Experten missachtet

Schon im Sommer hat die (alte) Bundesregierung eindrucksvoll bewiesen, wie man Expertenmeinungen schlicht ignorieren kann. Scheuklappentaktik. Damals ging es um das Zugangserschwerungsgesetz. Nun wurde ein Haushaltsplan für 2010 verabschiedet, der eine riesige Neuverschuldung inkl. einiger Steuergeschenke u.a. beinhaltet. Es geht um die Entlastung der Bürger, damit die oft kolportierte Konjunktur wieder in Gang kommt.

Dieser Artikel auf FAZ.net zeigt einige Probleme in den Einzelheiten auf, aber er spricht auch Strukturen an, die nicht direkt finanzielle Aspekte betreffen. Es wird richtig gesagt, dass Wirtschaft zu einem guten Teil Zukunftserwartung – Psychologie – darstellt. Und wenn die Menschen schon allein Skepsis zeigen ob der großen Investitionen, der hohen Neuverschuldung und der Wirksamkeit dieser Maßnahmen – ist das dann sinnvoll?

Zudem werden Hinweise von Experten erneut in den Wind geschlagen:

Durch die desolate Lage in den öffentlichen Kassen lassen sie sich nicht beirren; und auch nicht von den anderslautenden Ratschlägen der Wirtschaftsweisen, den Bedenken des Bundesrechnungshofs oder der Skepsis in der Bevölkerung. Es scheint, als wolle die Koalition das Wirtschaftswachstum erzwingen, das Deutschland aus der Krise führt und ihr unpopuläre Entscheidungen erspart.

Kann man auf dieser Basis von einem Aufschwung ausgehen? Vergleichen wir es mit der Börse, die zu einem Teil so funktioniert, dass ein Analyst denkt, viele Leute könnten in nächster Zeit eine bestimmt Aktie (Fond etc.) kaufen wollen. Dann kauft er also, da er glaubt, dass der Preis steigt und er kann später Gewinne mitnehmen. Sollten also auch viele andere denken, dass Börsenteilnehmer in nächster Zeit viele dieser Aktien kaufen wollen, und sie kaufen auf Grund dieser Annahme die Aktien, steigt der Preis real. (Dass der Analyst einen direkten Einfluss nehmen kann, dadurch, dass er Kaufempfehlungen gibt, sollte einleuchten, soll aber nicht Thema sein.)

Nun ziehen wir also die Analogie zur Volkswirtschaft: Wenn die Leute nicht davon ausgehen, dass uns durch die Maßnahmen ein Aufschwung bevorsteht, werden sie sich auch zurückhalten in ihrem Investitions-/Kaufverhalten. Also wird es (vermutlich) keinen Aufschwung geben. Warum also glaubt man in der Bundesregierung, die Pläne seien dazu geeignet, ein Wirtschaftswachstum zu bewirken?

(An alle Volks- oder Betriebswirtschaftler: Mir ist bewusst, dass sich hier eventuell begriffliche Unsauberkeiten verstecken könnten, da ich nicht vom Fach bin. Kritisiert also bitte nur die gedanklichen Fehler. Danke.)

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