Google + RSS Feed

Kathrin Passig: Das Internet jenseits üblicher Projektionen

0

Oktober 6, 2012 by Addliss

Dieses Interview mit Kathrin Passig ist wirklich sehenswert, aber ich würde in einigen Punkten durchaus widersprechen oder sie relativieren:

Man sieht nicht nur die Gemeinsamkeiten zwischen Altem und Neuem sehr gut, man sieht auch die Unterschiede sehr gut. Einige rasten ja total aus, wenn sie sagen, was das Internet alles revolutionieren würde und überhaupt. Dabei überbetonen sie einige Neuheiten daran, vergessen aber die Gemeinsamkeiten mit bisherigen Medienformaten.

Zudem würde ich auch sagen: Es ist nicht nur so, dass der Zeitungskonsum so verändert ist und man einfach einiges gut ignorieren kann; sodass wir das morgendliche Zeitungslesen als beschaulich empfinden. Ich denke schon, dass es auch mit der Beschleunigung durch Online-Medien zu tun hat bzw. auch mit der Verfügbarkeit anderer und neuerer Informationen. Zeitung wird jetzt einfach als langsam empfunden. Unsere Möglichkeiten der Information sind so stark gestiegen, dass wir uns den Rhythmus aussuchen können, der für uns am besten ist. Wenn einer lieber die Zeitung liest, weil er dann mehr Ruhe hat, soll er das sehr gern tun! Wenn einer lieber alles schnell und kurz haben möchte, warum nicht?

Ich denke, dass man für schnelle und aktuelle Informationen auch nicht unbedingt das Smartphone nutzt. Ich jedenfalls vielmehr den Laptop. Aber es stimmt: schnell bedeutet nicht besser, genausowenig wie langsam in irgendeiner Form besser oder schlechter ist. Man sollte wissen: Für welchen Zweck braucht man die Information? Was will man damit anstellen? Was ist für diesen Zweck angemessen?

Das tue ich gerade wieder vermehrt: Langsames lesen und vor allem mich abschotten dabei. Ich habe meine Zeiten, wo ich im Netz rumstreife, aber ich habe auch wieder mehrere Bücher an der Hand, die ich regelrecht durcharbeite. Habermas liest man eben nicht im Vorbeigehen.

Ich denke schließlich ebenfalls, dass es einen Anpassungsprozess geben wird, weil offensichtlich wird, dass es nicht nur auf die Information, sondern auch auf die Reflexion ankommt – und die dauert manchmal. Es wird schnellere Informationsflüsse, die nur auf Information getrimmt sind, geben und langsamere, die zusätzliches Material und Reflexionsebenen bieten. Das spricht beides unterschiedliche Zwecke an. Das gibt es ja heute schon: Den Zeitungsartikel, der von dem spricht, was gestern passierte, die SpiegelTV-Reportagen, die sich eher mit aktuellen Themen beschäftigen, aber zusätzliche Recherche über Wochen beinhalten und dann Sachen wie dctp, die sich mit völlig übergeordneten Themen beschäftigen.


0 comments »

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

:-[ (B) (^) (P) (@) (O) (D) :-S ;-( (C) (&) :-$ (E) (~) (K) (I) (L) (8) :-O (T) (G) (F) :-( (H) :-) (*) :-D (N) (Y) :-P (U) (W) ;-)

Search the blog