In diesem Artikel beim Spiegelfechter spricht Markus Rother von den Finanzierungsproblemen im Studium. Gerade eine rohstoffarme Nation wie Deutschland könne es sich schwerlich leisten, immer geringere Studierendenquoten zu haben und dabei immer größere finanzielle Hürden für die Studenten aufzubauen, so Rother. Nun sei es ein Problem, dass die Studenten von prekären Finanzen vom Studium abgehalten würden bzw. zu einem Abbruch gezwungen. Dazu zählten Schwierigkeiten bei der BAFöG-Berechnung sowie Studiengebühren.
Diese Probleme kann ich voll und ganz bestätigen. Auch ich hatte bei der Studienortswahl viele Möglichkeiten. Dann informierte ich mich über die Studiengebühren an jedem Ort und stellte fest, dass mehr als die Hälfte der Orte ausfiel, da Studiengebühren anfallen würden. Wenn ich allein 700€ pro Jahr oder Semester zahlen müsste, was allein mehr als ein Monatseinkommen mit BAFöG-Höchstsatz bedeutet, kann ich ein Studium schon vergessen. Bezahlen kann mir das niemand aus meinem Umfeld und selbst erarbeiten kann ich es auch nicht, denn es gibt da ein Problem: die Bologna-Reform.
Durch diese Neuerung, die das Studiensystem in Deutschland verbessern sollte, hat man Anwesenheitspflichten und vier bis zehn Prüfungen pro Semester, die eine Erwerbsarbeit nebenher unmöglich machen. Dies spricht auch der Artikel beim Spiegelfechter an.
Nun soll dieser Eintrag kein pauschaler Aufruf dazu sein, die armen Studenten zu bemitleiden und ihnen das freieste Studium aller Zeiten zu gewähren, in dem sie nichts leisten müssen. Doch wenn man (ebenfalls mit Bologna) die Quote der Studenten pro Lehrendem so massiv erhöht, ist ein interessiertes Studium mit selbst gewählten Schwerpunkten immer schwieriger. Die Institute haben kaum noch Ressourcen, um Wahlmöglichkeiten zu lassen. Die Studenten sind zu vielem gezwungen – und das behindert ein interessiertes Lernen. So ist es zumindest bei mir. Ich brauche einen gewissen Druck. Aber wenn die Studieninhalte ausschließlich obligatorisch sind, verkommt das Studium zu einer erweiterten Sekundarstufe II in der Schule.
Auch hier halte ich die Entwicklungen für grenzwertig. Regelmäßig werden Stimmen laut, die Studenten der Unis seien nicht auf Berufe vorbereitet o.ä. Dabei wird vergessen, dass das Studium keine alleinige Berufsvorbereitung ist, sondern dass Wissensinhalte vermittelt werden bzw. andere Kompetenzen. Es ist keine Berufsausbildung, mit der man nahtlos in ein Unternehmen wechseln kann, sondern man kann sich Wissensfelder erschließen, auf deren Grundlage eine Berufswahl möglich ist. Oder hat jemand schon mal einen hauptberuflichen “Anglisten” getroffen? Insbesondere Studierende der Geisteswissenschaften eröffnen sich durch ihr Studium meist mehrere Berufschancen, von der sie dann eine oder einige wenige als Ziel haben. Zudem sollte man auch nicht vergessen, dass die Universität nicht das Vehikel hochqualifizierter Arbeitskräfte sind, sondern auch für ihren eigenen Universitäts-Nachwuchs sorgen müssen.
Zudem sind Universitätsstudenten etwas anderes als solche von den Fachhochschulen. Wenn die Unternehmen praxisorientierte Ausbildung benötigen, sollten sie auf FH-Studenten zugehen. Universitäten sind klassischerweise etwas theoretischer orientiert. Und das ist auch gut so: Sobald wir in der Bildung vergessen, dass Theorie und Praxis, obgleich nicht immer getrennt, so aber doch beide wichtig, sind, wird die Bildung in Deutschland einseitig.
