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Wie eine liberale Gesellschaft mit Straftätern umgeht

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Januar 5, 2012 by Addliss

In der Zeit gab es im Dezember eine Reportage über einen Vergewaltiger aus den 80er Jahren. Als dieser 2010 nahezu ohne Vorwarnung entlassen wird, ist er völlig unvorbereitet auf die Gesellschaft – und die Gesellschaft auf ihn. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2010 entschieden, dass die unbefristete Sicherungsverwahrung, die unter Kohl ermöglicht und unter Kanzler Schröder vermehrt eingesetzt wurde, nicht mit den Menschenrechten vereinbar sei, da es dafür keine juristische Grundlage gäbe. Daher wurden einige Sicherungsverwahrte sehr schnell entlassen, obwohl sie gemeinhin eine Vorbereitungszeit bekommen.

Der Häftling in dieser Reportage saß seit 1981 im Gefängnis, verbrachte dort also 30 Jahre, damals gab es noch die DDR. Wie soll er auf die Schnelle mit der neuen politischen, gesellschaftlichen und auch technologischen Lage klarkommen? Wie soll er sich in die Gesellschaft eingliedern?

Am nächsten Tag druckt die Bild- Zeitung Müllers Foto samt Lage der Wohnung. Ihre Reporter interviewen Nachbarn, die sie zuvor fotografiert haben: Sie halten Pappschilder vor sich, auf denen »Kinderficker!« steht oder »Vergewaltiger sollen keine Menschenrechte haben!«. Unter der Überschrift Jagdszenen in Harburg beschreibt die Hamburger Morgenpost die Szenerie: »Immer wieder brüllt ein Mann ›Todesstrafe!‹. Eine Frau schreit: ›Verpiss dich, du Bestie!‹« In Müllers Hausflur schmieren sie »Vergewaltiger raus«. »Aufhängen!« prangt an seiner Tür.

Doch nicht nur er hat Probleme, sondern auch seine Umwelt grenzt sich von ihm ab. Nachdem er in Bad Pyrmont verjagt wurde, zog er nach Hamburg, wo er innerhalb eines Jahres auch schon sechs Unterkünfte durch hat. Im März soll es in eine neue Bleibe gehen. Die Menschen wehren sich gegen einen Sexualstraftäter, der seit 30 Jahren positive Berichte in den Vollzugsanstalten bekommt. Er habe zwar keine Sozialtherapie gemacht, doch insgesamt sei er ruhiger, viel weniger aggressiv, so alle neueren Gutachten. Für eine gute Resozialisation und die Persönlichkeits-Stabilisation braucht er einen geregelten Tagesablauf, aber auch Unternehmen wollen ihn nicht beschäftigen.

Als kleine Weiterleseempfehlung lasse ich das mal so stehen. Es stellt sich die Frage: Wie möchte eine liberale Gesellschaft mit Straftätern umgehen? Haben sie eine Chance verdient?

Denkt mal drüber nach.


3 comments »

  1. Lusru sagt:

    Jawoll: “Denkt mal dr

  2. Lusru sagt:

    Nachtrag:
    Angeblich sind Namen Schall und Rauch – hier nicht!
    Wer diesen Text der Gesellschaft

    • Addliss sagt:

      Woher soll ich die Namen denn alle kennen? Ich werde jetzt nicht alle Reporter und teilhabenden Leute recherchieren, dazu fehlt mir einfach die Zeit und es ist nicht mein Ziel.

      Es mein Ziel, mit dem Artikel meine Leser zu erreichen, die in der Mehrzahl nicht an den Vorg

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