Blumen an Googles Firmenschild

In China gab es, wie ihr dieser Stunden überall lesen könnt, einen Hacker-Angriff1 auf E-Mail-Konten verschiedener Menschenrechtsaktivisten und Regime-Kritiker bei Gmail. Daraufhin hat Google ja nun seine gefilterte Suche für die chinesische Google-Seite zumindest angepasst, sodass auch vorher verbotene Bilder o.ä. zu finden sind:

Google.cn | Tank Man

Nun lese ich bei Nerdcore, dass Blumen an einem Firmenschild einer chinesischen Niederlassung Googles niedergelegt worden waren. Ob das als Dank oder als vorausgeschickte Trauerblumen zu verstehen ist, weiß man nicht. Allemal ist es bemerkenswert!

Spannend wäre es, die Behauptungen von mspr0 zu überprüfen, die er hier tätigt:

Wenn China, warum dann nicht auch Iran? Was gäbe es da noch für eine Rechtfertigung? Google wäre in der moralischen Pflicht, Informationen überall dorthin zu bringen, wo Zensur herrscht. Warum also nicht auch nach England? Oder nach Australien? Wozu sich überhaupt noch an Gesetze halten? Wozu überhaupt noch die Regulierungsansprüche von Staaten ernst nehmen? Wozu überhaupt noch Staat/Nation?

Und auf einen Schlag sähe jegliche nationale Gesetzgebung das Internet betreffend aus, wie ein Wutanfall von Mickey Mouse. Die staatliche Souveränität wäre als Prinzip angekratzt, wenn nicht gar völlig diskreditiert. Und es gäbe eine neue strategische Großmacht auf der Welt. Google kann Staaten stürzen.

Damit wäre 2010 gebührlich eingeläutet. Das postnationale Zeitalter hätte begonnen.

Ist es wirklich schon soweit, dass Google Staaten stürzen kann? Wenn ja: War es vorher nicht auch schon möglich für Großkonzerne, starken Einfluss auf Staaten zu nehmen? Muss Google ernsthaft alle Staaten ignorieren, wenn sie chinesische Vorgaben ignorieren? Wenn René davon spricht, das Firmencredo Googles sei “Don’t be evil!” – was heißt hier “evil”? Kann es nicht auch “evil” sein, bestimmte Inhalte anzubieten? Wo zieht man hier bei einer Metamoral die Grenze? Wie sieht ein “gutes” Moralsystem aus und wie ein “böses”? An geeigneter Stelle sollte mal jemand was dazu schreiben. Vielleicht lasse ich mich auch noch dazu hinreißen…

Ich frage mich, warum es nicht auch normale Cracker gewesen sein können, die die Accounts angegriffen haben. In seinem Firmenblog macht Google klar, dass diese Attacken sehr “sophisticated” (“wohldurchdacht”, “clever”) und “targeted” (“zielgerichtet”) gewesen seien. Okay, das schließt einen Angriff von klugen Köpfen, die nichts mit der Regierung zu tun haben, nicht aus. Das würde allein noch keinen Rückzug Googles rechtfertigen (für meinen Geschmack). Hinzu kommt jedoch, dass man bei den Recherchen herausgefunden hat, dass auch mindestens 20 andere größere Unternehmen aus den verschiedensten Branchen angegriffen wurden – zur gleichen Zeit. Solche Großangriffe lassen sich schwer durch einzelne Gruppen koordinieren, zumindest in meiner Vorstellung. Daher liegt die Vermutung nahe, dass ein von der chinesischen Regierung beauftragtes Team dahinter stecken könnte. Außerdem habe China sich im vergangenen Jahr restriktiver gezeigt, was die Meinungsfreiheit betrifft. Daher müsse man sein Vorgehen in China überdenken. Insofern ist es für mich plausibel. Dies sind alles Indizien und Reibungspunkte, die gemeinsam zu einem Überdenken der Herangehensweise führen können.

Ich bin gespannt, wie Google hier weiter agiert, zumal sie auch mit der US-Regierung und der chinesischen Kontakt halten, um ihr Vorgehen abzustimmen.

  1. ob es wirklich ein Hacker-Angriff war, wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall waren es Cracker. Zum Nachlesen der Unterscheidung verweise ich auf einen Text von Richard Stallman. []

flattr this!

Medien & Interwebz, Politik, Wirtschaft & Gesellschaft , , , , , , , , , , , ,

1 comment


  1. Pingback: Tiefbegabt

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>