Der Blogger Chriz hat vorgeschlagen, dass man im IRC einen Channel einrichten könnte, in dem sich Blogger treffen. Es geht zum einen um Vernetzung und auch gegenseitige Hilfe. Wie Gilly in den Kommentaren anspricht, scheint es aber auch eine Möglichkeit für nette Pläuschchen zu sein. Meine Haltung zum eigenen Blogger-IRC-Channel ist zwiegespalten und das aus verschiedentlichen Gründen.
Zum einen ist das Bloggerprofil so vielgestaltig. Da gibt’s den Webmaster, den Profi, der alles selbst coded oder mindestens coden könnte. Dazu kommen die Anfänger, die gerade WordPress oder die Blogger-Software installieren (wollen). Wenn wir wohlwollend sind, gehen wir davon aus, dass dies optimal wäre, da Profis/Fortgeschrittene den Anfängern helfen könnten. Gleichwohl gibt es den Einwand, dass die Profis vielleicht den Chat gar nicht betreten würden, da sie keine Hilfe bräuchten. Zudem besteht auch die Gefahr, dass es ein Chat unter Profis wird – ein eingeschworener Kreis. Doch beide Einwände möchte ich aus der Erfahrung, die ich mit IRC-Channels gemacht habe, zurückweisen. Grundsätzlich sind dort Menschen, um mit anderen zu sprechen – und nicht um sie auszuschließen. Zudem habe ich schon mehrmals Hilfe in IRC-Channels zu den verschiedensten Themen bekommen, ohne dort viele Stunden verbracht zu haben. Es besteht also die Chance, dass es kein eingeschworener Kreis von Profis wird bzw. dass Profis nicht deshalb fern bleiben, weil sie sich “ausgenutzt” fühlen.1 Daher gebe ich Chriz den Punkt zu, dass man sich gegenseitig helfen könnte.
Zum zweiten sind Blogger Leute, die sich für die verschiedensten Themen interessieren. Der eine bloggt über politische Vorgänge in Thailand, der nächste über seine eigenen Zeichenskizzen, der nächste über den Karneval und wieder andere über Mode. Viele bloggen auch über mehrere Themen, wozu auch ich gehöre. Ob man dort gemeinsame Themen finden könnte, die über den üblichen Smalltalk hinausgehen? Nichts gegen einen netten Plausch, doch den kann man auch woanders haben, oder etwa nicht? Ich könnte mir allerdings – um dem Punkt etwas Positives abzugewinnen – keinen besseren Ort vorstellen, um über eigene Blogtipps, Webtipps allgemein oder Vorgänge in der Blogosphäre zu sprechen (außer natürlich in Blogs selbst). Ob es eine sinnvolle Addition zur Kommentarfunktion, zum Reblogging, Twittern usw. ist, mag jeder selbst entscheiden. Ich schätze allerdings den Chat als etwas qualitativ anderes ein als einen Kommentar oder Tweet – man kann sich direkt und schnell über Themen austauschen. Tweets werden ja doch nicht alle gelesen, zumal nicht jeder rund um die Uhr Twitter liest und die Timeline einiger Nutzer mit Sicherheit überquillt. Meine jedenfalls verfolge ich nicht rund um die Uhr. Daher vielleicht keine schlechte Möglichkeit – wobei man hinzufügen muss, dass man gleichzeitig anwesen sein muss. Bei E-Mail o.ä. ist das nicht der Fall. Dennoch kann sich alles zusammen gut ergänzen.
Ich lese in Chriz’ Kommentaren, dass einige der Meinung sind, die Zeiten von Chats wären “vorbei”. Ich wüsste nicht, warum dieses Argument eine Relevanz hätte. Sofern das Kommunikationsmedium von genügend Leuten als passend eingestuft wird, kann man es wieder einführen. Gerade der IRC ist, denke ich, ein Dienst des Internet, der schon bewiesen hat, dass er sich hält. Das liegt nicht nur an den Geeks, die ihn aus minimalistischen oder nostalgischen Gründen nutzen, sondern er ist durch seine Struktur geeignet, eine größere Gruppe von Menschen zu verbinden. Gerade die Einwände, die erwähnen, ICQ, Skype etc. seien die Ablöser des IRC gewesen, verkennen, wie ressourcenschonend und offen der IRC ist. Man braucht bei genannten Diensten immer Kontaktdaten der einzelnen Nutzer, Einladungen in Konferenzen o.ä. Skype, ICQ etc. wurden dazu geschaffen, primär erst einmal einzelne Menschen zu verbinden. Mehrere Menschen in einen Dialog (Pluralog) treten zu lassen, ist beim IRC schlicht besser möglich.
