, dass man danach zum Denken oder zu Gesprächen mit Mitmenschen angeregt wird, wenn man ihn nicht allein schaut.
Ich habe beide Filme schon gesehen, aber brauchte sie unbedingt noch einmal auf DVD. Im übrigen danke ich der Person, die mich mit beiden Filmen bekannt gemacht hat sehr. (Falls sie das liest, weiß sie, dass sie gemeint ist.)
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