Vor einiger Zeit hörte ich schon einmal etwas zum Thema “Extended Mind”1 oder “Extended Cognition” und es faszinierte mich. Nun habe ich mir einen zweiten Vortrag dazu angehört, der ein paar Probleme und Fragen zu der These oder dem Theorie-Ansatz schilderte – und es fasziniert mich jetzt noch mehr.
Nun, was ist die Grundidee? Man versuchte, neu an das Thema “Geist” oder Kognition heranzugehen. Man fragte, was eigentlich zu “mind”2 dazugehört. Man fragte sich, ob man Notizzettel nicht z.B. auch zum Gedächtnis zählen kann, wenn Menschen unter Amnesie leiden. Sie nutzen diese, um sich überhaupt an etwas zu erinnern und damit nehmen diese die gleiche Funktion ein wie ein “normales” Gedächtnis. Ja, es ist eine funktionalistische Theorie und wenn man funktionalistische Denkweisen in diesem Zusammenhang nicht akzeptiert, hat man Probleme mit ihr. Aber spannend ist es für mich allemal.
Wegweisend war ein Aufsatz von Andy Clark und Dave Chalmers von 1998, in dem sie eben jenes Beispiel mit dem Notizzettel zentral besprachen und die “Extended Mind”-These aufstellten. Sie nutzten dazu ein Gleichnis von Otto und einem Zwillings-Otto in einem Paralleluniversum. Der eine Otto hatte ein normales Gedächtnis, der Zwillings-Otto nicht. Wenn ihr wollt, könnt ihr das Paper hier downloaden. Mehr Paper von Andy Clark gibt’s hier.
Eine der spannendsten Konsequenzen dieser These ist für mich, was wir mit den neuen technischen Medien anfangen. Das Handy, der Computer, das Internet. Die These geht davon aus, dass Geist und Kognition nicht an den Körper gebunden ist, sondern sich kognitive Systeme bilden. Der Zwillings-Otto, wie ich ihn eben kurz angerissen habe, ist mit seinem Notizblock ein kognitives System. Gehört der Block zu ihm oder nicht? Die These bejaht diese Frage. Sie setzt einen “aktiven Externalismus” voraus, d.h. dass Prozesse, die wir Und damit könnte man das Internet in einer wohlwollenden Interpretation irgendwie auch als Erweiterung unseres kognitiven Systems auffassen, denn es lagert unser Wissen z.B. in Wikipedia aus oder es ermöglicht uns via Webcams andere Orte dieser Welt zu betrachten, die wir ohne das Internet nicht genau zu diesem Zeitpunkt betrachten könnten. Sehr Sci-Fi wird es dann, wenn wir das Internet in naher oder ferner Zukunft als allgegenwärtig betrachten und irgendwie alles zu unserem kognitiven System gehört, weil wir auf alles zugreifen können. Schon ein wenig beängstigend, denn dann sind wir gewissermaßen jetzt schon (und bald noch mehr) eine Art Cyborgs, wenn auch nicht im klassischen Verständnis.
- der Artikel führt echt gut ein [↩]
- ein sehr vieldeutiges Wort, was “Geist”, “Gedächtnis”, “Gedanke” und vieles mehr heißen kann. Daher spricht man neuerdings eher von “Extended Cognition”. [↩]

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