Es scheint meiner Einschätzung nach nicht alles so einfach, wie sich Chriz das vorstellt. Es gibt bestimmte Hürden, die dem IRC-Bloggerchannel im Weg stehen (könnten). Doch ich sehe nicht, dass die unüberbrückbar wären.
- Hier könnte man die anthropologische Annahme einführen, dass sie sich beachtet fühlen wollen, nützlich. Sie möchten Anerkennung von anderen, daher helfen sie. Oder sie sind idealistisch und möchten eine funktionierende Blogosphäre. Es gibt auch hier wieder Einwände, dass beide Annahmen falsch sein könnten, z.B. von Philip Pettit und Geoffrey Brennan im Paper Esteem, Identifiability and the Internet. Sie gehen im wesentlichen davon aus, dass man als Nutzer keine Wertschätzung von Internet-Bekanntschaften erhalten kann, da sie keine Personen sind. Wir wissen nichts über sie und können sie daher nicht als etwas anerkennen, das Wertschätzung verleihen kann oder selbst Wertschätzung verdient. Empirisch zeigt sich mir jedoch ein anderes Bild. Eine ausführlichere Diskussion muss ich hier auslassen. [↩]

Netter Schreibstil, vor allem das mit der Fußnote ist gelungen, aber…
…die Kritik die du da äußerst, äußerst du offensichtlich nur um nicht überschwänglich zu klingen, denn vielfältige Themenbehandlung und ein weit gefasster Horizont der anwesenden Chatter ist ja wohl kein Nachteil, eher im Gegenteil.
Ob Einsteiger oder nicht ist ebenfalls egal, denn die Geeks und Nerds fühlen sich meist in ihrem Wissen bestätigt und Anfänger sind froh über jede “blöde” Frage, die sie loswerden können.
Für Support zu den verschiedenen Blogsysteme gibt es außerdem andere Channel wie #wordpress oder #wordpress-deutschland auf freenode.
Ich habe mich wegen Chriz Beitrag erstmal in die Materie IRC eingelesen und muss wirklich sagen, ich wurde mehr als nur freundlich aufgenommen. Gerade der Punkt, dass wir (fast) alle über verschiedene Themen bloggen macht den reinen Blogger Chat für mich interessant, denn nur so kann man sich gegenseitig Tipps & Ratschläge geben ohne selber seine Besucher (via Google) zu verlieren. Ich war ja stets für die Stärkung der deutschen Blogosphäre : linken und verlinken ohne gelinkt zu werden – und in dem IRC gibt es natürlich den normalen Plausch, aber heute wurde z.B. dort auch schon über Werbeformen diskutiert, ein Thema welches Blogger so in der Öffentlichkeit kaum besprechen / verbloggen.
Jeder Blogger ist anders, führt seinen Blog anders und deswegen kann man in solchen “Gesprächsrunden” – die übrigens nicht von Nerds, Geeks und Profis überfüllt sind – echt eine Menge lernen, mitnehmen und so seinen Horizont erweitern.
Ich habe z.B. via dem Chat einen Blogroll-Linktausch mitnehmen können, alleine dafür hat sich die Anmeldung schon gelohnt.
Gruß,
Jens
Interessanter Artikel! Ich möchte noch dazu sagen, dass der Channel kein “eingeschlossener Kreis” zwischen Insidern ist oder werden soll. In dem Channel wird natürlich, wie fast überall auch viel Small-Talk geredet. Es geht nicht darum, dass jemand ein Profi ist oder eben keiner. Hier wird einfach über alles geredet, was interessant ist. Als Beispiel könnte man hier z.B. “Flattr” sehen. Das Thema interessiert doch momentan einige und wie ich sehe, dich ja auch!
Und jeder Blogger hat natürlich andere Themen über die er bloggt. Das ist klar und sollte auch nicht schlimm sein. Immerhin kann man so auch mal andere Inspirationen finden, auf die man sonst nie gekommen wäre! Um bestimmte Themen geht es ja nicht, jeder kann eine Diskussion mit interessanten Themen beginnen.
Ich denke, es muss nur erstmal konkretisiert werden, welche Ziele die Einrichtung solch eines IRC-Channels hätte. Dann kann man sich auch überlegen, inwiefern diese auf diesem Weg erfüllt werden. “Vernetzung und gegenseitige Hilfe” sind vermutlich noch zu schwammig, um die Möglichkeiten klar zu erkennen.
Bestätigen sich die anfänglichen Hoffnungen jedenfalls nicht, kann man diesen Kommunikationsweg ja auch wieder aufgeben – also insofern sehe ich kein ernsthaftes Problem.
