Gestern Abend habe ich versucht, den Server so zum Laufen zu bekommen, wie ich das will. Wie ihr im vorigen Post sehen könnt: Erfolglos. Parallel frug mich Gilly, ob ich ihm bei einer Sache mit der Amazon Wunschliste helfen kann. Konnte ich, im Übrigen, aber erst nach einigen gescheiterten Versuchen. Zeitgleich redete mit meiner Freundin über ihre momentane Frustation bezüglich ihres Studienpensums (eine gefühlte 160 Std-Woche) und den mangelnden Erfolg. Ich las etwas über die Abwicklung von General Motors und über die Europawahl.
All das hatte etwas Deprimierendes. Das erinnerte mich zum einen an ein Spaß-Forum, in dem ich vor Jahren mit einem alten Kameraden den “Club der Deprimisten” ausrief. Ich meine, es war um das Jahr 2005, als wir – auch – anlässlich der handfesten Proteste einiger Jugendlicher in Pariser Vororten den Niedergang unserer Gesellschaft als solche prognostizierten. Die Wirtschaft würde den ständig steigenden Erwartungen nicht gerecht werden können und die Politik würde für wachsende Armut sowie Ausschluss immer größerer Gesellschaftsteile bestraft. Revolution! Natürlich war die ganze Sache nicht 100%ig ernst gemeint, doch wir beide waren uns zu sehr des wahren Kerns unserer Aussagen bewusst, was das Ganze nicht besser machte! Heute sehen wir ja einige Entwicklungen in diese Richtung.
Zum anderen erinnerte mich der Abend ein wenig an meine jüngeren Jahre (und das sage ICH, ja!
), in denen ich ein wenig zu (nicht krankhaften) Depressionen neigte. Die mag man nicht unbedingt immer nach außen mitbekommen haben. Auch bin ich davon heute weit entfernt und viele haben mich schon gefragt: Warum?
Es gibt viele Antworten darauf, ich werde auf zwei eingehen:
Nun, eine Antwort ist ganz einfach. Es ist die gleiche, warum wir in der Wirtschaft und anderen Feldern nicht aufgeben: Weil ich (wir) sonst nicht handlungsfähig wäre(n)! Kann man sinnvoll handeln, wenn man nicht an eine Zukunft glaubt? Die Antwort kann jeder selbst geben. Mein Rezept ist häufig auch eine gehörige Prise Sarkasmus, aber doch bin ich optimistisch. Weil es nicht anders geht. Warum soll ich mir die Laune verderben lassen? Ich lebe lieber mit guter Laune und mit einigen Enttäuschungen, als als Miesepeter durch die Gegend zu laufen. Ich denke, bei Pessimisten spielen die selbsterfüllenden Prophezeihungen ebenfalls eine große Rolle. Ich bin kein Über-Optimist, der nur das Beste erwartet. Ich würde mich als optimistischen Realist einstufen.
Antwort Nr. zwei, warum ich kein Deprimist mehr bin bzw. nie richtig war, ist ebenso einfach: Diese Welt ist schön! Heute Abend, sehr spät, erinnerte mich mal wieder eins daran: Musik!
Der Vogelmann spielte in seinem LIGHTWORKS-Set vom Mai 2009 einen von mir schon seit Monaten geliebten Track. Beim Vogelmann im Original, hier ein Ausschnitt aus dem David Horne Remix:
Sehr passend dazu auch ein Titel vom recht unbekannten Yamin, der die liebliche Marcie featured:
Wir können nicht zurück, es muss vorwärts gehen!
Schließlich noch ein Tipp von mir an alle von euch, die Oceanlab noch nicht kennen:
Bezüglich Musik zitiere ich gern Henry David Thoureau:
When I hear music I fear no danger, I am invulnerable, I see no foe. I am related to the earliest times and to the latest.
Und so ist es. Musik macht mir Mut und beruhigt mich. Sie sagt mir das, was eine gute Freundin gern zu konstatieren pflegt: “Alles wird gut.” Sei es ein mich selbst Belügen, das mache ich nicht oft, aber hier ist es zu einem gewissen Grad hilfreich. Soll jeder selbst entscheiden, ob er das so handhaben möchte.
Weiterhin höre man auf den Text meines letzten Tipps:
Don’t they know that there’s something going on
What they’re harming with their indecision
But who will be left standing when I’m gone?
There’ll be nothing left but a vision
Indecision, Untentschlossenheit, ist manchmal sehr schädlich. Wir müssen Initiative ergreifen und einige Dinge in die Hand nehmen. (Aber wir müssen auch Dinge akzeptieren lernen, andere Dinge.)
Don’t they know there’s something they can do
To be sure of tomorrow’s tomorrow
And too late – it’s too late for me and you
No more time left for you to borrow
Wir können etwas tun, zumindest etwas. Daher: Lasst uns optimistisch sein und nicht gleich alles hinschmeißen. Das ist für mich eine der Aussagen dieses Liedes.
Das sind für mich Gründe, warum ich kein Deprimist bin. Ich bin dafür, dass wir die Dinge in die Hand nehmen – jeder für sich und alle zusammen.

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