Affe ist mit Zufall erfolgreicher als strategische Spekulanten

In diesem Artikel schildert “Russland Aktuell”, wie ein weiblicher russischer Affe namens Luscha an einem Experiment teilnahm und dort erfolgreicher an der Börse spekulierte als jahrelang in der Branche tätige Analysten und Spekulanten. Dazu wählte Luscha aus 30 bunten Würfeln, die für bestimmte Aktien standen, acht aus. Das Ganze ging ein Jahr lang und nun beträgt das Vermögen von anfänglich 1 Million Rubel auf knappe 3 Millionen. Damit ist dieser “Fond” erfolgreicher als 94 Prozent der gesamten russischen Fonds. Interessant dabei ist zu betrachten, warum der Affe erfolgreicher sein konnte, dazu gibt es mehrere Faktoren, die ich nur stichpunkartig aufführen werde. Natürlich sind das auch nicht wissenschaftliche Erkenntnisse meinerseits.

Zunächst möchte ich auch noch voranstellen, dass das Experiment nicht wirklich viel von “Spekulation” hatte, da dem Affen bunte Würfel vorgelegt wurden und nicht dazu aufgefordert, Aktien zu kaufen. Dies beinhaltet wirklich noch etwas mehr als nur Würfel auszuwählen. Allerdings lässt es eventuell Kritik an Analysten-Strategien zu und stellt die Frage in den Raum, wie strategisch man bei der Börse wirklich vorgehen kann. Dazu später etwas mehr.

1) Im letzten Jahr waren die Aktienkurse extrem unberechenbar, soweit ich mitbekommen habe. Insofern lässt sich der Erfolg des Affen z.T. als “Zufall” verbuchen. Gerade dann hätte man mit einer anderen zufälligen Zusammenstellung der Aktien ein anderes Ergebnis erzielt.

2) Im Text steht schon:

Die Bärenmakakin verteilte ihr Kapital sehr „geschickt“ zwischen staatlichen und privaten Unternehmen und setzte dabei zugleich auf Rohstoffförderung (plus 150 Prozent), Telekommunikation (plus 240 Prozent) und den Bankensektor (plus 600 Prozent).

Eine Streuung des Risikos und Aufteilung auf private und staatliche Unternehmen wird grundsätzlich empfohlen, sofern ich mich mit Aktienfonds auskenne. Daher ist es keine Überraschung, dass das Tier so erfolgreich war. Warum allerdings die Makler etc. nicht ähnliche Zusammenstellungen gewählt haben, wundert mich doch, da sie selbst doch ständig diese Tipps geben.

3) Wie ist es mit dynamischen Systemen? Ist die Börse ein dynamisches System? Kann man hier überhaupt strategisch vorgehen? Wenn man die letzten beiden Fragen verneint, kann man vielleicht eher davon ausgehen, dass die Börse psychologisch angegangen werden kann. Was denken die anderen, was als nächstes gefragt sein könnte? Wovon glauben die anderen, dass es demnächst einen Aufschwung erfährt? Wo steigt der Preis der Aktien wohl als nächstes? Das ist vielmehr psychologisch als rein strategisch.

Mathematiker und Studenten in den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern (VWL, BWL etc.) haben z.T. explizit Veranstaltungen zu dynamischen Systemen und versuchen diese mit Formeln zu durchdringen. Ich bin auch fasziniert davon, wie sich in übergeordneten Zusammenhängen immer wieder erkennbare Muster einschleichen. Allerdings stelle ich in Frage, dass gerade die Börse, die so psychologisch durchdrungen ist, grundlegend als dynamisches System aufzufassen ist. Aus dieser Perspektive ist der Erfolg von Luscha nun wiederum “Zufall”, da berechnende Strategien vielleicht nicht immer funktionieren. Und hier hat sie mit der zufälligen Methode zufällig die richtige Auswahl getroffen.

Allerdings stellt sich dann wieder die Frage, warum Analysten und Makler solch hohe Gehälter und Boni erhalten, wenn man mit dem Zufall gleich gute, bessere oder gleich schlechte Ergebnisse erzielen kann. Witzig ist ebenfalls die Stellungnahme einiger Analysten:

„Anfängerglück“. Wäre das Experiment ein Jahr früher gelaufen, als die Aktienkurse noch hoch lagen, hätte die Makakin sich kaum ihre Bananenration fürs laufende Jahr verdient, meinen sie.

Das ist eine schöne, sehr menschliche Trotzreaktion.

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