Buch: Demian (Hermann Hesse)

Eigentlich wollte ich ja Frank Schätzings “Der Schwarm” lesen bzw. das Büchlein “Die Philosophie als strenge Wissenschaft” von Edmund Husserl. Allerdings fiel mir doch kurz darauf ein Buch aus meiner vor einem Jahr erworbenen kleinen Sammlung von Hermann-Hesse-Büchern in die Hand. “Siddharta” und “Peter Camenzind” hatten mir recht gut gefallen. Ersteres etwas besser als zweiteres. Außerdem hatte ich schon vor knappen 3 Jahren einige andere kurze Publikationen durch eine Freundin kennen lernen dürfen.

Ich bin immer noch bei Husserls Kurzpublikation, hoffe, dass ich in den nächsten Tagen die Muße dazu finde. Ansonsten im heute gebuchten Spanien-Urlaub. :D

Achtung: Spoiler! (Dürfte aber nicht so schlimm sein)

Hesses “Demian” habe ich vor genau einer Woche ausgelesen und fand es nett. Aber mehr auch nicht. Erzählerisch und sprachlich ist es auf Hesses hohem Niveau und überzeugt durch poetische Formulierungen sowie markante, prägnante, in Ansätzen feierliche Sprache, die jedoch nicht zu viel Pathos versprüht, sondern trotzdem recht einfach wirkt. Leider teile ich nicht die im Text angesprochenen Vorstellungen von Ewigkeit oder Schicksal. Häufig sprechen der Erzähler bzw. die Hauptfigur Sinclair und sein Schulfreund Max Demian davon, dass “nichts ohne Grund” geschehe, dass alles einen Sinn hätte. Das Schicksal sehe vor, dass man etwas immer aus einem bestimmten Grund erlebt. Diese Vorstellung teile ich nicht.

Auch lässt das Ende den Leser etwas enttäuscht dastehen. Die Hälfte des Buches ist die Rede von Revolution, davon, dass die alte Ordnung der Welt in absehbarer Zeit umgeworfen werden würde. Am Ende ist Krieg, Demian ist Leutnant und muss an die Front. Demians sonst so gesellschaftsferne Einstellung wird – meiner Ansicht nach – völlig konterkariert. Er nennt es zwar selbst eine Art gesellschaftliche Tarnung, die er nebenher hatte, aber besonders integer wirkt es auf mich nicht. Außerdem trägt zwar Krieg auch zu einer Weiterentwicklung, Umwälzung, Revolution der Gesellschaft bei – doch ob die so völlig im Sinne Demians oder Sinclairs ist, wage ich zu bezweifeln. Wie auch immer – es lohnt sich dennoch, das Buch einmal in die Hand zu nehmen.

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Literatur & Philosophie , ,

3 comments


  1. Diese Vorstellung teile ich nicht.

    Sondern?

    • Harhar! Ich habe schon beim Schreiben überlegt, ob nicht jemand genau das fragen könnte und ob ich es nicht einfach gleich dazu schreibe. :D

      Ganz kurz: Ich denke, dass Dinge einfach geschehen. Man kann aus jedem Ereignis eine Lehre ziehen, die für das weitere Leben von Bedeutung und hilfreich ist. Es ist egal, ob der Sinn den Ereignissen schon inhärent ist oder nicht – wir schaffen den Sinn spätestens dann, wenn wir die Lehre erkennen oder anwenden, die wir sehen. Andere Leute sehen in den Ereignissen oft auch andere Lehren.
      Ich denke einfach, dass man nicht sagen kann, ob der Lauf der Dinge durch etwas wie Schicksal, Determinismus oder Zufall oder irgendein anderes Konzept bestimmt wird. Ich denke, Dinge passieren einfach und wir machen uns einen Reim darauf.

  2. Akim

    @Addliss:
    Das sehe ich ebenfalls so. Es ist relativ leicht, in einem Ereignis einen scheinbar höheren Sinn auszumachen bzw. es als Fügung des Schickals zu betrachten – allerdings erst im Nachhinein. Das soll andeuten, dass man gerade die Vergangenheit als unvermeidlichen Ablauf der (gegebenen) Bedingungen auffasst (siehe dazu auch Nietzsche und dessen Kritik der typisch menschlischen Begriffe von Zeit/Schicksal und Gedächtnis).
    Ob man die wahrgenommene Abfolge zeitlicher Abfolge schlicht als zufällig oder vom Schicksal bestimmt oder anders versteht, ist mitunter eine reine Frage der Beschreibung und nicht tatsächlich relevant, da die Wahrnehmung von vornherein subjektiv beschränkt ist. Demnach ist letztendlich nur die individuelle Auffassung maßgebend – und somit nicht unmittelbar an das objektive Vorhandensein von Zufall oder Schicksal gebunden.

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