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Zitat des Tages (106): Die lebendigen Bilder

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Juli 5, 2012 by Milowie

[Eine] Möglichkeit, die Photographie zu zügeln, besteht darin, sie in solchem Maße einzuebnen, zu vulgarisieren, banal zu machen, dass neben ihr kein anderes Bild mehr Bestand haben kann, gegenüber dem sie sich auszeichnen, ihre Eigentümlichkeit behaupten könnte, ihren Skandal, ihre Verrücktheit. Eben dies geschieht in unserer Gesellschaft, wo die Photographie tyrannisch alle übrigen Bilder erdrückt: es gibt keine Stiche mehr, keine figürliche Malerei, allenfalls noch dann, wenn sie sich fasziniert (und faszinierend) dem photographischen Vorbild unterwirft. Beim Anblick von Kaffeehausbesuchern bemerkte jemand nicht zu Unrecht:

Sehen Sie doch, wie tot sie wirken; in unserer Zeit sind die Bilder lebendiger als die Menschen.”

Eines der Kennzeichen unserer Welt ist vielleicht diese Umkehrung: unser Leben folgt dem verallgemeinerten Imaginären.

Roland Barthes: Die helle Kammer, S. 129


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