Vielleicht könnte es für einige Blogger auch ein weiteres Medium des Gedankenaustauschs und -sammelns sein, um so Blog-Artikel zu verbessern oder zu entwerfen. (in der Art: im IRC ist alles noch fließend, im Blog wird es dann in eine (feste) Form gegossen)
Ich habe den IRC Channel eingerichtet, damit sich erfahrene und unerfahrene Blogger dort austauschen können. Viele kennen sich schon von Twitter, Facebook und Co., aber dort gibt es kaum eine Chance, sich etwas persönlich auszutauschen. Darüber hinaus ist es in einem Chat auch schon einmal eher möglich, schnell nach etwas Hilfe zu fragen. Meine Intention war es auch nicht eine Expertenrunde in Leben zu rufen. Ich bin ja auch kein Blogger-Profi. Ich hatte eine kleine Umfrage gestartet und mich persönlich bei vielen anderen Bloggern umgehört. Da die Mehrheit die Idee gut fand, habe ich es einfach probiert und in die Tat umgesetzt.
Ich freue mich, dass wir schon einige Blogger täglich in dem Channel sehen und dort auch Aktivität herrscht. Das haben wir zu großen Anteilen Chriz zu verdanken, der sehr viel dafür Werbung macht und darüber berichtet. Wer dort auch ein wenig Zeit verbringt, der wird sehen, dass es eine offene und lustige Runde ist, in der über alles geredet wird.
Ob die Zeit von Chats vorbei ist, kann ich auch nicht sagen. Es gibt jedoch noch einiges an Aktivität und wer es nicht probiert, der wird es nie wissen. Aus diesem Grund werde ich sehen wie sich der Channel entwickelt und dann sehen wir weiter. Je mehr Leute daran teilnehmen, desto mehr wird es allen etwas bringen. Wenn man nicht wenigstens versucht eine Idee umzusetzen, dann wäre es doch sehr langweilig oder?!
So, habe ich also auch meinen Teil zur Erklärung abgegeben
Gruß Torsten (MD-Bloggi)
Ihr habt alle Recht: Die Vielgestaltigkeit der User ist gut für eine belebte Diskussion. Man sollte erstmal etwas ausprobieren, bevor man es verwirft (wenn es denn keine negativen Konsequenzen hat). Etc.
Ich wollte dennoch einige mögliche Kritikpunkte einmal erwähnen und auch zu bedenken geben. Zumindest der halbwegs ernst zu nehmenden Punkte sollte man sich doch einmal annehmen, wenn man Kritik entkräften möchte. Gerade bewusster Umgang mit Gegenpositionen kann den eigenen Standpunkt gegenüber Außenstehenden nämlich verbessern. Außerdem kann man Kritikern gleich den Wind aus den Segeln nehmen, bevor sie etwas madig machen können. Das wirkt auch nach außen hin sehr überlegt. Es sieht so aus, dass man sich wirklich Gedanken gemacht hat.
@Akim: Eine Konkretisierung des Ziels könnte helfen, aber auch einschränken. Manchmal ist es gut, wenn man das Ziel offen lässt – dann machen die Beteiligten vielleicht etwas Sinnvolles daraus. Das kann sogar etwas sein, was besser als die eigenen Erwartungen ist.
@Addliss:
)
Nein, du hast mich nicht ganz verstanden. Du hast doch verschiedene Kritikpunkte angebracht, weshalb ein IRC-Channel eventuell nicht angebracht wäre. Das ergibt aber wenig Sinn, wenn man nicht auch das konkrete Ziel formuliert, welches du bereits unausgesprochen (und scheinbar unpräzise) gedacht hast. Denn nur so kann man auch einschätzen, welche Vorteile und Nachteile vorliegen.
(“Austausch” ist so ziemlich der schwammigste Begriff für eine Kommunikation, den ich mir in diesem Moment vorstellen kann
Des Weiteren glaube ich kaum an Sätze wie “Je mehr Leute daran teilnehmen, desto mehr wird es allen etwas bringen.” oder “Die Vielgestaltigkeit der User ist gut für eine belebte Diskussion.”
Das ist ins Blaue geschossen…
Aber ich bleibe bei der Meinung, dass man den Channel einfach erstmal laufen lassen kann und sieht, ob es funktioniert. Bisher habe ich wie gesagt kein ernsthaftes Problem gesehen.
Da habe ich dich wirklich nicht ganz verstanden. Du magst richtig liegen, aber ich fand es trotzdem angebracht, mal ein paar Pros und Cons abzuwägen.