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Wie überwindet man das Existenzarbeitssystem?

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Oktober 26, 2012 by Addliss

Seit einiger Zeit gibt es Stress im Bundesvorstand der Piratenpartei. Johannes Ponader verhält sich unliebsam, nun sei es denn, das soll jetzt nicht Thema sein. Viel wichtiger ist mir, dass Bernd Schlömer, Bundesvorsitzender, Ponader rät, er solle einmal arbeiten gehen. Das bezieht sich darauf, dass Ponader sich selbst als “Lebenskünstler” bezeichnet und sich nicht vom Amt finanzieren lassen wollte. Er wollte es von Spenden derer, die ihn unterstützen, weil er das Amt demütigend fand. Soweit so ungewöhnlich. Nun wird ihm aber vorgeworfen, er könnte sich möglicherweise nur deshalb für das bedindungslose Grundeinkommen aussprechen, da er selbst arbeitsscheu sei. Und dabei stelle ich mir die Frage, welche Optionen Ponader hätte:

Entweder, er versucht sich dem Existenzarbeitssystem zu entziehen und sich dafür einzusetzen, woran er glaubt. Dann wird ihm vorgeworfen, dass er arbeitsscheu sei und nur etwas durchsetzen wolle, was ihm selbst zum Vorteil gereiche. Politik nur für den eigenen Vorteil, nicht besonders beliebt, zumal wenn sie offensichtlich erscheint.

Eine andere Option wäre, dass Ponader tatsächlich in einem Angestelltenverhältnis arbeitet. Genau dann könnte man ihm ebenfalls vorwerfen, arbeitsscheu zu sein und das Angstelltenverhältnis als lästig zu empfinden. Außerdem könnte man gegen ihn einwenden, dass er doch selbst in einem Angestelltenverhältnis nach dem Existenzarbeitsprinzip arbeite und damit zurecht komme. Warum dann etwas ändern, wenn er zurecht kommt?

In beiden Fällen könnte man Ponader Argumente entgegenwerfen, die seine eigene Position instrumentalisieren. Doch politisch ist die Frage viel wichtiger, ob es ein Existenzarbeitsystem geben sollte oder ein bedingungsloses Grundeinkommen, völlig abgesehen von jeder momentanen Situation. Diese Frage ist viel wichtiger als Ponaders eigene Position.


2 comments »

  1. Akim sagt:

    Was genau verstehst du unter dem Begriff “Existenzarbeitssystem”?

    • Addliss sagt:

      Darunter verstehe ich, dass die Gesellschaft darauf aufbaut, dass jeder zu seinem Lebenserhalt (zu seiner Existenz) eine Arbeitsstelle haben muss. Das wird als Standardposition akzeptiert – die Arbeitslosigkeit wird als Ausnahme begriffen und als Ausbruch aus der Normalität.

      Anders wäre eben die Standardposition in einem System mit bedingungslosem Grundeinkommen. Völlig abgesehen von Vor- und Nachteilen, die ich hier nicht unbedingt diskutieren möchte, wäre dort der Ansatz anders: Jeder hat zur Existenzsicherung Kapital, die Arbeit ist seine selbstgesteckte Lebensaufgabe, seine Eigeninitiative.

      Die Zweideutigkeit wird mir jetzt erst klar: Natürlich sind wir als Gesellschaft darauf angewiesen, dass jemand Arbeit verrichtet, sodass unser aller Überleben gesichert ist. Wir sind im Gesamten von Arbeit abhängig, von Produktion. Doch mir geht es mit diesem Begriff darum, dass jeder Einzelne quasi sein Recht auf Überleben durch Arbeit absichern muss.

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