Bei Zeit Online habe ich einen sehr guten Artikel zum Thema Lesen und Analphabetismus gelesen. Es ist ein wenig mehr Text als bei sonstigen Online-Meldungen, aber darum geht es ja auch. Es ist Feuilleton und damit per se interessant für mich.
Es geht um die Tendenz unserer Gesellschaft, schneller bzw. weniger zu lesen oder es eben gar nicht mehr zu können.
Zeit Online | Analphabetismus – Ein Land verlernt das Lesen

Diese Tendenz bekommt man auch oder insbesondere als Blogger mit: Kurze Beiträge werden häufiger frequentiert als lange. Statistiken lügen nicht… Wobei man auch hierbei nicht pauschalisieren darf. Im Internet hat man sich als User an moeglichst viele, aber auch moeglichst kurze Informationen gewoehnt. Man beachte den Erfolg von Wikipedia gegenueber herkoemmlicher Nachschlagewerke. Bei “allgemeinem” Lesevergngen wuerde ich jedoch keine genaue Meinung vertreten wollen. Ich kenne es nämlich von mir selbst, dass ich in hasen lese, sprich: mal lese ich drei Buecher am Stueck, mal will ich 2 Monate keins sehen…
@Paramantus: Da magst du Recht haben – kurze Beiträge werden häufiger frequentiert als lange.
Das Phasenlesen kenne ich auch. Manchmal kommt es bei mir vor, doch eher selten. Ich habe dann doch meistens ein Buch (oder auch mehrere), die ich lese.
Ich provoziere gezielt mit folgenden explizit hypothetischen Denkansätzen:
1. Die Befähigung zum Lesen bedeutet längst keine soziale Aufwertung mehr. Inkonsistenterweise scheinen Illiteraten sozial abgewertet zu sein.
2. Die Kritik geht fälschlicherweise von dem veralteten Konzept aus, dass Lesen das Abarbeiten von Buchstaben sei. Lesen ist jedoch vielmehr die regelgeleitete (weil konventionalisierte) und sinnhafte Decodierung sprachlicher Zeichen und Informationen (de Saussure lässt grüßen).
Es läuft m. E. in dieser Diskussion also letztlich auf die Frage hinaus, welches die zu Grunde gelegten Konventionen sind und ob diese nach wie vor akzeptabel sein können. Sprachen und damit Orthographien sind nicht starr, sondern dynamisch. Sehr ergiebig sind hier insbesondere §§2-7 in Wilhelm von Humboldts “Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts”.
In diesem Kontext sollte sich jeder, und besonders die Vertreter der sog. Neuen Medien (i. e. Blogs, Twitter etc.), kritisch fragen: übernehme ich bei Personennamen auch einfach den Apostroph zur Genitivkonstruktion? Wenn ja, dann bitte an die eigene Nase fassen und sich erst einmal darüber klar werden, welche Konventionen denn bitteschön individuell als gültig erachtet werden.
Im Übrigen liegt der Erfolg der Wikipedia wohl eher in ihrer simplifizierten Verfügbarkeit für die Informationsgesellschaft begründet. Auch hier kann man lange Artikel finden. Neuerdings (?) kann man ironischerweise sogar den Buchservice nutzen und somit die behauptete Verknappung deutlich als Mär begreifen. Es ist zudem wohl die Struktur der Artikel, die das Wesentliche bereits in vier bis fünf Zeilen auflistet. Für einen Zeitungsbeitrag reicht das, selbstverständlich unter peinlichst genauer Berücksichtigung der journalistischen Grundsätze, als Recherche dann allemal. Die TITANIC hat hierzu einst eine amüsante und leider treffende Grafik erstellt (http://www.titanic-magazin.de/index.php?eID=tx_cms_showpic&file=uploads%2Ftx_rgwallpaper%2FInformationsgesellschaft-Hintergrund-4-3.jpg&width=1024&bodyTag=%3Cbody%20bgColor%3Dwhite%20leftmargin%3D%220%22%20topmargin%3D%220%22%20marginwidth%3D%220%22%20marginheight%3D%220%22%3E&md5=bbc1a0bd057068d6dd89787738c37161).
Sorry, falscher Link. Der Einfachheit halber besser “titanic, informationsgesellschaft” googeln.
Sorry auch von mir für die Darstellung der Links. Ich arbeite schon dran, finde aber die Einstellung dazu nicht. php ist leider kein Ponyhof!