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Debatte: Die Sinnfrage des Journalismus

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Oktober 30, 2012 by Addliss

Viele Texte und Diskussionen um den Journalismus selbst sind in den letzten zehn Jahren entstanden. Sie alle reflektieren, dass das Internet einen nicht geringen Einfluss auf den Journalismus hat, der sogar noch steigen wird. Heute ist das absehbarer als je zuvor, sind doch gerade soziale Medien und Online-Redaktionen ein großer Einschnitt, vor allem was die Geschwindigkeit des Journalismus betrifft. Doch mit Bloggern kommt auch private, manchmal semiprofessionelle Konkurrenz mit ins Spiel – oder ist es überhaupt Konkurrenz? Gerade auch diese Frage geht ein Dossier bei Vocer an. Es stellt hauptsächlich die Sinnfrage: Wozu noch Journalismus?

Der Aufmacher ist vom Chefredakteur Heribert Prantl und heißt Der Journalismus vor dem goldenen, gefährlichen Zeitalter. Mit dabei sind aber auch Texte von Marietta Slomka, Peter Glaser, Michael Jürgs, Axel Ganz, Harald Hartenstein, Dirk von Gehlen und Sascha Lobo (u.a.). Sie alle setzen einen unterschiedlichen Fokus, Slomka etwa beschäftigt sich mit den Leitartikeln, Dirk von Gehlen erklärt, warum gerade in der Medienbranche solch eine Frage gestellt wird, Peter Glaser dagegen fokussiert genau die digitale Komponente des Journalismus und leitet ein mit dem Satz:

Die Zukunft des Journalismus besteht darin, herauszufinden, was die vernetzte Maschine nicht kann (und es zu nutzen).

Nicht alle Texte sind unbedingt lesenswert, doch es lohnt sich, einmal reinzulesen in dieses – zugegebenermaßen recht lange – Dossier. Heribert Prantl im Aufmacher:

Es gibt in Deutschland 20.000 Richter; aber es gibt viel, viel mehr Leute, die sich auch täglich ihr Urteil bilden. Es gibt in Deutschland 310.000 Polizisten. Aber es gibt noch viel mehr Leute, die auch ganz gut darauf aufpassen, was in ihrer Umgebung passiert. Es gibt zigtausend examinierte Pädagogen und Erzieher in Deutschland. Aber es gibt viel, viel mehr Leute, Mütter und Väter, die Kinder erziehen, ohne dass sie das studiert haben. Die Leute, die sich ihr Urteil bilden, ohne dass sie Jura studiert haben, machen die Richter nicht überflüssig. Die Leute, die sich um ihr Wohnviertel kümmern, machen Polizisten nicht überflüssig. Und Leute, die ihre Kinder erziehen, machen Pädagogen nicht überflüssig.

So ist das mit dem Journalismus auch. Es gibt in Deutschland zigtausend professionelle Journalisten. Aber es gibt noch viele, viele andere Leute, die auch ganz gut lesen und schreiben können, aber nicht recherchieren, reportieren, kommentieren und pointieren gelernt haben. [...]

Der Journalismus ist keine verspätete Veranstaltung des hochmittelalterlichen Zunftwesens. Den Journalismus kann man also nicht also nicht mit Zunftordnung und Zunftzwang verteidigen – sondern nur mit Können. Der Journalismus ist schon immer ein besonders freier Beruf gewesen. Und die Bloggerei ist eine neue Bühne für diese Freiheit. Wie viel guter Journalismus auf dieser Bühne gedeiht, muss sich noch zeigen. Kein Schauspieler muss sich vor einer neuen Bühne fürchten. Ein Journalist auch nicht.


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