Erkenntnis und Liebe

Bei Gedankenpflug habe ich gerade folgendes Zitat von Christian Morgenstern gefunden:

Schließt denn Erkenntnis die Liebe aus?
Oder ist es nicht vielmehr so: je mehr Erkennen, desto mehr Liebe?

Matthias, der Autor bei Gedankenpflug, interpretiert den Spruch auf Menschen bezogen und die verschiedenen Stadien des Kennens. Jedoch verstehe ich den Spruch noch viel globaler als “nur” auf Menschen bezogen. Je mehr man von der Welt erkennt, desto mehr liebt man sie. Sie ist so genial und stimmig, funktionierend und passend, dass man kaum anders kann. Sobald man diese unglaubliche Einrichtung der Welt (meine Formulierung bezieht sich nicht zwingend auf etwas Göttliches, aber schließt es auch nicht aus) erkennt, fängt man an sie zu lieben. “Schlimme” Sachen wie Tode, Kriege oder sonstwas gehören ebenfalls dazu. Es ist eigentlich sogar eine Hassliebe, zumindest bei mir. Manchmal sage ich: Scheiß-Welt! Und im Grunde ist das genauso eine Pauschalisierung wie die Liebe, die sagt, alles wäre toll.

Wer mehr davon verstehen will, sollte sich auch mit dem Karma oder dem Buddhismus allgemein beschäftigen. Eine ähnliche Idee vom Umgang mit der Welt habe ich auch.

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Literatur & Philosophie , , ,

6 comments


  1. Akim

    Ablehnung.
    Die Welt ist nicht so schön und vollständig, wie sie uns in unserer Kindheit präsentiert wurde. Sicher gibt es verschiedene Ordnungsprinzipien und -institutionen, aber jegliche Idealisierung der Umwelt wirkt lächerlich in Anbetracht der Tatsachen, was jeder einmal bitter erfahren muss.
    Da die Traumvorstellung von der Welt dann nicht mehr greift, kehrt das Subjekt die Fakten seiner Wahrnehmung um und “zwingt” sich zur “Liebe” zur Welt – anders könnte es vermutlich nicht mit seiner Realität umgehen. Wir tun nicht das, was wir mögen – wir mögen das, was wir tun.

    Die Welt ist weder toll noch schlecht – sie ist einfach. Sie zu “lieben” ist in etwa das Gleiche, wie Gott dafür zu danken, dass es ihn gebe.

    Viele Grüße aus dem Land der “Pessimisten”! ;-)

  2. Akim

    Und noch etwas:
    Eine Liebe, die sagt, alles wäre toll, ist Selbstbetrug in reinster Form.

  3. Du sagst genau das, was ich auch sage, du nennst es nur anders.

    “Die Welt ist weder toll noch schlecht – sie ist einfach.”

    Gerade, dass sie einfach “ist” und nicht per se gut oder schlecht, sorgt dafür, dass man sie liebt. Liebe ist, zu akzeptieren, dass sie “ist” und nicht ideal ist. Es mag deine Interpretation sein, dass das Selbstbetrug wäre oder eine Art Zwang, damit man mit der Realität umgehen kann. Im Kern stimmt das alles. Dennoch bezeichne ich es als Liebe. Die Liebe zwängt sich nämlich sowieso auf und ist nicht immer durch uns bestimmt. (auch wenn sie einem gewissen Einfluss durch uns untersteht, ohne Frage)

  4. Pingback: Noch einmal Christian Morgenstern über Liebe und Erkennen. Oder: Die Ambivalenz der Welt - Buddhismus, Monotheismus und Betäubung (Religion, Party, Karriere, Psychopharmaka, Geist, Gott, Selbst, Hassliebe, Aphorismen im Dialog, Zitate, Religiosität) |

  5. Hallo Addliss, ich wollte Dich nur darauf hinweisen, dass ich hier noch einmal etwas ausführlicher auf Deinen wichtigen Beitrag (und Kommentar auf meinem Blog) zu antworten versucht habe. Schöne Grüße, Matthias

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